Schönbuch und Schwarzwald Warum die geplante Grünbrücke über die B14 von „nationaler Relevanz“ ist

, aktualisiert am 29.01.2026 - 13:49 Uhr
Bei Holzgerligen gibt es eine ähnliche Grünbrücke. Foto: Eibner-Pressefoto

Schönbuch und Schwarzwald sollen verbunden werden, zum Wohl vieler Tiere. Ein Wildkatzenkorridor zwischen Herrenberg und Nufringen könnte mit der geplanten Grünbrücke entstehen.

Böblingen: Carola Stadtmüller (cas)

Wenn Wildtiere von A nach B wandern wollen, stoßen sie immer wieder auf gefährliche Hindernisse – wie die Bundesstraße 14 zwischen Herrenberg und Nufringen. Sie zerschneidet den natürlichen Lebensraum von Hirschen, Wildschweinen oder Wildkatzen. Diese sind besonders geschützt. In den nächsten Jahren könnten sie endlich eine Art Geleitschutz bekommen.

 

Zum Ausbau der B 14 gehört auch eine Grünbrücke nahe der Polizeischule bei Herrenberg. Die Grünbrücke ist sozusagen der Lückenschluss über die Bahnstrecke, vor allem aber über die B 14. Ein Jahr lang waren jetzt die beteiligen Behörden aufgefordert, Änderungen oder Einwände beim Regierungspräsidium einzureichen. Jetzt sieht es nach grünem Licht für die Grünbrücke aus, wie der Landtagsabgeordnete, Hans-Dieter Scheerer, (FDP) mitteilt.

Selten und geschützt – und im Herbst in der Umgebung der geplanten Grünbrücke bei Herrenberg gesichtet worden: eine Wildkatze, hier ein Wildkatzenbaby. Foto: Avanti/Ralf Poller

Grünbrücke über B14: Nur für Wildtiere begehbar

„Es freut mich sehr, dass unser damaliges Anliegen nun umgesetzt wird“, so der Abgeordnete. Bei dem Projekt „B 14 Herrenberg–Nufringen“ könne nach aktuellem Stand davon ausgegangen werden, dass die Planfeststellung bis Ende 2026 per Beschluss erreicht werden kann. Er habe mit dem Nufringer Rathauschef Ingolf Welke bereits im Jahr 2021 auf die Notwendigkeit der Maßnahme hingewiesen und sich mit einem Schreiben an den Verkehrsminister Winfried Hermann für den Ausbau starkgemacht, teilt Scheerer mit.

Für den gewählten Bereich spricht aus Sicht der Planer die Topografie, die es möglich macht, eine 50 Meter breite Brücke mit einer lichten Höhe von 4,70 Metern zu errichten, ausschließlich für Tiere. Studien von Wildtierforschern zeigten, dass die Grünbrücken nicht angenommen werden, wenn sie auch Menschen benutzen, sprich Spaziergänger oder Radfahrer.

Trotzdem haben die Fachplaner für die Grünbrücke bereits den zukünftigen Radschnellweg zwischen Nufringen und Herrenberg mit fünf Metern Breite „mitgedacht“. Er wird auch unter der Brücke Platz finden. Die rechts und links der Straße vorhandenen Wirtschaftswege werden verlegt. An der B 14 ändert sich durch die Brücke nichts. Als Kostenpunkt hatten Vertreter des Regierungspräsidiums bei einer Sitzung des Technischen Ausschusses in Herrenberg vor etwa zwei Jahren acht Millionen Euro in den Raum gestellt.

Grünbrücke ist Verbindung mit „hoher Relevanz“

Ziel ist die Wiedervernetzung des Schönbuchs mit den Ausläufern des Schwarzwalds. Der Generalwildwegeplan der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes weist dieser Vernetzung eine „nationale Bedeutung“ mit „hoher Relevanz“ zu. Besonders wichtig wurde das Thema auch, weil man in der Umgebung des geplanten Bauwerks vor einigen Monaten eine der geschützten Wildkatzen gesehen hat. Seit elf Jahren wird an dieser Wiedervernetzung gearbeitet.

Bereits vorhanden ist ein drei Kilometer langer Wildkatzenkorridor zwischen Herrenberg und Nufringen, der aus Biotopen wie Büschen und Bäumen besteht, die Wildkatzen, aber auch anderen Wildtieren Schutz bieten.

Warum Wege auf Grünbrücken nicht hilfreich sind

Grünbrücke
Im Kreis Böblingen gibt es mehrere Grünbrücken. Teilweise sind sie schon mehrere Jahrzehnte alt. Die jetzt geplante Grünbrücke ist Teil des Bundesprogramms Wiedervernetzung des Bundes.

B 464
Im Jahr 2002 wurde im Rahmen des Baus der Bundesstraße eine Grünbrücke zwischen der Anschlussstelle Böblingen-Hulb und der südlichen Zufahrt nach Böblingen fertiggestellt. Sie ist 60 Meter lang und wird seit 2010 durch das Straßenbauamt des Landkreises gepflegt.

B 295
Eine weitere Grünbrücke führt zwischen Renningen und Leonberg über die Bundesstraße 295. Das 30 Meter lange und 61 Meter breite Bauwerk wurde im Jahr 2005 zeitgleich mit dem Ausbau der Bundesstraße zwischen dem Längenbühl und Renningen gebaut. Sie werde aber aufgrund eines vorhandenen Wirtschaftsweges vom Wild nicht so gut angenommen, heißt es vom Landkreis.

Rechtliches
Sowohl auf europäischer, als auf Bundes- und Landesebene sind sogenannte Wiedervernetzungsmaßnahmen vorgesehen. Bauwerke wie Grünbrücken oder Kleintierdurchlässe sollen zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt wild lebender Tiere beitragen.

 

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