Schönbuchbahn im Kreis Böblingen Elektrifizierung steht unter keinem guten Stern

Bislang waren die Nexio-Züge nur zu Testzwecken in Böblingen unterwegs. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Erneut gibt es Probleme mit den neuen Elektro-Zügen des spanischen Herstellers CAF. Eigentlich sollten sie ab 9. Juni auf der Schönbuchbahn fahren, jetzt wird es Dezember – nicht die erste Verzögerung. Ein Rückblick.

Die Reaktivierung der Schönbuchbahn im Jahr 1996 ist eine Erfolgsgeschichte – eigentlich. Denn auf der einen Seite erfreut sich die Strecke von Beginn an enorm steigender Fahrgastzahlen, auf der anderen Seite steht die Elektrifizierung der Schönbuchbahn seit Jahren unter keinem guten Stern.

 

Viele Jahre war die Schönbuchbahn stillgelegt. Kurz nach der Wiedereröffnung 1996 zählte man rund 3700 Fahrgäste, vier Jahre später waren es bereits rund 5500 täglich. Bis ins Jahr 2012 wuchs die Zahl auf mehr als 10 000. Also beschloss der Kreistag, die Strecke für den elektrischen Betrieb auszubauen und einen 15-Minuten-Takt einzuführen. Doch bis es konkret wurde, gingen noch einige Jahre ins Land.

Ende 2016 bestellte der Zweckverband Schönbuchbahn für rund 60 Millionen Euro neue Elektrofahrzeuge beim spanischen Hersteller CAF. Der Plan war, dass die Züge ab 2020 auf den 17 Kilometern zwischen Böblingen und Dettenhausen fahren. Zudem wurde ab Sommer 2017 die Strecke gesperrt und für etwa 90 Millionen Euro umfangreich umgebaut – mit Hürden. Erst sorgten geschützte Eidechsen, dann hartes Gestein für Verzögerungen. Schließlich kam heraus, dass neue Leitungsmasten falsch berechnet waren und Rammpfähle nicht weit genug ins Erdreich drangen – die Fertigstellung verzögerte sich bis Dezember 2019, ein elend langer Schienenersatzverkehr inklusive.

Trotz der Verzögerungen beim Streckenumbau herrschte im Sommer 2020 noch halbwegs eitel Sonnenschein. Der erste neu konzipierte elektrische Zug Nexio aus Spanien kam nach Böblingen für Tests auf der Strecke. Wobei damals bereits klar war, dass wegen der Zulassungsverfahren die zwölf CAF-Züge frühestens im Dezember 2021 offiziell aufs Gleis gehen würden. So lange würde man sich zum Teil mit den alten Dieselloks sowie zum anderen Teil ausgeliehenen E-Loks Abhilfe schaffen. Wie lange diese Fahrzeuge in Betrieb sein würden, ahnte damals noch niemand.

Der Schock folgte ein gutes Jahr später. Das Eisenbahnbundesamt verweigerte die Nexio-Zulassung, weil die Bremsen falsch dimensioniert seien. Das Problem: Der Zug wurde leicht und spurtstark wie eine Stadtbahn konzipiert, sollte aber letztlich schneller als diese unterwegs sein und ja auch nicht in einer Innenstadt fahren. Also bemängelte das Amt, dass die Bremsen zu stark für die Schönbuchbahn seien und Fahrgäste stürzen könnten – seitdem wird darüber gestritten, ob das Amt zu kleinlich ist oder die Firma CAF dieses Problem viel früher hätte erkennen müssen.

Im Frühjahr 2023 kam die Hoffnung auf, die Bremsprobleme seien gelöst, ein Start der neuen Züge wohl 2024 möglich. Im Dezember fanden Testfahrten statt – damals verbunden mit der Ankündigung: Am 9. Juni 2024 geht es los. Doch auch dieser Termin wird nun gerissen – die scheinbar unendliche Geschichte geht weiter.

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