Schönbuchbahn in Holzgerlingen Mehr Sicherheit am Bahnübergang Tübinger Straße

Der Bahnübergang an der Tübinger Straße bei Holzgerlingen wird erneuert, die Strecke nach Dettenhausen zurzeit nicht befahren. Im Moment ist das Gleisbett komplett freigeräumt. Im Bereich vor der Bahnstrecke entsteht eine große Wendefläche als Ausweichmöglichkeit für lange Schwerlastfahrzeuge. Foto: Stefanie Schlecht

Der Bahnübergang in der Tübinger Straße wird rundumerneuert und zur Sicherheitsüberwachung mit Radartechnik aufgerüstet. Die Bauarbeiten schreiten laut Zweckverband Schönbuchbahn trotz einiger Widrigkeiten gut voran.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Der Boden vibriert. Metall klappert dröhnend auf Stein. Weißer Staub und Maschinenlärm erfüllen die Luft. Dieselgeruch steigt in die Nase. Die Bauarbeiten am Bahnübergang Tübinger Straße am südlichen Stadtrand von Holzgerlingen sind in vollem Gange.

 

Vom Bahnübergang selbst ist im Moment allerdings nicht viel zu sehen. Wo noch vor einigen Tagen die Schönbuchbahn über die Gleise gefahren ist, liegen jetzt aufeinandergestapelte Bahnschwellen aus Beton auf dem Schotter. Ein Bagger steht auf dem Gleisbett, aber gerade konzentrieren sich die Arbeiten noch auf Straßen und Beläge rund um den eigentlichen Bahnübergang.

Zum Schulstart am 12. September sollen alle Arbeiten fertig sein

Dort blickt Benjamin Uhlmann im Moment noch auf eine staubige Schotterwüste. Der 39-Jährige hat beim Zweckverband Schönbuchbahn die Projektleitung für diese große Baumaßnahme. Der studierte Betriebswirt koordiniert und steuert die Baustelle und ist Ansprechpartner für alle Änderungen, Hindernisse und Probleme, die bei einem Projekt dieser Größenordnung nahezu zwangsläufig auftreten.

Zum Schulstart soll die Bahn rollen

Eine Ebene über ihm verantwortet Simon Schulz von der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) die Gesamtleitung. „Mit ihm stimmen wir uns sehr eng ab“, sagt Uhlmann. Gemeinsam müssen Zweckverband und WEG darauf achten, dass der Zeitplan eingehalten wird, damit Schienen- und Straßenverkehr spätestens zum Schulbeginn am 12. September wieder uneingeschränkt laufen können.

Auch Materialengpässe führen Regie

Das ist nicht immer einfach. Schließlich sind Bahnprojekte ebenso von Materialengpässen und Lieferschwierigkeiten betroffen wie alle anderen Bauvorhaben. Zuletzt gab es bei dem für die Signalanlagen zuständigen Projektpartner beispielsweise Lieferprobleme, wie Uhlmanns Kollegin Ines Tuma berichtet. „Das war ein echtes Problem. Schließlich wollen wir hier insgesamt rund fünf Kilometer Kabel verlegen“, sagt die stellvertretende Geschäftsstellenleiterin beim Zweckverband Schönbuchbahn. Mit „vereinten Kräften“ habe man es schließlich gemeinsam mit der WEG geschafft, das notwendige Material aufzutreiben.

Fünf Kilometer Kabel werden am Bahnübergang verlegt

Die Arbeiten schreiten laut Benjamin Uhlmann gut voran: In den kommenden Tagen stehen demnach Gleisbau-, Gleistiefbau- und Entwässerungsarbeiten im Gleisbereich an. „Und Ende der Woche erfolgt dann der Einbau der Gleistragplatte“, sagt der Sindelfinger. Besser als beim bisherigen Bahnübergang sollen hier hochverschleißfeste und rutschsichere Oberflächen der Belastung durch den Schwerlastverkehr dauerhaft standhalten.

Ab Beginn der kommenden Woche folgen neben Asphaltarbeiten und Straßenbau auch die LST-Arbeiten. Sprich: Die Leit- und Sicherungstechnik wird eingebaut. Dazu gehört auch die so genannte Gefahrenraumfreimeldeanlage (GFR) – siehe Artikel unten. „Der Triebfahrzeugführer bekommt hier schon weit im Voraus signalisiert, ob Hindernisse wie etwa lange Lastenfahrzeuge den Bahnübergang blockieren“, erklärt Ines Tuma. Bisher musste die Schönbuchbahn an dieser Stelle auf 30 Stundenkilometer herunter bremsen, um vorbereitet zu sein, falls beispielsweise ein Sattelschlepper oder ein Traktor mit seinem Anhänger noch auf den Gleisen steht, während bereits die Schranken herunterkommen. Damit, so Ines Tuma, gewinne man in jede Richtung bis zu eine Minute Fahrzeit, was wiederum der Fahrplansicherheit zu Gute komme.

Den Verkehrsfluss optimieren

Auf der Umleitung geht es immer wieder reichlich eng zu

Seit 11. Juli laufen die Bauarbeiten am Bahnübergang Tübinger Straße ins Gewerbegebiet Buch/Erlach/Sol. Seit 28. Juli fahren zudem keine Züge der Schönbuchbahn mehr zwischen Holzgerlingen und Dettenhausen, ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet. Für weitere Verkehrsbehinderungen sorgen seit Anfang August Belagsarbeiten im Kreuzungsbereich der Tübinger Straße zur Max-Eyth-Straße, die in das Industriegebiet führt. „Das geht nur mit Vollsperrung“, erklärt Bürgermeister Ioannis Delakos, warum die Stadt die Bauarbeiten nutzt, um eigene Hausaufgaben zu erledigen. Schließlich zeugen Risse im Asphalt schon lange davon, welchen Tribut der vielen Schwerlaster ins Industriegebiet fordert. Die Umleitung zum Industriegebiet über die Erlachstraße bremst den Verkehr in dieser Ecke merklich herunter. Wenn sich in der verschlungenen Rudolf-Diesel-Straße zwei Sattelschlepper begegnen, wird es eng. Mit Enge und Wartezeiten am Bahnübergang soll es nach dem geplanten Abschluss der Bauarbeiten Anfang September und nach einer einwöchigen Testphase für die GFR-Anlage vorbei sein.

Sämtliche Veränderungen rund um diesen Schienenabschnitt sollen nämlich dazu dienen, dass der Verkehr an dieser Engstelle künftig schneller und vor allem sicherer abfließen kann. Die GFR ist dafür nur ein wichtiger Baustein. Eine andere wichtige Neuerung ist schon sichtbar. Auf der B 464, die hier parallel zur Strecke der Schönbuchbahn verläuft, ist die neue Abbiegesspur für den Verkehr aus Richtung Tübingen und Weil im Schönbuch nämlich bereits fertig. Wenn künftig die Schranke am Bahnübergang heruntergeht, sollen wartende Autos und Lastwagen sich hier aneinanderreihen und den Verkehr auf der viel befahrenen Nord-Süd-Verkehrsader nicht mehr ausbremsen.

Abbiegespur soll auf B 464 für Entlastung sorgen

Wendehammer auch für Traktoren

Lange Lastenfahrzeuge können auf Wendehammer ausweichen

Das Prinzip, stehenden Verkehr auf großzügige Ausweichflächen zu verteilen, greift künftig im gesamten Bereich rund um den Bahnübergang – zum Beispiel in Form eines zusätzlichen, drei Meter breiten Übergangs für Radfahrer und Fußgänger. Hinzu kommt ein sogenannter Wendehammer, der die Tübinger Straße zwischen B 464 und Bahnübergang erheblich verbreitert. Hintergrund ist, dass an dieser Stelle neben Autos und Lastwagen zusätzlich viel landwirtschaftlicher Verkehr unterwegs ist. Wenn also künftig aus Holzgerlingen kommend ein Traktor mit voll beladenem Anhänger links in den parallel zur Bahnstrecke verlaufenden Tübinger Weg zum Schlosshof abbiegen will, dann kann das Fahrzeug mit seiner gesamten Länge auf diese 270-Grad-Schleife ausweichen.

Bis es soweit ist, muss noch viel passieren auf der Baustelle. Aber man liege „gut im Zeitplan“, sagt Uhlmann. Deswegen gingen die Sonderschichten an den beiden vergangenen Wochenenden jeweils auch „nur“ bis in den späten Nachmittag hinein. Die vorsorgliche Bitte um das Verständnis der Anwohner wegen nächtlichen Baulärms am Wochenende war letztlich nicht notwendig.

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