Schönes Remstal: 111 Orte, die man gesehen haben muss Entspannter Strommast, gemütliche Unterwelt

Von Dirk Herrmann 

Ute Blessing stellt 111 reizvolle Ausflugsziele im Remstal vor, darunter 16 in Fellbach und Kernen. Dabei sind auch einige Schmankerl zu erfahren, etwa dass Orkan Wiebke 1997 den Giebel der Alte Kelter um 48 Zentimeter nach Osten verschoben hat.

Einzigartige Akustik im Kläranlagen-Tropfkörper. Foto: Patricia Sigerist
Einzigartige Akustik im Kläranlagen-Tropfkörper. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach/Kernen - Die am 10. Mai beginnende Remstal-Gartenschau ist natürlich auch für Verlage eine gute Gelegenheit, den Landstrich zwischen Essingen im Ostalbkreis und der Neckarmündung bei Remseck näher zu beleuchten. Der Kölner Emons Verlag ist hier ganz vorne dabei: Erst vor wenigen Wochen brachte er den farbenprächtigen Bildband „Unser Remstal“ des Autors Andreas Krohberger aus Winterbach und des Fellbacher Fotografen Peter D. Hartung auf den Markt.

Nun folgt der zweite Streich: „111 Orte im Remstal, die man gesehen haben muss.“ Es ist eine Fortsetzung jener Reihe, die sich 111 Bieren, 111 Jazz-Alben oder 111 tödlichen Pflanzen ebenso schon gewidmet hat wie jeweils 111 Ausflugstipps etwa in Mönchengladbach, Westjütland, Paderborn oder Dubai. Auch der Großraum Stuttgart wurde schon mehrfach 111-mal erkundet – mit der Landeshauptstadt selbst, dem oberen Neckar oder der Schwäbischen Alb.

Die gebürtige Remstälerin Ute Blessing hat die reizvollen Orte aufgespürt

Und nun folgen 100 und elf Orte im Remstal, aufgespürt von der gebürtigen Remstälerin Ute Blessing. Sie hat auch etliche reizvolle Flecken und Ecken im Blick, die man selbst als fleißiger Wochenendausflügler nicht kennt. Geografisch gestaffelt von Ost nach West, bietet die häufig per Fahrrad ihre Strecken erkundende 51-Jährige beste Tipps für „kurzweilige Touren und inspirierende Streifzüge durch eines der schönsten Täler des mittleren Neckarraums“, wie es heißt.

Und das vordere Remstal ist sehr gut vertreten: Neun Ziele in Fellbach und sieben Ziele in Kernen werden auf je einer Text- und Fotoseite vorgestellt. Natürlich erfährt der Kenner hier nicht bei jedem Thema sensationell Neues, aber einige interessante Details hat Ute Blessing, die Business Management sowie Kulturwissenschaften studiert hat, doch parat. Bei der Alten Kelter in Fellbach weiß sie, dass Orkan Wiebke 1997 den Giebel der „größten historischen Gemeindekelter Deutschlands“ um 48 Zentimeter nach Osten verschoben hat. Zum Schwabenlandtower-Wolkenkratzer formuliert sie: „Deutschlands teuerstes Vogelhaus wird fertig gebaut.“ Die Steppenheide zeigt, „wie es im Remstal vor dem Weinbau aussah“.

Auch die Weinstube „Moiakäfer“ wird erwähnt

Bei der Weinstube „Moiakäfer“ geht’s um den Necknamen für die Fellbacher und darum, dass Neigschmeckte (Neubürger) „von den Einheimischen übrigens als ,Engerlinge’ bezeichnet werden“. Das Schmidener Orfeo bedeutet Kinogenuss im historischen Gewölbekeller: „Gemütlich ist es hier in der Unterwelt.“ Tatsächlich, so Ute Blessings Recherche, „war als Name auch ,Souterrain’ im Gespräch“ – na, da hätte es dann schon richtig schwäbisch „Suttrai“ heißen müssen.

Sie stellt den „entspannten Strommast“, also die Station „Freizeit/Muße“ des Berliner Künstlerquartetts Inges Idee, auf dem Oeffinger Besinnungsweg vor. Und zum baldigen Gartenschau-Kunststandort Kläranlage Weidachtal weiß Ute Blessing: „Beim Ausräumen der Lavaschlacke im westlichen Tropfkörperbehälter fiel die einzigartige Akustik in den runden Behältern auf – die Idee von einem ‚Natur-Kunst-Raum’ war geboren.“

In Kernen geht Ute Blessing auf die an die Naziopfer aus der Diakonie Stetten erinnernden 330 Terrakottafiguren des Künstlers Jochen Meyder ein. Die Ruine Yburg („Bronzeplastiken, Trockenmauern und ein Museumswengert“) wie der Klettergarten im Sandsteinbruch („Das steilste Stück Weinberg“) werden ebenso bedacht wie die Villa Rustica oder der Kernenturm auf den Schurwaldhöhen. Eher Spezialisten bekannt sein dürfte „Der Wegweiser“: Er ist „der schönste im Tal“ und steht am Verbindungsweg von Fellbach nach Stetten, geschaffen vom Rommelshäuser Holzschnitzer Emil Kappeler im Auftrag des Schwäbischen Albvereins.

Zum Buch gibt es das passende Kartenmaterial

Und neben diesen 16 Zielen locken auch noch weitere 95, die man mithilfe dieses sehr schönen Buchs samt Kartenmaterial im Anhang ansteuern kann, sei’s zu Fuß, auf dem Drahtesel oder per pedes.