Schönheitschirurgie in Ludwigsburg „Ich hätte weinen können“ – kann eine Brust-OP Selbstbewusstsein geben?

Nach der Operation musste Guilia Bialas mehrmals in die Klinik zu Facharzt Philip Zeplin zur Nachbesprechung kommen. Sie ist bis heute mit dem Ergebnis glücklich. Foto: Simon Granville

Guilia Bialas ließ sich mit 31 Jahren die Brüste in Ludwigsburg operieren und ist seitdem glücklicher mit ihrem Körper. Ihr Chirurg an der Schlosspark Klinik betont: Nicht jeder Eingriff ist vertretbar. Wieso er auch schon Patientinnen abgelehnt hat.

Volontäre: Frederik Herrmann (hef)

Jeder Mensch will schön sein. Aber was ist schon schön? Vielmehr ist Attraktivität ständig im Wandel, unterliegt immer neuen Trends, und ist zudem äußerst subjektiv. In der Antike galten kleine Penisse als höchst ästethisch und schick. Im Mittelalter waren es dann die fülligeren Körper, die mit Wohlstand und Macht assoziiert wurden. Was den weiblichen Körper angeht, stand für die heute 34-jährige Guilia Bialas schon immer fest: „Ich finde große Brüste schön.“

 

Doch die Realität der Frau aus Brackenheim (Kreis Heilbronn) sah lange anders aus. Sie hatte von Natur aus kleine Brüste, die nicht zu ihrem Idealbild passten. Ihre Vorstellung von einem schönen weiblichen Körper und ihr Selbstbild lagen weit auseinander. Das hat sie lange sehr belastet. „Wenn ich an früher denke, könnte ich weinen“, erzählt sie. Im Freibad hat sie immer ein Handtuch um sich gewickelt. Sie wollte nicht, dass andere ihre scheinbar zu kleine Brust sehen. Ihren BH auszustopfen war lange ganz normal für sie.

“Ich habe mich lange für meinen Körper geschämt“

Immer wieder hat sie sich mit anderen verglichen. Sah sie Frauen mit größeren Brüsten, wurde sie neidisch. Kleine Brüste bei anderen Frauen fand sie dagegen überhaupt nicht schlimm. Hart ins Gericht ist sie nur mit sich selbst gegangen.

Sie erinnert sich daran, dass sie sich immer geschämt habe, wenn sie sich nackt im Spiegel sah. Dass sie so schlecht über ihren Körper gedacht hat, kann sie erst heute erzählen. Damals schwieg sie und erzählte niemandem, wie es ihr ging. Zu groß sei die Scham gewesen. Erst mit der Brustvergrößerung kam das Selbstvertrauen.

Den Wunsch nach einer Operation hatte sie schon mit Anfang 20. Ihre Frauenärztin riet ihr allerdings noch zu warten. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes sei dann aber der richtige Zeitpunkt gekommen, wie sie sagt.

Vor jeder Operation stehen mehrere Beratungstermine an. Hier kam es auch schon vor, dass Zeplin von einer Operation abgeraten hat. Foto: Simon Granville

Immer mehr junge Frauen wünschen sich größere Brüste

Philip Zeplin kennt einige Frauen wie Guilia Bialas. Der Chirurg leitet die Schlosspark Klinik in Ludwigsburg und ist spezialisiert auf Brustoperationen. „Die meisten meiner Patientinnen sind zwischen 35 und 45 Jahre alt“, erklärt er. Doch zunehmend kämen auch jüngere Frauen, die mit ihrer Oberweite unzufrieden sind.

Eine Entwicklung, die nicht nur in Ludwigsburg stattfindet: Brustoperationen, wie Vergrößerungen mit Implantaten oder auch Verkleinerungen oder Straffungen, stehen an der Spitze der beliebtesten Eingriffe bei Frauen unter 30. Laut einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie machen sie mit 52,1 Prozent den Großteil der ästhetischen Eingriffe in dieser Altersgruppe aus – häufiger als Nasenkorrekturen oder Fettabsaugungen.

Und auch die Gesamtzahl der Eingriffe sei angestiegen. Deutschland liege damit weltweit auf Platz vier der brustchirurgischen Operationen. Philip Zeplin stellt fest, dass die Zahl der Eingriffe in Ludwigsburg leicht, aber kontinuierlich wächst.

Unrealistische Wünsche lehnt der Arzt ab

Doch nicht jeder Wunsch wird erfüllt. „Manche Frauen haben unrealistische Vorstellungen davon, was möglich ist“, betont der Facharzt. Auch bei Menschen mit einem verzerrten Selbstbild sieht er von Operationen ab. „Eine Frau kam zu mir, die bereits sehr schöne Brüste hatte – ich hätte nichts verbessern können.“ Häufig korrigiert er hingegen misslungene Operationen, die bei anderen Ärzten durchgeführt wurden. Solche Nachbesserungen machen inzwischen 20 bis 30 Prozent seiner Eingriffe aus.

Für Philip Zeplin ist entscheidend, dass ein Eingriff immer dem Wunsch und Wohlbefinden der Patientin dient. „Ich werde oft gefragt, was man an jemandem verändern könnte. Meine Antwort ist immer: ‚Was wollen Sie verändern?’“

Guilia Bialas wollte größere Brüste und bekam Implantate. Jetzt trägt sie die Größe 70E. Foto: Simon Granville

Neues Selbstbewusstsein durch neue Brüste

Guilia Bialas Wunsch nach größeren Brüsten hat er aber erfüllt. „Mittlerweile mache ich gerne Fotoshootings, das hätte ich mich früher nie getraut“, erzählt Bialas. Sie ist heute glücklich mit ihrem Körper. Außer mit den Lippen. Die lässt sie zwei mal im Jahr mit Hyaluron aufspritzen. Aber ganz natürlich soll es sein, sagt sie.

Große Schlauchbootlippen seien auch gar nicht mehr im Trend, beobachtet Zeplin. Die Hochphase sei vorbei. Denn er stellt fest: „Die Nachfrage nach Behandlungen der Lippe geht zurück.“

Die Schlosspark Klinik in Ludwigsburg

Prof. Dr. Dr. Philip H. Zeplin
Der Chirurg ist seit 2018 Geschäftsführer und seit 2015 ärztlicher Leiter der Schlosspark Klinik in Ludwigsburg. Er ist spezialisiert für Handchirurgie, ästhetische Brustchirurgie, Intimchirurgie sowie Lipödemchirurgie und Ästhetische Medizin.

Kunden
Bei den Kunden handelt es sich nicht nur um Frauen. Zeplin beobachtet, dass immer mehr Männer ästhetische Behandlungen in Anspruch nehmen. Besonders Maßnahmen zur Hautbildverbesserung seien bei Männern beliebt.

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