Schorndorf Einbrüche trotz zugemauerter Fenster

Am Breuningerareal sind inzwischen fast alle Fenster verrammelt. Foto: Stoppel
Am Breuningerareal sind inzwischen fast alle Fenster verrammelt. Foto: Stoppel

In die leer stehende alte Lederfabrik Breuninger wird trotz verrammelter Fenster immer wieder eingebrochen. Illegale Lagerfeuer rufen die Feuerwehr dort immer wieder auf den Plan.

Rems-Murr: Oliver Hillinger (hll)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Schorndorf - Die frühere Lederfabrik Breuninger nahe des Schorndorfer Bahnhofs entwickelt sich immer mehr zum Tummelplatz ungebetener Gäste. Trotz zugemauerter Fenster im Erdgeschoss schaffene es immer wieder Personen in die Backsteingebäude der Fabrik, deren Betrieb im Jahr 2008 endete. „Wir kennen die Jugendlichen“, sagt Thomas Georgi, der Leiter des Polizeireviers Schorndorf. Es handle sich um eine Gruppe von rund zehn Personen, welche der Polizei und dem Jugendamt bekannt seien. Sie benutzten die Räume als Rückzugsort und um unbeobachtet zu sein, vermutet Georgi. Ein Abenteuerspiel, das der Schorndorfer Polizeichef für sehr gefährlich hält. In dem Gebäude gebe es morsche Treppen und Gruben für die frühere Gerberei – gerade im Dunkeln sei die Gefahr eines Sturzes groß.

Wie gefährlich diese Abenteuerspiele sein können, hat sich am Montagmorgen vor zwei Wochen gezeigt. Mit großem Aufgebot wurde die Feuerwehr zu dem Areal gerufen, aus dem schwarze Wolken aufstiegen. Vor Ort stellte sich heraus, dass eine Art Lagerfeuer in einem der vorderen Gebäude die Ursache war, berichtet Thomas Georgi. Das schlecht gelöschte Feuer habe sich nachts durch die alte Holzdecke gefressen, diese zum Einsturz gebracht und dann einen Schwelbrand verursacht. Das erste Mal ist das nicht gewesen: Ende März fiel Passanten ein Feuerschein in dem Gebäude auf, ebenfalls ein illegales Lagerfeuer. Auch damals konnte die Feuerwehr Schlimmeres verhindern.

Für schlecht gesichert hält Georgi den einen Hektar großen Gebäudekomplex indes nicht. Inzwischen seien alle Fenster im Erdgeschoss zugemauert, die Fenster darüber mit Brettern vernagelt. Es sei sogar ein Gebäude im rückwärtigen Teil des Geländes abgerissen worden, damit es keine Aufstiegshilfe bieten könne. Das bestätigt auch der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der von „sehr guter Arbeit“ des zuständigen Hausmeisters spricht.

Allerdings sei die Sicherung so gut, dass sie den Brandbekämpfern die Sache eher erschwert habe – beim Einsatz vor zwei Wochen mussten die Feuerwehrleute von der Drehleiter aus die vernagelten Fenster aufstemmen, um überhaupt ins Innere des betroffenen Gebäude kommen. Laut Thomas Georgi seien Türen von den Eindringlingen innen verbarrikadiert worden, um ihnen im Falle eines Polizeieinsatzes Vorsprung zu geben.

Dass sich dieser Zustand ändert, ist indes nicht absehbar, denn eine konkrete Planung gibt es nicht. Für 2,6 Millionen Euro hatte die Stadt das einen Hektar große Gelände Anfang des Jahres vom Insolvenzverwalter Wolfgang Illig aus Stuttgart gekauft. Zuvor hatten von 2009 an zunächst die Activ-Group aus dem Oberschwäbischen Schemmerhofen (Landkreis Biberach), dann der inzwischen insolvente Bad Cannstatter Immobilienentwickler Sepa versucht, dort eine Mischung aus Handelsflächen, Dienstleistungen und Wohnungen zu etablieren. Die Schuldzuweisungen, warum dies alles nicht voran ging, waren wechselseitig. Die Investoren seien zu langsam vorgegangen, hieß es aus dem Rathaus, die Vorstellungen über den Zuschnitt des künftigen Einzelhandels seien seitens der Stadt zu festgelegt gewesen, tönte es von der anderen Seite zurück.

Immerhin ist nun ein Fortschritt in Sicht. In der vergangenen Gemeinderatssitzung habe ein Immobilienfachmann nichtöffentlich Entwicklungsmöglichkeiten für das Areal aufgezeigt, sagt der Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Vermutlich im September solle die Sache öffentlich im Gemeinderat besprochen werden. Unter Umständen könne es schnell gehen, sagt der OB – wenn sich nämlich im Rathaus ein Investor mit einem tragfähigen Konzept für das Areal vorstelle und dieses als gut erachtet werde.




Unsere Empfehlung für Sie