Die Schlichtener bauen einen neuen Spielplatz auf der Liegewiese in ihrem Allwetterbad, außerdem einen neuen Zaun. Foto: Eva Herschmann
Engagierte Bürgerinnen und Bürger aus dem Schorndorfer Stadtteil Schlichten haben in zwei Arbeitseinsätzen die maroden Spielgeräte im Allwetterbad erneuert und einen Zaun gebaut.
Eva Herschmann
12.05.2026 - 15:00 Uhr
Auf jede Schaufelladung Sand, die der Bagger von der Straße aus über die Hecke hinweg gekippt hat, warten auf der Liegewiese viele kleine und große Helfer mit Schaufeln und Schubkarren. Ein paar Meter weiter steht Meik Unrath auf einer Leiter und befestigt den Querbalken für die neue Doppelschaukel aus Robinienholz mit riesigen Schrauben. An zwei Samstagen haben engagierte Bürgerinnen und Bürger des Schorndorfer Stadtteils Schlichten (Rems-Murr-Kreis) mit schwerem Gerät und Muskelkraft in ihrem Allwetterbädle geschafft. Gemeinsam haben sie einen neuen Spielbereich für die jüngsten Badegäste und einen neuen Zaun gebaut. „Ein großes Lob an die Dorfgemeinschaft und an Steffen Hofele, der alles organisiert und koordiniert hat“, sagt Ortsvorsteher Achim Lütkemöller.
Ende Mai beginnt die Saison im Schlichtener Allwetterbädle, und beinahe wäre sie ohne Spielmöglichkeiten für die Kinder gestartet. Bei der jährlichen städtischen Spielgeräteuntersuchung war festgestellt worden, dass die alte Schaukel im Schlichtener Bädle und die Rutsche nicht mehr sicher ist. „Der Spielplatz wäre ersatzlos gestrichen worden, aber ein Bad ohne Spielgeräte für die Kinder geht gar nicht“, sagt Steffen Hofele, Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter.
„Das Bädle ist ein wichtiger Ort für Erholung und Gemeinschaft“
Das Allwetterbädle in Schlichten hat einige Jahrzehnte auf dem Buckel, doch als die Stadt Schorndorf Ende 2022 Pläne äußerte, das Bad zu schließen, gingen die Schlichtener auf die Barrikaden – und die Verwaltung nahm von den Plänen Abstand. „Das Bädle ist ein wichtiger Ort für Erholung, Spaß und Gemeinschaft“, sagt Steffen Hofele, der schon als Kind hier geplanscht und Schwimmen gelernt hat. Nicht nur er verbindet viele Erinnerungen mit dem Bädle, und damit es erhalten werden kann, engagieren sich die Schlichtener für ihr Bad.
Viele Hände helfen bei dem gemeinschaftlichen Projekt mit. Foto: Eva Herschmann
Jedes Jahr streichen sie eigenhändig das 25-Meter-Becken. „Die blaue Farbe bekommen wir von den Stadtwerken, den Einsatz bringen wir“, sagt Hofele, der mit seinen Kumpels Meik Unrath, Benjamin Aurenz und Sven Hees seit 2010 bei großen Fußball-Ereignissen ein Private-Public-Viewing für die Schlichtener in der Scheuer von Familie Unrath organisiert. Bei der Weltmeisterschaft in den USA, die am 11. Juni beginnt, ist das engagierte Team wieder am Start und sammelt Geld für einen guten Zweck. Wie auch mit dem Adventsschlepper, der alle Jahre wieder an den Adventssonntagen an verschiedenen Stellen im Ort mit Glühwein und Roter Wurst Station macht.
Ende April schickte Hofele, der auch Administrator der WhatsApp-Gruppe „Schlichten“ ist, einen Hilferuf raus: „Helfer gesucht – gemeinsam für unser Freibad Schlichten“, das nur „mit gemeinsamer Unterstützung erhalten werden kann“. Die Resonanz sei gigantisch gewesen, sagt Steffen Hofele. „Wir hatten an beiden Helfertagen rund 30 Leute hier, die geschafft und angepackt haben.“ Auch Material und Werkzeug brachten die Schlichtener mit.
Schlichtener stemmen rund 100 Tonnen Material für ihr Bädle
40 Tonnen Erde, 50 Tonnen Spielsand, 5 Tonnen Kies für den Beton und 1,5 Tonnen Zement verarbeiten die Schlichtener in ihrem Bädle. Rund 75 laufende Meter Baumstämme haben sie für die Umrandung der sandigen Spielfläche geschält. Einen jungen Baum haben sie versetzt und im Eingangsbereich 20 Meter alten Maschendrahtzaun durch einen Doppelstegmattenzaun ersetzt. Die Bäderbetriebe Schorndorf, die den Schwimmmeister stellen und sich auch sonst um die Technik kümmern, seien sehr kooperativ gewesen, lobt Hofele. „Die Zusammenarbeit war sehr konstruktiv.“ Ebenso wie die der Schlichtener. Überall wird am Samstag geschafft. Zeitgleich mit den Bauarbeiten am Spiel- und Eingangsbereich findet die jährliche „Auswinterungsaktion“ statt. Die weißen Plastikstühle werden vom Winterschmutz befreit, ebenso die Sitzbänke, die die Alterswehr vor zwei Jahren gespendet hat.
Auch Geld haben die Schlichtener in die Hand genommen. Das Material habe rund 7000 Euro gekostet, sagt Hofele. „2000 Euro kommen von unserem Adventsschlepper. Die Bürgerstiftung Schorndorf gibt 1500 Euro dazu, und rund 3500 Euro für die Schaukel und den Sand kommen von den Stadtwerken. Der Rest sind Spenden aus der Bürgerschaft.“ Viel wertvoller sei jedoch der ehrenamtliche Einsatz der Schlichtener gewesen, so der 41-Jährige. „In der freien Wirtschaft wären dafür wohl Arbeitskosten von gut 20.000 Euro angefallen. Und das ist eher vorsichtig geschätzt.“
Der Einsatz hat sich gelohnt. Nicht nur die Kinder aus Schlichten freuen sich auf die neue Badesaison und die neuen Spielgeräte. „Wir haben in diesem Jahr bereits so viele Jahres-, Familien- und normale Eintrittskarten fürs Allwetterbädle verkauft wie noch nie“, sagt Ortsvorsteher Lütkemöller.