Schorndorfer OB ist infiziert Andenken an Ischgl: Klopfer kommt mit Corona heim

Matthias Klopfer befindet sich gerade in häuslicher Quarantäne Foto: dpa/Thomas Niedermüller

Der OB geht seit Jahren mit Freunden zum Skifahren. Als sie vom Coronafall in Ischgl hören, reisen sie ab. Zu spät.

Schorndorf - Auf eine rauschende Geburtstagsparty hat Matthias Klopfer in diesem Jahr verzichten müssen. Der Oberbürgermeister von Schorndorf im Rems-Murr-Kreis, SPD-Mitglied, ist seit Donnerstag in selbst auferlegter Quarantäne. Und am Sonntag, einen Tag nach seinem 52. Geburtstag, erfuhr er: zu Recht. Sein Coronatest war positiv ausgefallen, angesteckt hatte er sich wahrscheinlich im österreichischen Ischgl. „Es geht mir nicht schlecht“, sagt der OB, der unter Asthma leidet, „normalerweise wäre ich sicher ins Büro gegangen“. Aber was ist schon normal dieser Tage? „Dieser Geburtstag“, sagt Klopfer, „wird in Erinnerung bleiben.“

 

Die Woche vor dem Geburtstag verlief so wie die vielen Jahre zuvor auch. Seit seinem Abitur 1987 trifft er sich jedes Jahr mit ehemaligen Schulfreunden zum Skifahren, seit mehr als 20 Jahren sind sie Stammgäste in Ischgl. Die Pisten dort „sind sensationell gut zum Skifahren“, sagt der Sportwissenschaftler und ausgebildete Skilehrer Klopfer, „wir sind in diesem Jahr drei Tage lang Tiefschnee gefahren“ – ein Träumchen.

Gefahr an Tiroler Party-Hotspot

Ischgl bietet sich auch zum Feiern nach dem Pistenspaß an. In dem Tiroler Ort, der secheinhalb Mal so viele Gästebetten hat wie Einwohner, geht es nach Liftschluss auf den Straßen zu „wie bei uns am Weihnachtsmorgen“ – ein dichtes Gedränge auf den Straßen und an den Tresen der zahlreichen Bars, laute Musik und Lichterglanz inklusive.

Seit er regelmäßig in den Ort komme, sei dieser extrem gewachsen. „Das Skigebiet wurde immer größer und von Jahr zu Jahr voller“, so Klopfer. Mittlerweile „sind es zu viele, die dort nur hingehen um zu trinken“. Die Spaßkurve ist für den passionierten Skiläufer („Auf der Piste trinkt man nicht“) darum allmählich am Sinken: „Die Leute trinken zu viel und fahren zu schnell.“ Ischgl sei „ein Partyhotspot“.

Einen Barkeeper hatte es erwischt – da nahmen sie Reißaus

Doch in diesem Jahr fand die Party ohne ihn und seine Freunde statt. „Um 8.15 Uhr auf die Piste, dann Sauna, dann zum Italiener etwas essen, danach noch ein Glas Bier und dann ins Bett“, so beschreibt der 52-Jährige den Tag seiner Reisegruppe.

Die Coronakrise schien da für sie noch einigermaßen fern zu sein. Dabei waren Klopfer und seine Freunde mitten drin. Am 7. März, am Tag ihrer Anreise, wurde bekannt, dass sich ein Barkeeper der Kneipe Kitzloch mit dem Virus infiziert hatte. Am Montagabend erfuhr Klopfer von dem Corona-Fall des Kneipiers, nicht vor Ort, sondern über eine Whatsapp-Nachricht eines Bekannten aus der Heimat. „Da saßen wir gerade in einer Fußballkneipe und sahen Stuttgart gegen Bielefeld“, erzählt er, „ein schlechter Kick.“

Die Nachricht aus der Heimat hob die Stimmung nicht gerade, „am nächsten Morgen sind wir abgereist“. Das Kitzloch habe er gar nicht gekannt, aus Neugier hätten sie am Montagabend noch geschaut, wo sich die Kneipe befinde. Da hatte die Tiroler Landesregierung die Bar schon geschlossen. „Ich kann mich überall angesteckt haben“, sagt Klopfer, „in der Sauna oder in der Gondel zum Beispiel“.

Matthias Klopfer: SPD-Mann und VfB-Fan

Matthias Klopfer hat eine Schwäche. Er ist VfB-Fan. Hätte der Sozialdemokrat am 9. März nicht in Ischgl in der Fußballkneipe gesessen, hätte er das Spiel gegen Bielefeld im Stadion verfolgt – Corona hin, schlechter Kick her. Im vorigen Jahr wäre der 52-Jährige gerne VfB-Präsident geworden, zog die Kandidatur aber zurück. Der Politik- und Sportwissenschaftler lenkt die Geschicke im Schorndorfer Rathaus seit 14 Jahren. Zuvor leitete er unter anderem den SPD-Wahlkampf bei der Landtagswahl 2001 und war Geschäftsführer bei der SPD-Landtagsfraktion.

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