An diesem Wochenende in Schorndorf Alle hoffen auf eine friedliche Schowo

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Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr wird das Sicherheitskonzept der Schorndorfer Woche 2018 deutlich erweitert. Die Jugend bekommt zudem einen eigenen Platz zum Feiern unter der Arnold-Brücke.

Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr wird bei der Schowo 2018 das Sicherheitskonzept erweitert. Foto: SDMG
Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr wird bei der Schowo 2018 das Sicherheitskonzept erweitert. Foto: SDMG

Schorndorf - Mit einem kleinen Festumzug und einem Fassanstich beginnt an diesem Freitag die 50. Schorndorfer Woche (Schowo). Bis Dienstagabend, 23 Uhr, befindet sich die gesamte Stadt dann in einer Art Ausnahmezustand. Damit dies ausschließlich ein ausgelassener, friedlicher, positiver Ausnahmezustand ist, haben sich Polizei und Stadtverwaltung nach den sexuellen Belästigungen und der Randale im vergangenen Jahr zu etlichen Besprechungen zusammengesetzt. Die Geschehnisse seien professionell aufgearbeitet worden: „Das war die intensivste Nachbereitung, die ich bisher erlebt habe“, berichtete Markus Jatzko, der Leiter des Schorndorfer Polizeireviers, bei einem Pressegespräch im alten Rathaus.

OB: Eines der sichersten Stadtfeste in der Region

Bereits vor Monaten haben die Vorbereitungen für die 50. Schowo begonnen, „zurzeit arbeiten wir Tag und Nacht daran, dass die Schowo wieder das wird, was sie jahrzehntelang war – eines der sichersten Stadtfeste in der Region“, sagte der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Und trotzdem: „Ich merke in meinem Umfeld, in der Stadt und bei mir selbst eine enorme Anspannung“. Eines sei klar: „Es wird auch bei dieser Schowo zu leichten Körperverletzungen kommen, das passiert einfach.“

Für den Fall, dass es nicht bei der üblichen Festrangelei bleibt, haben Stadt, Polizei und die veranstaltende Vereinsgemeinschaft das Sicherheitskonzept für das Stadtfest erweitert. „Wir wollen keine dunklen Ecken mehr haben“, sagte Edgar Hemmerich, der als erster Bürgermeister für den Bereich Sicherheit verantwortlich ist. Es gibt ein neues Beleuchtungskonzept für alle neuralgischen Punkte in der Stadt, zudem steht ein mobiler Lichtmastanhänger des THW bereit, falls irgendwo schnell eine starke Beleuchtung benötigt wird. Die städtische Ortspolizeibehörde wird mit mehr Kräften vor Ort sein, ein privater Sicherheitsdienst ist beauftragt und auch die Polizei wird ausreichend Beamte in Uniform und in Zivil einsetzen und stärker präsent sein. „Mir ist es wichtig, den bunten Mix zu haben: Kollegen, die deeskalierend einwirken können und Kollegen, die dann zum Einsatz kommen, wenn es um das konsequente Durchsetzen von Maßnahmen geht“, erläuterte Jatzko, der über die Anzahl der Kräfte aus polizeitaktischen Gründen keine Aussage macht.

Polizei richtet Einsatzzentrale ein

Es wird eine Einsatzzentrale der Polizei auf dem Revier geben sowie eine gemeinsame Sicherheits- und Kommunikationszentrale im Rathaus. „Wir wollen uns rechtzeitig untereinander verständigen, damit wir immer auf dem gleichen Informationsstand sind“, sagte Hemmerich. Täglich sind vor Beginn und nach dem Veranstaltungsende Einsatzbesprechungen von Stadtverwaltung, Polizei und Veranstalter geplant.

Dass es im Schlosspark zu ähnlichen Szenen kommt wie im vergangenen Jahr ist sowieso ausgeschlossen: Der Bereich ist mit Bauzäunen abgesperrt, der Park wird zurzeit für die Gartenschau umgestaltet und kann nicht von der Jugend als Treffpunkt genutzt werden. Deswegen wird es zum ersten Mal einen offiziellen Jugendfestplatz geben. Dieser befindet sich – wie der Titel „Under the bridge“ bereits verrät – unter der Arnold-Brücke und wird von der Stadt verantwortet. 27 000 Euro hat der Gemeinderat dafür bewilligt.

Aufgehübscht mit Kunstrasen, Sitzsäcken und Lichterketten soll er vor allem Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren anziehen. Geplant ist, dass DJs auflegen, mehr Programm soll es nicht geben. „Die meisten Jugendlichen wollen einfach nur einen Platz zum Chillen“, berichtete der städtische Jugendreferent Peter Komhard. Da vielen – so das Ergebnis eines Jugendforums – aber auch Sicherheit und Sauberkeit wichtig sind, steht für dringende Bedürfnisse ein Toilettenwagen bereit. Außerdem sind immer Jugend- sowie Schulsozialarbeiter und Sicherheitskräfte vor Ort. „Wir bauen eine Beratungs- und Präventionsstelle auf. Falls jemand nicht weiß, wie er nach Hause kommt, sich belästigt fühlt oder nicht weiß, was er mit seinem betrunkenen Freund machen soll, kann er sich an uns wenden“, sagte Komhard.

Nur der alte Friedhof ist tabu

Der neue Festplatz wurde von der Stadtverwaltung sowie der Jugendinitiative Schorndorf gemeinsam erarbeitet. Nun sind alle gespannt, wie er angenommen wird. „Es ist zumindest regensicher, das ist ein großer Vorteil“, sagte Komhard. Rund 700 Jugendliche haben sich auch an einer Fragebogenaktion zum neuen Festplatz beteiligt, die dazu dienen sollte, das Angebot bekannt zu machen. Allerdings ist damit zu rechnen, dass nicht alle jungen Erwachsenen sich dort niederlassen werden. Die einen werden vielleicht das Hauptfest für sich entdecken, die anderen sich auf einem der Schulhöfe niederlassen. „Das ist alles kein Problem, nur den alte Friedhof lassen wir nicht zu, das ist immer noch ein Friedhof“, sagte Matthias Klopfer.

Die Jugendlichen würden ihm allerdings weniger Sorgen bereiten, als beispielsweise das Bahnhofsumfeld. Oder auch das, was in den sozialen Netzwerken an Unwahrheiten rund um die Schowo verbreitet werde. „Es ist eine große Herausforderung, das parallel zu beobachten und konsequent Fakten darzulegen“, sagte Klopfer, der sich um den guten Ruf der Stadt sorgt: „Ich hoffe ganz arg auf eine friedliche Schowo.“




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