Gerechnet wird auch in Zukunft. Foto: imago/Jochen Tack
Niedersächsische Grundschüler werden in Zukunft an der Grundschule nicht mehr lernen, schriftlich zu dividieren, was „kein Alleingang“ sein soll. Was hat Baden-Württemberg vor?
Mit dem schriftlichen Dividieren haben sehr viele Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg große Probleme. Selbst Fünftklässler am Gymnasium tun sich damit schwer – vier von zehn Gymnasiasten haben hier besonderen Förderbedarf, hat die Auswertung der Lernstand-5-Ergebnisse des Landesinstituts für Bildungsanalysen ergeben, die im Sommer 2024 veröffentlicht wurden. Landesweit haben 60 Prozent der Fünftklässler Probleme mit dem Dividieren. Wie sollte man darauf reagieren?
Vielleicht wie das Land Niedersachsen, das aktuell von sich reden macht, weil entschieden wurde, das schriftliche Dividieren erst in den weiterführenden Schulen zu unterrichten, aber nicht mehr an den Grundschulen. Das neue Kerncurriculum gilt vom nächsten Schuljahr an aufwachsend für die Schülerinnen und Schüler, die neu eingeschult werden.
(Halb-)schriftlich dividieren in Niedersachsen
Auch sie werden das Teilen weiterhin lernen, aber anders als bisher in dem Bundesland: Niedersachsen setzt dann in der Grundschule auf das halbschriftliche Dividieren, um die Schüler auf das später anstehende schriftliche Dividieren vorzubereiten. Beim halbschriftlichen Dividieren werden große Zahlen in mehrere leichter teilbare Zahlen zerlegt. Bei manchen Lösungen kann sich dabei auch ein Rest ergeben, Lösungen mit Kommazahlen gibt es also nicht.
Die niedersächsische Entscheidung hat viel medialen Wirbel ausgelöst, obwohl das Land nur einen Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2022 umsetzt. Das dortige Kultusministerium hat auch in einer Mitteilung betont, dass es sich nicht um einen Alleingang handele, fünf weitere Bundesländer hätten Änderungen vorgenommen oder strebten diese derzeit an. Außerdem werde das schriftliche Dividieren „nicht abgeschafft“, alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen würden es weiter erlernen.
Kinder lernten an der Grundschule, Rechenwege selbstständig zu strukturieren, Zwischenschritte nachzuvollziehen und ein tieferes mathematisches Verständnis zu entwickeln – „eine wichtige Grundlage für den späteren sicheren Umgang mit schriftlichen Verfahren“. Das folgt dann in der weiterführenden Schule.
Grundschülerinnen und Grundschüler aus Baden-Württemberg kennen das halbschriftliche Dividieren gut. Sie lernen es hier bereits als Zwischenschritt – aber eben bisher auch noch das schriftliche Dividieren. Was plant also das Land angesichts des Beschlusses der Kultusministerkonferenz? Wird hier in Zukunft das schriftliche Dividieren auch erst in der weiterführenden Schule gelehrt?
Oder folgt man dem Beispiel Sachsens? Der sächsische Kultusminister Conrad Clemens fühlt sich nicht mehr an den Beschluss von 2022 gebunden: „Unsere Haltung in Sachsen ist klar: Wir halten am schriftlichen Dividieren in der Grundschule fest!“, lässt er sich in einer Mitteilung seines Ministeriums zitieren. Im 2025 aktualisierten Lehrplan für Mathematik an Grundschulen werde die schriftliche Division weiterhin als Lernziel vorgegeben.
Grundschulen im Land derzeit „stark beschäftigt“
In Baden-Württemberg ist bald Landtagswahl. Die jetzige Kultusministerin, Theresa Schopper (Grüne) hat aktuell nicht vor, beim schriftlichen Dividieren neue Wege zu gehen: „Eine Entscheidung hierzu steht in Baden-Württemberg nicht an“, so der Sprecher des Kultusministeriums, Jochen Schönmann. In dieser Legislaturperiode liege ein besonderer Fokus auf den Grundschulen. Dabei gehe es um die Stärkung der Basiskompetenzen generell, sowohl in Mathematik als auch in Deutsch. Schönmann weist auf die sogenannten Mathebänder hin, die nun eingeführt würden. Diese beinhalteten „verbindliche Vorgaben zum Üben“. Auch mit der Sprachförderung seien die Grundschulen derzeit stark beschäftigt. „Es braucht nun Zeit und Ruhe für die Umsetzung dieser Maßnahmen“.