Schrott im Weltraum Deutsche Spitzentechnik soll Unfälle von Satelliten verhindern

Das computergenerierte Bild der European Space Agency (ESA) zeigt Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten um die Erde kreist. Foto: ESA/dpa 12 Bilder
Das computergenerierte Bild der European Space Agency (ESA) zeigt Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten um die Erde kreist. Foto: ESA/dpa

Ausrangierte Satellitenteile, Rückstände von Raketen – der Weltraumschrott nimmt zu. Damit wächst auch die Kollisionsgefahr für funktionierende Satelliten. Das erste in Deutschland gebaute Überwachungsradar für den Weltraum soll davor warnen.

Leben: Markus Brauer (mb)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Koblenz - Schon mehr als 90 000 teils kleine Schrottobjekte, Tausende Satelliten sowie Raumfahrzeuge ziehen nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ihre Bahnen. Die Kollisionsgefahr wächst. Das DLR stellt daher an diesem Dienstag (13. Oktober) in Koblenz nach eigenen Angaben das „erste in Deutschland entwickelte und gebaute Weltraumüberwachungsradar“ vor.

Die Spitzentechnik für 44,5 Millionen Euro soll Weltraumschrott in erdnahen Orbithöhen zwischen 200 und 2000 Kilometern erkennen. Betreiber gefährdeter Satelliten können ihre teuren Objekte dann bremsen oder die Flughöhe verändern.

Besonders betroffen ist die Höhe von 800 Kilometern, die bevorzugte Flugbahn von Aufklärungssatelliten ist. Die Internationale Raumstation ISS fliegt zwischen 350 und 400 Kilometern. Sie musste bereits mehrfach Objekten ausweichen, die größer als ein Zentimeter waren.

Lesen Sie hier: Weltraumschrott gefährdet Satelliten

Ab 2021 geht Gestra in Betrieb

Das German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar (Gestra) ist auf der Koblenzer Schmidtenhöhe in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel untergebracht. Sende- und Empfangssystem befinden sich räumlich getrennt jeweils in einem Container.

Das im Auftrag des DLR-Raumfahrtmanagements in Bonn vom Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik entwickelte Radarsystem besteht aus jeweils 256 einzeln elektronisch gesteuerten Sende- und Empfangseinheiten. Nach einer Testphase soll Gestra im ersten Quartal 2021 in den Vollbetrieb gehen.

Die Spitzentechnik in den beiden Containern arbeitet meist alleine ohne Personal und wird aus der Ferne vom Weltraumlagezentrum im nordrhein-westfälischen Uedem am Niederrhein kontrolliert. Dieses betreiben das DLR-Raumfahrtmanagement und die Luftwaffe gemeinsam. Hier werden die Daten von Gestra verarbeitet. Während das neue Koblenzer System die Bahnen von Weltraumkörpern verfolgt und katalogisiert, kann das Weltraumbeobachtungsradar Tira bei Bonn verdächtige Objekte näher unter die Lupe nehmen.

„Die ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver“, sagt DLR-Sprecherin Elisabeth Mittelbach. „Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile, bei denen man keinen Knopf mehr drücken kann. Wenn davon zwei zusammenstoßen, können noch mehr Trümmer entstehen.“

Unsere Empfehlung für Sie