Schüler beim Racing-Wettbewerb Mit dem Miniaturrennwagen von Sindelfingen nach Singapur
Schüler aus Sindelfingen, Backnang und Schleswig-Holstein konstruieren gemeinsam Miniaturrennwagen und treten an beim STEM-Racing Wettbewerb.
Schüler aus Sindelfingen, Backnang und Schleswig-Holstein konstruieren gemeinsam Miniaturrennwagen und treten an beim STEM-Racing Wettbewerb.
Ihre Autos sollen gewinnen, mit dem größten möglichen Tempo und der größten technischen Perfektion über eine Rennstrecke fliegen. Ihre Strecke ist 20 Meter lang und ihre Autos messen etwas mehr als 20 Zentimeter. Das Team Spektrum besteht aus Schülern und nimmt teil am Wettbewerb des STEM-Racing, vormals „Formel 1 an der Schule“. Es kommt aus Sindelfingen und Backnang, besteht aus drei Schülern, die mittlerweile Verstärkung erhalten haben von drei weiteren aus Schleswig-Holstein. Lasse Niehus, Neel Basu und Noah Schott, 18, 17 und 18 Jahre alt, tüfteln, planen, entwickeln und dokumentieren mit entschiedener Leidenschaft. Tom, Jan und Paul sind im Marketing, bei Social Media und in der Konstruktion mit dabei.
STEM steht für „Science, Technology, Engineering, Mathematics“ und ist die internationale Entsprechung jener Bildungsfächer, die in Deutschland MINT genannt werden – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Erstmals fand der Wettbewerb STEM-Racing 1999 in England statt, mittlerweile gibt es Wettbewerbe in 49 Ländern, die sich gezielt an Schülerinnen und Schüler der technischen Fächer wenden. Das Gymnasium Unterrieden, an dem Noah sein Abitur abgelegt hat, ist schon lange mit dabei. Noah, Leiter des Teams Spektrum, war 2023 schon einmal bei einer WM dabei.
Die Aufgabe: Mittels CNC-Fräsen oder 3-D-Druckern sollen Schüler ein Miniaturauto entwickeln, das beim Sprint über 20 Meter, angetrieben von einer Gaspatrone, gewinnt. Aber mehr noch. Von den Teilnehmern werden auch Business- und Dokumentationskenntnisse gefordert. Sie müssen einen Messestand erstellen, mit dem sie ihr Produkt bewerben, sie müssen die Herstellung ihres Autos in allen Aspekten, seine unternehmerische Abwicklung und Vermarktung in zwei Portfolios erfassen. Ihr ganzes Projekt entspricht dem Aufbau eines Start-ups – die perfekte Übung. Und: Einen Prototypen zu erstellen – auch das genügt nicht. Der kleine Rennwagen muss in Serie gehen. Mindestens drei Stück müssen gebaut werden.
Das Spektrum-Team will gewinnen. Am 22. Mai beginnen die Deutschen Meisterschaften im STEM-Racing, sie finden statt in Neuburg an der Donau, bei Ingolstadt. Im Oktober findet die Weltmeisterschaft statt, in Singapur. In der Böblingen Motorwelt führt das Team Spektrum seinen spektakulären Flitzer vor – und gibt Einblick in die große Komplexität der Aufgabe, die es sich vorgenommen hat. Dazu gehört auch die Vorarbeit – die Schüler müssen Sponsoren finden, die sie bei ihrem Projekt unterstützen. Bis zu einem gewissen Umfang verfügen ihre Schulen über geeignete Ausrüstung, aber neben spezielleren Geräten, Fertigungsmöglichkeiten, geht es auch ums Geld. Nur die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften fällt günstig aus – wenn sie, wie 2023, im Mercedeswerk Sindelfingen ausgetragen wird, natürlich besonders. Lasse, Noah, Neil allerdings haben mehrfach schon an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Sie werden nicht mehr oft dabei sein können, das Höchstalter liegt bei 19 Jahren. Sie wollen zur Weltmeisterschaft nach Singapur und müssen dafür mindestens 30 000 Euro aufbringen – für Reise, Unterbringung, Anmeldegebühren.
Laserhub aus Stuttgart gehört zu ihnen. Das Unternehmen, gegründet 2017, 80 Mitarbeiter stark, unterstützt die jungen Autobauer auch in der Zulieferung von Teilen, ist darauf spezialisiert, ohne über eine eigene Fertigung zu verfügen, blitzschnell Kontakte zwischen Unternehmen herzustellen, Metallteile zu vermitteln. Das Team Spektrum ist dankbar, auch für die Unterstützung aller anderen Unternehmen: „Die Leistung, die sie uns geben, übersteigt den Gegenwert, den wir bieten können.“
Mit dem Bau von Autos ist es also nicht getan. Die unternehmerische Abwicklung, Koordination, Öffentlichkeitsarbeit – all diese Themen spielen in die Bewertung durch eine Fachjury hinein. Zwei Drittel der Punkte aber macht das Auto. Im Team Spektrum ist Lasse für das Design zuständig, Noah für das Management, Neel für das Engineering. Nur Neel träumt davon, in die Raumfahrttechnik zu gehen, ins Ingenieurswesen. Lasse plant ein duales Studium von BWL und Industriedesign, Noah denkt ans Wirtschaftsingenieurswesen. Sprechen sie über das Modell, an dem sie arbeiten, kommt aber augenblicklich in allen von ihnen der technische Supernerd hervor.
Beim STEM-Racing gibt es sehr genaue Regularien, wobei sich bestimmte Parameter von Jahr zu Jahr ändern können. Im vergangenen Jahr wurde das Team mit einer Strafzeit bedacht, da die Reifen ihres Fahrzeugs zu klein waren – im Bereich von Zehntelmillimetern. Das haben die jungen Autobauer nicht vergessen. Sie setzen nach wie vor auf Metallreifen, im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern – „Wir sehen hier das Potenzial, aber die Fertigung ist sehr komplex.“ Das Chassis ihres Rennautos besteht aus einem sehr leichten, schäumenden Kunststoff. Beginnen sie, zu erklären, hören sie lange nicht auf. „Wir analysieren Faktoren wie die Aerodynamik und ihre Auswirkungen auf die Fahrzeit, versuchen, dem Auto Stabilität zu geben, so dass es sich schnell wieder aufrichtet, wenn es schräg liegt, versuchen, so viel Kraft aus der Patrone zu holen, wie geht, und den Luftwiderstand zu minimieren.“ Die Konstrukteure, Designer, Vermarkter von Miniaturrennwägen müssen an vieles denken. Bald wird sich entscheiden, ob sie in die große Runde kommen. 1,3 Sekunden benötigt ihr Fahrzeug derzeit auf 20 Meter – es schnellt vor und ist am Ziel.