Auf den Schülertransport sind in Stuttgart viele Kinder mit Behinderung angewiesen. Foto: IMAGO/Pond5 Images
Kinder sonderpädagogischer Schulen haben bald Anspruch auf Ferienbetreuung. Doch die Schülerbeförderung ist trotz weiter Schulwege nicht vorgesehen. Nicht nur Eltern kritisieren das.
Das Thema Ferienbetreuung treibt die meisten Familien mit einem Kind mit Behinderung um. Bisher wird an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) keine Ferienbetreuung angeboten. Und in ein Waldheim oder zu einer Jugendfarm können die allermeisten Eltern ihre Kinder nicht schicken, gerade nicht bei komplexen Behinderungen. Für viele Kinder seien die Ferien „eine Zeit der Einsamkeit“ berichtet die Elternvertreterin Verena Herfter, die die sonderpädagogischen Schulen im Gesamtelternbeirat vertritt. Entsprechend würde eine Ferienbetreuung an der Schule „ein so viel mehr an Lebensqualität bringen“, betont Herfter.
Ab dem Schuljahr 2026/27 soll sich die Situation eigentlich bessern. Dann gilt auch an den Stuttgarter SBBZ der Rechtsanspruch auf Ganztag und zu diesem gehört dann auch eine Ferienbetreuung. Wie an den Grundschulen wird der Ganztag zunächst in der ersten Klasse eingeführt und wächst dann hoch. Allerdings stellt sich nicht nur Verena Herfter die Frage, wie die Kinder in den Ferien eigentlich zur Schule kommen sollen. Denn ein Fahrdienst, das wurde im letzten Schulbeirat bereits diskutiert, ist für die Ferienzeit anders als während der Schulzeit nicht vorgesehen. „Das wird viele Kinder mit Behinderung ausschließen“, darauf weist der Geschäftsführende Schulleiter der SBBZ in Stuttgart, Michael Hirn, hin. Er fordert den Fahrdienst auch in den Ferien.
Ein Angebot, das „kaum wahrgenommen“ werden wird
Das Problem: die Schülerbeförderung ist eine freiwillige Leistung, das Land beteiligt sich nicht an den Kosten. Vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage hat Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) bereits klar gemacht, dass die Verwaltung nicht von sich aus den Vorschlag machen wird, die Kosten für die Fahrdienste über den städtischen Haushalt zu finanzieren. Unter diesen Bedingungen geht man auch im Staatlichen Schulamt davon aus, dass die Ferienbetreuung ein Angebot werden dürfte, „das kaum wahrgenommen wird“, so der zuständige Schulamtsdirektor Christof Kuhnle.
Die Margarete-Steiff-Schule ist nicht gut angebunden an den öffentlichen Nahverkehr. Foto: Thomas /Krämer
Grundschüler haben es in der Regel nicht weit zu ihrer Schule. Bei Kindern aus dem SBBZ ist das anders. Sie kommen aus dem ganzen Stadtgebiet in die Schulen. Kinder mit Körperbehinderung, die in Untertürkheim wohnen, besuchen beispielsweise die Margarete-Steiff-Schule in Möhringen/Vaihingen. Würden Eltern ihre Kinder bringen, bedeutete das, vier Mal am Tag quer durch die Stadt zu fahren, weil man ja selbst immer die Hin- und Rückfahrt habe, so Verena Herfter. Schulleiter Hirn stellt klar: „Das wird dazu führen, dass sie ihren Rechtsanspruch nicht einlösen können.“ Seine Bewertung ist klar: „Das kann man nicht machen.“
In Bezug auf die Schulzeit, das betont der geschäftsführende Schulleiter aber auch, lobt er die Pläne der Stadt und die Qualitätsstandards, die gelten sollen. „Das ist wirklich gut“, so Hirn. Das Problem liege jedoch bei der Ferienbetreuung. Bei ihm sei schon „viel Enttäuschung“ von Eltern angekommen. Diese hat inzwischen auch die Politik erreicht. Gemeinsam mit ihrer Elternbeiratskollegin Anna Linder hat Verena Herfter die Fraktionen angeschrieben und darin gebeten, die Schülerbeförderung in den Haushaltsplan aufzunehmen. „Nur so kann in Stuttgart die Möglichkeit des Ganztags für alle Kinder umgesetzt werden“, betonen sie.
Auf offene Ohren stoßen sie bisher bei den Fraktionen SPD/Volt, die Grünen, das Linksbündnis sowie die Gruppierung Puls. In einem gemeinsamen Antrag wird das Fehlen eines Beförderungsangebots in den Ferien als „Ausschlussbarriere“ bezeichnet. Dies sei nicht akzeptabel. Die Verwaltung soll einen Vorschlag unterbreiten, wie eine bedarfsgerechte Schülerbeförderung auch in der Ferienzeit sichergestellt werden könne. Dabei seien „insbesondere die finanziellen Auswirkungen“ darzulegen.
Immer mehr Schüler am SBBZ
Zahlen 1793 Kinder besuchen in diesem Schuljahr ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) in Stuttgart – 92 mehr als im vergangenen Schuljahr. 540 Kinder werden zudem inklusiv beschult.
Förderbereiche Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren gibt es in Baden-Württemberg mit folgenden Schwerpunkten: Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, Sehen, Hören, körperliche und motorische Entwicklung sowie für Schülerinnen und Schüler mit längeren Krankenhausaufenthalten.