Bei den Schülermedientagen diskutiert StZ-Chef Joachim Dorfs mit Jugendlichen über guten Journalismus und die Gefahr von Fake-News.

Die erste Frage muss Joachim Dorfs verneinen. „Waren Sie schon einmal in einem Kriegsgebiet?“, will ein Schüler vom Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung wissen. Da fahre man nicht leichtfertig hin, erklärt dieser den Zehntklässlern des Otto-Hahn-Gymnasiums Ludwigsburg und der Freien Evangelischen Schule Esslingen. Ein Kollege, der bereits oft aus Krisengebieten berichtet habe, sei zu Beginn des Kriegs in die Westukraine und nach Kiew gereist, um sich einen Eindruck von der Lage zu verschaffen und Kontakte zu knüpfen, die er immer wieder nutzen könne.

Überblick schwierig

Doch zum großen Teil sind die Medien bei der Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine auf Nachrichtenagenturen angewiesen, die seit Langem dort tätig sind. Allerdings müssen auch diese häufig einräumen, dass sie beispielsweise Angriffe und deren Folgen nicht genau überblicken. Das ist nicht nur für die Journalisten selbst, sondern auch für Leser oft unbefriedigend. Aber seriöse Zeitungen legen Wert darauf, ihre Leser nicht zu täuschen. „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, sagt Dorfs.

Absichtliche Lügen

Wahrheit und Lüge stehen bei den Schülermedientagen in dieser Woche im Mittelpunkt. Rund 800 Schüler nutzen die Möglichkeit, mit Redakteuren darüber zu diskutieren, was guten Journalismus ausmacht und warum Fake-News gefährlich sind. Die Behauptung des russischen Präsidenten Putin, man bekämpfe in der Ukraine Faschisten, sichere diesem die Unterstützung vieler Landsleute, erklärt Dorfs. Im Unterschied zu Falschmeldungen aus Unwissenheit werden solche Fake-News gezielt verbreitet. Sie sollen Verunsicherung und Unruhe schaffen oder Hass schüren. Aufgabe von Journalisten sei es, Gerüchte und Informationen nicht ungeprüft weiterzuverbreiten. Auch nicht die, die aus ukrainischen Kreisen stammen.

Folgen von Fake-News

Neu sind Fake-News nicht, doch dank Internet und sozialen Medien verbreiten sie sich viel schneller und weiter als früher. Zu denen, die dieses Instrument umfassend nutzten, gehörte auch der frühere US-Präsident Donald Trump. In seiner vierjährigen Amtszeit wiesen ihm Journalisten mehr als 30 000 Lügen nach. Seine Behauptung, die Demokraten hätten ihm den Wahlsieg gestohlen, veranlasste Trump-Anhänger Anfang 2021, das Kapitol zu stürmen, um den Regierungswechsel zu verhindern. Dabei starben fünf Personen.

Kritisch lesen

Lassen sich solche Vorkommnisse verhindern? Journalisten und auch Leser sollten sich immer fragen: „Wer hat Interesse an einer bestimmten Darstellung? Auf welche Quellen beruft er sich?“, rät Dorfs. Im Zuge der Coronapandemie warfen Coronaleugner und Impfskeptiker der Zeitung Einseitigkeit vor. „Nach Milliarden von Impfungen gibt es keinen Zweifel mehr, dass der Nutzen bei Weitem größer ist als mögliche Schäden“, erklärt Dorfs. Deshalb biete man Gegenargumenten von Splittergruppen nicht denselben Raum wie Wissenschaftlern. Bei den sozialen Medien ist das anders. Dort bekommen Nutzer vor allem, was sie gern hören.

Schülermedientage 2022

Ziel
Die Schülermedientage vom 2. bis 6. Mai stehen unter dem Motto „Qualitätsjournalismus gegen Fake-News und Desinformation“. In Gesprächen mit Journalistinnen und Journalisten erfahren Jugendliche, was freie, unzensierte und seriöse Berichterstattung bedeutet, welche Gefahren durch Fake-News drohen und wie Nachrichten auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft werden können.

Teilnehmer
Zu den 13 Online-Workshops der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten haben sich 24 Schulen mit rund 800 Schülern angemeldet. Mitveranstalter ist die Landeszentrale für politische Bildung.