Schüler testen begehbare Rakete Von Fellbach ins Weltall – „Es hat sich extrem krass angefühlt“

Die VR-Brille auf und los geht’s in die Weiten des Weltalls. Foto: /Gottfried Stoppel

Schüler der Hermann-Hesse-Realschule sind in eine begehbare Rakete gestiegen und haben sich mit VR-Brille auf den Weg ins All gemacht. Der sogenannte „SpaceBuzz One“ der Deutschen Raumfahrtagentur war in Fellbach.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Der Rundflug ins All beginnt wackelig und mit ordentlich Dampf. Während die Rakete senkrecht in den Himmel startet, wird sie in eine weiße Rauchschwade gehüllt. Die Sitze bewegen sich und vibrieren, und die insgesamt neun Passagiere, die sich mutig und aufgeregt auf den Weg zum Mond machen, klammern sich an den blauen Lehnen der Sessel fest, während die Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer die Rakete souverän steuern und den Fluggästen alles Wichtige erklären. Dass der Flug virtuell stattfindet und sich alles nur auf der VR-Brille abspielt, stört dabei niemanden. Die Schüler sind sich allesamt einig: „Täuschend echt und total aufregend“ sei das Erlebnis im Hightech-LKW der Deutschen Raumfahrtagentur, der am Dienstag auf dem Parkplatz vor dem Friedensschulzentrum Fellbach Halt gemacht hat.

 

Ein virtuelles Weltraumabenteuer

Unter den Fluggästen ist auch Alev Bulut, die beim Aufstehen wohl nicht damit gerechnet hat, bei dem virtuellen Weltraumabenteuer doch noch mitfliegen zu dürfen. Doch dann wurde Sandra Ludwig zu ihrer Glücksfee. „Wir hatten Krankheitsfälle und deshalb Restplätze für den Weltraumflug, deshalb haben wir dann gelost, wer noch nachrücken und mitfliegen darf“, erklärt die Lehrerin an der Hermann-Hesse-Realschule. Das Erlebnis sei primär für die Fünft- und Sechstklässler an die Schule geholt worden. In den höheren Klassen wurden deshalb Plätze verlost. Und manchmal läuft’s einfach und man ergattert so einen letzten freien Platz ins Weltall per Losverfahren.

Dementsprechend begeistert und mit einem breiten Grinsen betritt die 14-jährige Schülerin dann auch die begehbare Rakete „SpaceBuzz One“. Äußerlich einer liegenden Rakete ähnelnd, verfügt sie im Inneren über ausgefeilte Technologie im Weltraumdesign. Wer auf den beweglichen Sitzen Platz nimmt, bekommt eine VR-Brille aufgesetzt, die fast das ganze Gesicht bedeckt, verlässt dann für die virtuelle Reise rund 15 Minuten die Erde und umkreist sie.

Der Start ist geglückt, und der Rauch um den SpaceBuzz One verzieht sich langsam. /Gottfried Stoppel

Unfassbare Dimensionen, die Schönheit des Weltraums, aber auch Abgase, Algen, abgeholzte Regenwälder und weitere gravierende Umweltprobleme, die den Klimawandel begünstigen, werden in der Viertelstunde wohl eindrücklicher deutlich, als wenn sie nur im Unterricht thematisiert werden. „Das ist etwas ganz anderes, wenn man das mal so von oben sieht, als wenn nur darüber gesprochen wird. Es war ein total krasses Erlebnis, auch als wir auf dem Mond waren, die ISS und den Roboter gesehen haben“, sagt Alev Bulut, die ihren Weltraum-Trip sichtlich genossen hat.

Auch die Lehrer sind geflogen

Das wundert die Lehrerin an der Hermann-Hesse-Realschule, Sandra Ludwig, nicht. Auch sie gerät ins Schwärmen, wenn sie über ihren Flug berichtet – vielleicht auch deshalb, weil es der allererste Trip des Tages war. Um Punkt 7.30 Uhr, noch vor Schulbeginn, starteten einige Lehrer und zwei Hausmeister zur virtuellen Reise ins Weltall. Und die Erwachsenen verließen die Rakete genauso begeistert, wie danach die vielen Schüler. „Das Projekt dient dazu, Schülern die sogenannten Mint-Fächer schmackhaft zu machen und sie für die Raumfahrt zu begeistern, aber für uns Erwachsene ist das auch ein besonderes Ereignis, das man so sonst wohl nicht alle Tage hat“, sagt Sandra Ludwig.

Verdanken kann die Lehrerin dieses besondere Ereignis ihrer Kollegin Birgit Riemer, denn die hat den „SpaceBuzz One“ der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an die Schule geholt. „Eine Mutter, die dort arbeitet, hat mir den Tipp gegeben. Da hab ich für unsere Hermann-Hesse-Realschule einfach mal eine Bewerbung geschrieben und es hat geklappt“, sagt die Lehrerin Sandra Riemer.

Dass das besondere und eindrucksvoll aussehende Gefährt auch sicher nach Fellbach kam, dafür ist Egbert Lutke zuständig, denn er ist der Fahrer und selbst ein riesengroßer Weltraumfan. Der niederländische Astronaut André Kuipers sei zweimal im Weltall gewesen und habe von der ISS aus die Erde gesehen. „Er nahm wahr, dass sie zwar schön und beeindruckend, aber auch klein und verwundbar ist. Deshalb gründete er eine Stiftung und brachte die Idee mit den begehbaren Raketen und dem Begleitprogramm ins Rollen“, erklärt Egbert Lutke. Denn der Freiberufler, der dafür sorgt, dass Fahrzeuge von A nach B kommen und dann vor Ort alles aufbaut, ist mit der virtuellen Technologie in ganz verschiedenen Städten und Ortschaften unterwegs. Ein wichtiger Auftrag, wie er findet: „Manche Schüler fragen, was denn das für ein Nebel gewesen sei, den sie bei ihrem Weltraumflug gesehen hätten. Dann wird ihnen erklärt, dass das kein Nebel war, sondern Abgase“, sagt Egbert Lutke, für den das Projekt eine gute Möglichkeit ist, Schülern nachhaltig wichtige Inhalte zu vermitteln.

Nach dem Flug müssen sich die Schüler erst orientieren

Während er nach der Fahrt eine verdiente Pause macht, sind seine beiden Kolleginnen Birte George und Larissa Baas schwer beschäftigt. Sie weisen die Teilnehmer in blauen Raumanzügen stilecht ein, verteilen die VR-Brillen und drücken, wenn alle bereit sind, den Startknopf. Nach 15 Minuten schauen sie dann in lauter begeisterte Gesichter von Schülern, die sich angesichts der 3-D-Simulation teils noch ein wenig benommen erst wieder in der Wirklichkeit orientieren müssen.

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