Schüler und Lehrer in Stuttgart Grippewelle rollt durch Schulen – „Zeitweise ein Drittel des Kollegiums krank“

, aktualisiert am 24.02.2025 - 10:39 Uhr
Zurzeit sind viele Klassen an Stuttgarter Schulen ziemlich ausgedünnt. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Die aktuelle Grippewelle setzt auch den Schulen in Stuttgart zu. Schulklassen und Lehrerkollegien sind seit Wochen ausgedünnt. In dieser Ausnahmezeit greifen die Schulleiter auf Bewährtes aus der Coronazeit zurück.

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Die derzeit grassierende Grippewelle setzt auch den Schulen in der Stadt stark zu. „Die Klassen sind schon seit Wochen sehr ausgedünnt“, sagt Janine Regel-Zachmann, Schulrätin beim Staatlichen Schulamt Stuttgart. So sei ihr berichtet worden, dass in einer Klasse mit 29 Schülerinnen und Schülern „über Wochen lediglich 12 bis 17 anwesend sind“. Für den Schulbetrieb weit schwieriger sind kranke Lehrkräfte. Eine Schulleiterin habe vor wenigen Tage geklagt, dass zeitweise „ein Drittel ihres Kollegiums im Krankenstand war“, erzählt Regel-Zachmann.

 

Grippewelle sei dieses Jahr in Stuttgarter Schulen „schon sehr stark“

Gerhard Menrad, Leiter der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, kann ein Lied davon singen. „Bei uns hat die Grippewelle stark zugeschlagen“, sagt Menrad, der auch geschäftsführender Schulleiter der Stuttgarter Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen ist. Nach seinem Eindruck ist die Grippewelle im Vergleich „dieses Jahr schon sehr stark“. Besonders sei, dass in diesem Winter „auch Leute krank geworden sind, die sonst nie krank waren“.

Vorige Woche hätten in dem 36-köpfigen Lehrerkollegium der Schule sieben Personen gefehlt, fast 20 Prozent. Vor allem an Freitagen, wo man wegen der vielen Teilzeitkräfte ohnehin dünner besetzt sei, werde das zum Problem. Und dennoch: „Ausfall konnten wir zu einem großen Teil verhindern, weil die gesunden Lehrkräfte Mehrarbeit geleistet haben“, sagt der Schulleiter. So hätten alle Lehrkräfte eine gewisse Anzahl an Hohlstunden in ihrem Plan. „Die nutzen wir dann, um Stundenausfall abzufangen“, erklärt Gerhard Menrad. Eine weitere Möglichkeit sei die Auflösung von Lerngruppen. Wenn in Förderstunden zwei Klassen in vier Lerngruppen aufgeteilt seien, mache man daraus zwei und „gewinnt eine Lehrkraft“. Und Inklusionsstunden mit „Doppelbesetzung“ würden an solchen Tage nur mit einer Lehrkraft versorgt.

Der „Worst Case“ habe in den Schulen bislang vermieden werden können

Zwar habe man auch schon Klassen wegen Krankheitsausfällen einen halben Tag heimgeschickt, aber den „Worst Case“, dass man Klassen tageweise nicht unterrichten konnte, habe man trotz angespannter Lage bisher vermeiden können. Das Besondere an der diesjährigen Krankheitswelle ist aus Sicht von Gerhard Menrad deren Dauer. „Das geht jetzt schon seit Dezember so“, sagt er.

Ähnlich ist die Situation in der Schickhardt-Gemeinschaftsschule. Schulleiterin Sandra Vöhringer sagt, schon Ende November und Anfang Dezember habe man „unglaublich hohe Krankenstände gehabt“. Der Spitzenwert: 25 Lehrkräfte des knapp 80-köpfigen Kollegiums waren krank gewesen. „Das ist krass“, sagt die Schulleiterin. Betroffen waren vor allem Lehrkräfte, die noch kleine Kinder haben.

Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Dennoch kommt man in der Schule mit der Lage recht gut klar. „Seit vielen Wochen wird hier rumgehustet, das ist nichts Außergewöhnliches mehr“, sagt Sandra Vöhringer. In den oberen Klassen sei das ohnehin „nicht so schlimm“, wenn man die mal selbstständig ohne Lehrkraft lernen lasse. Und in den unteren Stufen behelfe man sich an den Vormittagen etwa damit, dass man im Lernatelier, wenn die Schüler ruhig alleine lernen, die Verbindungstür zwischen den Klassenzimmern offen lasse. „Da reicht dann eine Lehrkraft“, sagt die Schulleiterin.

Grundsätzlich verfolgt man während solcher Krankheitswellen das Ziel: „Der Vormittag wird aufrecht erhalten, den Nachmittag kann man auch mal entfallen lassen“, erklärt Sandra Vöhringer. Den Unterricht von der dritten bis zur sechsten Stunde kriege man „immer ganz gut abgedeckt“. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, wenn es eng wird und man auch mal die ersten beiden Schulstunden ausfallen lassen muss, dass man die Eltern mitnimmt und frühzeitig informiert. So werden die Familien in diesen Fällen über die Schul-Cloud bis 6.30 Uhr kontaktiert. Wichtig sei für die Eltern wie die Schule, dass die Schüler dann in der Frühe den Schulweg erst einmal gar nicht antreten.

Corona habe beim Aufbau guter Kommunikationswege an Stuttgarter Schulen geholfen

Die gute Kommunikation sei „das Allerwichtigste“, sagt Sandra Vöhringer. Dann hätten auch die Eltern für die Notlage der Schule „sehr viel Verständnis“. So überstehe man jede Krankheitswelle. Für den Aufbau dieser guten Kommunikationswege, sei „Corona sehr prägend gewesen und hat sehr geholfen“, sagt die Schulleiterin und ergänzt mit Blick auf die aktuelle Lage: „Wir können mit solchen Wellen gut umgehen.“

Welche Symptome treten bei Influenza auf?

  • oft schlagartiger Beginn
  • Hohes Fieber und Abgeschlagenheit
  • Oft starke Gliederschmerzen sowie Kopfschmerzen
  • Trockener, oft schmerzhafter Husten
  • Schnupfen eher die Ausnahme
  • Erschöpfung kann bis zu drei Wochen lang anhalten.

Beim Verdacht auf Influenza ist ein Arztbesuch wichtig – vor allem wenn Risikopatienten betroffen sind, also Säuglinge und kleine Kinder, Schwangere, ältere Personen sowie Menschen mit Lungenerkrankungen. Bei Berufstätigen ist es aufgrund anhaltender Beschwerden ohnehin erforderlich, wegen der Krankschreibung zum Arzt zu gehen.

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