Schüler wegen Corona daheim Risikogebiet Südtirol sorgt für Verunsicherung

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Schüler und Lehrer werden vom Staatlichen Schulamt Backnang nach Hause geschickt, wenn sie kürzlich in Südtirol waren – manche Beschäftigte hingegen arbeiten. Die Betriebe im Kreis reagieren „völlig unterschiedlich“, so die IHK.

Wie groß ist die Infektionsgefahr bei Corona? (Symbolbild) Foto: dpa/Felix Kästle
Wie groß ist die Infektionsgefahr bei Corona? (Symbolbild) Foto: dpa/Felix Kästle

Backnang - Freitagmorgen in Backnang, ein Junge bereitet sich auf den Weg in die Schule vor. Da poppt eine Nachricht in einer WhatsApp-Gruppe auf: Ein Kumpel teilt mit, dass alle, die kürzlich in Südtirol waren, nicht in die Schule gehen müssten beziehungsweise dürften, wegen einer möglichen Corona-Infektion. Er bleibe also daheim, schreibt er. Die Mutter des Buben hingegen hat da kein Einsehen: Natürlich gehst du in die Schule, beschließt sie. Ankunft in der Schule. Dem Buben wird wie anderen auch mitgeteilt, dass es eine Neuregelung gebe, dass alle Schüler und Lehrer, die während der Faschingsferien in Südtirol waren, nun doch daheim bleiben müssen – obwohl sie bis Donnerstag noch in den Unterricht gekommen sind.

Vorsorglich 14 Tage zu Hause bleiben

Die Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang, Sabine Hagenmüller-Gehring, sagt am Freitagvormittag auf Anfrage, alle Schulen im Kreis seine eben informiert worden, dass die italienische Provinz Bozen-Südtirol am Donnerstagabend zum Corona-Risikogebiet erklärt worden sei. Die Zahl jener, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, steige nun also sprunghaft an, heißt es in einem Schreiben, das Hagenmüller-Gehring an die Schulen gemailt hat. „Alle Personen an Schulen und Kindergärten, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, vermeiden – ganz unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte und bleiben vorsorglich 14 Tage zu Hause.“ Diese Frist gelte vom Tag der Rückkehr aus dem Risikogebiet an.

Die Leiterin des Max-Born-Gymnasiums in Backnang, Sonja Conrad, erklärt auf Anfrage, dass sie seit rund einer Woche alle Eltern täglich per Rundmail über alle aktuellen Entwicklungen informiere. Alle Schüler und Eltern, die kürzlich in Südtirol waren, seien nun daheim. Jochen Nossek, der Rektor der Tausschule, sagt, von seinen Schülern und Lehrern sei keiner in Südtirol gewesen, aber „wir wollten eigentlich mit 40 Schülerinnen vom 16. bis zum 21. März nach Österreich ins Skischullandheim. Ich warte auf eine Entscheidung des Gesundheitsamts.“ Das Schulzentrum Rudersberg, das wegen einer Corona-infizierten Schülerin geschlossen ist, wird laut Aussage der Schulamtsleiterin am Montag voraussichtlich wieder geöffnet.

Im Zweifelsfall lieber Homeoffice

Einem Mann aus dem Rems-Murr-Kreis wurde von seinem Arbeitgeber am Freitagmorgen hingegen mitgeteilt, Südtirol sei zum Zeitpunkt der Ausreise seiner Familie noch nicht als Risikogebiet ausgewiesen gewesen. Deshalb könne er wie immer zur Arbeit kommen. Später am Freitag hieß es dann, er solle vielleicht doch lieber Homeoffice machen.

Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rems-Murr, Markus Beier, sagt, die Firmen im Kreis gingen „völlig unterschiedlich“ vor. Er empfehle allen Firmen, Mitarbeiter, die kürzlich in einem Risikogebiet waren, die Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Eine Blitzumfrage in der Region habe ergeben, dass rund 30 Prozent der Betriebe mit „negativen Auswirkungen“ auf das noch junge Geschäftsjahr rechneten. Besonders betroffen seien der Messebau und die Caterer. Viele Betriebe beklagten Rückgänge bei den Bestellungen und Unterbrechungen der Lieferketten.

Stadt Schorndorf weist Mitarbeiterin an zum Arzt zu gehen

Die Stadtverwaltung Schorndorf hat laut ihrem Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich eine Mitarbeiterin, die aktuell in Südtirol im Urlaub ist, angewiesen, danach erst einmal nicht zur Arbeit, sondern zur Abklärung zum Hausarzt zu gehen. Personen, die vor der Einstufung zum Risikogebiet dort zu Gast waren, werde empfohlen, individuell Symptome zu prüfen. Sie pauschal erst einmal nach Hause zu schicken, sei nicht angedacht.