Schüsse in Göppingen Gast ist sicher: Täter wollte alle drei töten

Großeinsatz nach den Schüssen in der Göppinger Shorty‘s Bar in Göppingen am 2. Oktober 2024Foto: Marius Bulling/dpa Foto:  

Genau drei Monate nach der Bluttat mit einem Toten und zwei Schwerverletzten hat die „Shorty‘s Bar“ in der Göppinger Bahnhofsgegend wieder eröffnet. Erstmals schildert ein Gast, wie er den Abend erlebt hat.

Es ging ganz schnell. Der war nur zehn Sekunden hier drin.“ Der junge Mann spricht leise und langsam. Es scheint, als ob jener Abend wie ein Film vor seinem geistigen Auge abläuft. Der Augenzeuge hat erlebt, wie am 2. Oktober kurz vor 22 Uhr ein Unbekannter das Lokal in der Göppinger Gartenstraße betrat und sofort das Feuer eröffnete. Einer Hinrichtung gleich, soll der Schütze einem 29-Jährigen mit einer Maschinenpistole gezielt in den Kopf geschossen haben. Der Mann wurde bei dem Anschlag tödlich verletzt. „Der Täter hat versucht, alle drei Männer zu töten“, ist der Beobachter der Bluttat überzeugt.

 

Zwei weitere Gäste, die mit dem 29-Jährigen am Tisch saßen, wurden bei der Attacke schwer verletzt und in der Klinik am Eichert in Göppingen operiert. „Einer von ihnen ist aufgestanden und hingefallen“, erzählt der Gast. „Der andere ist umgekippt“, nachdem er sich blutend noch ein paar Schritte in Richtung Gang geschleppt habe. Zwölf bis 15 Besucher seien an jenem schicksalhaften Abend in der Bar gewesen. Sie alle waren wie paralysiert, leisteten Erste Hilfe. Und kämpfen bis heute mit den Folgen. „Viele sind in Therapie. Anders geht es nicht“, sagt der junge Mann, der die drei Opfer vom Sehen kannte: „Sie waren immer mal wieder da.“

Hat der Angriff mit dem Bandenkrieg in der Region Stuttgart zu tun?

Drei Monate lang war die Shorty‘s Bar geschlossen. Eine Zeit, in der offenbar Ruhe einkehren sollte. Und Wochen, die der Betreiber genutzt hat, um das Lokal zu renovieren. Alle Möbel sind neu, nichts deutet mehr darauf hin, dass sich hier am 2. Oktober ein Verbrechen abgespielt hat. Hat man nicht trotzdem Angst oder zumindest ein beklemmendes Gefühl, jetzt wieder hierherzukommen? „Nein“, sagt der Mann. „Das war ja gezielt und hat nichts mit der Bar oder mit mir zu tun. Ich glaube nicht, dass der Täter wiederkommt.“

Thema sei die Bluttat aber nach wie vor unter den Gästen, es wird viel spekuliert, auch darüber, ob der Angriff mit dem Bandenkrieg in der Region Stuttgart zusammenhängen könnte. Der schwarz gekleidete Täter bleibt im Gedächtnis, auch wenn er schnell wieder weg war: „Er ist links raus und gleich wieder links geflüchtet.“ Gab es denn schon einmal Probleme hier? „Nein, nie“, betont der Barbesucher. „Es war immer ruhig, es hat nie jemand gestritten.“ Der Wirt selbst will sich nicht äußern.

Was nicht nur die Gäste der Shorty‘s Bar, sondern auch viele Menschen in der Stadt umtreibt: Der Täter ist noch nicht gefasst. Mit Wasserstandsmeldungen halten sich die Ermittler sehr zurück: „Derzeit kann ich Ihnen zu diesem Verfahren nichts Neues mitteilen“, teilt der Ulmer Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger auf Anfrage mit. Etwas mehr sagt der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Ulm: „Die Schüsse auf die Shorty‘s Bar sind auch an uns nicht spurlos vorübergegangen“, betont Josef Veser. „Wir haben uns schon gefragt: Was macht das mit den Göppingern? Wie fühlen sich die Menschen hier vor Ort? Was geht in Familien in Göppingen vor?“ Zumal diese Bluttat unweit des Weinfests stattfand, auf dem hunderte Menschen zu diesem Zeitpunkt fröhlich feierten, und binnen weniger Wochen zwei weitere Tötungsdelikte die Stadt und das Sicherheitsgefühl ihrer Bewohner erschütterten. „Dass jemand mit einer Waffe in eine Bar geht und auf Menschen schießt, das kennt man vielleicht aus einem amerikanischen Krimi oder einem schlechten Action-Film. Das stellt man sich nicht in Göppingen vor“, sagt Veser. Er könne sich an keine vergleichbare Tat in jüngster Vergangenheit erinnern – weder landes- noch bundesweit.

Noch gibt es keine heiße Spur zu dem mutmaßlichen Täter

Der Täter ist nach wie vor auf der Flucht. „Daher sind wir froh, dass wir konkrete Tathinweise haben. Wir hoffen, durch diese Öffentlichkeitsfahndung, die ja an vielen Stellen präsent ist, den Täter fassen zu können“, sagt der Polizeipräsident, räumt aber ein, dass es bisher keine heiße Spur zu dem mutmaßlichen Täter gibt. Der Mann, der auf dem veröffentlichten Fahndungsfoto zu sehen ist, sei aber konkret tatverdächtig, unterstreicht Veser.

Die Ermittler schließen einen Zusammenhang mit dem seit Jahren tobenden Bandenkrieg im Großraum Stuttgart nicht aus.

Wie die Tat ablief und warum die Ermittler sich zurückhalten

Puzzleteile
Der unbekannte Täter soll am Abend des 2. Oktober die Shorty’s Bar in der Göppinger Gartenstraße betreten und sofort das Feuer eröffnet haben. Er erschoss einen 29-Jährigen und verletzte zwei weitere Gäste mit einer Maschinenpistole schwer.

Täter und Waffe
  Er flüchtete in Richtung Bahnhof und wurde bis jetzt nicht gefasst. Gesucht wird ein Mann, der etwa 18 bis 24 Jahre und 1,70 bis 1,80 Meter groß und schlank sein soll. Die Tatwaffe ist bisher nicht auffindbar, eine Suche in der Fils blieb erfolglos.

Schweigen
Viel mehr geben Polizei und Staatsanwaltschaft nicht preis und berufen sich auf ermittlungstaktische Gründe, Täterwissen soll nicht öffentlich werden. Dazu zählen die Art der Verletzungen, genauso wie die Frage, wie viele Schüsse der Schütze abfeuerte.

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