Die eingeschossene Scheibe in der Ludwigsburger Hindenburgstraße. Foto: Simon Granville
Die Polizei betont erneut, dass die Gewalttaten im Fall „Frost“ keine Gefahr für Bürger darstellen. Ein Restrisiko bei Schüssen im öffentlichen Raum schließt sie jedoch nicht aus.
In Ludwigsburg kam es im vergangenen Frühjahr zu mehreren schweren Verbrechen. Nun fielen erneut Schüsse in der Oststadt – diesmal auf ein Bürogebäude eines Security-Unternehmens in der Hindenburgstraße. Obwohl der gewalttätige Konflikt zweier Sicherheitsunternehmen trotz Razzien und Festnahmen weitergeht, gibt die Polizei Entwarnung: Sie geht nicht von einer Gefahr für die Bevölkerung aus.
Es ist das dritte Mal innerhalb von zehn Monaten, dass im Kreis Ludwigsburg auf offener Straße geschossen wird. Ende April wurde auf zwei Männer in der Ludwigsburger Oststadt geschossen, Mitte Mai auf einen Mann in Tamm. Nun wurde zunächst ein Brandanschlag auf das Bürogebäude verübt, eine Nacht später folgten die Schüsse. Laut Informationen dieser Zeitung gehören alle Opfer zu dem Security-Unternehmen, auf dessen Büro nun gezielt geschossen wurde. Die Sonderkommission „Frost“ ermittelt in dem Fall.
Die Ermittler gehen in allen Fällen von zielgerichteten Taten aus, bei denen Unbeteiligte nicht im Fokus standen. „Es handelt sich nicht um Gewalttaten, bei denen wahllos Unbeteiligte ins Fadenkreuz genommen wurden“, teilte die Polizei mit. Das Sicherheitsrisiko für Bürgerinnen und Bürger im Umfeld des betroffenen Gebäudes schätze man nicht höher ein als an anderen Stellen der Stadt. Allerdings könne bei Schüssen in der Öffentlichkeit nie vollständig ausgeschlossen werden, dass ein Geschoss sein Ziel verfehle, räumt die Polizei ein.
Kritik in der Vergangenheit
Auch nach dem Angriff in Tamm versuchte die Polizei, die Bevölkerung zu beruhigen, und erklärte, es bestehe keine Gefahr für die Allgemeinheit. Das stieß unter anderem im Internet und beim Tammer Bürgermeister Martin Bernhard auf Kritik. „Wieso sollte es keine Gefahr darstellen, wenn jemand mit einer Knarre flüchtig ist und sich nicht davor scheut, Menschen zu erschießen?“, kommentierte beispielsweise ein Facebook-Nutzer.
Martin Bernhard berichtete nach dem Angriff im Mai, dass er sich in solchen Situationen künftig wünsche, früher von der Polizei informiert zu werden, um besser auf besorgte Anrufe aus der Bevölkerung reagieren zu können.
Die Polizei hat am Dienstagmorgen Spuren gesichert. Foto: Simon Granville
Weitere Hintergründe
Eine größere Öffentlichkeit erlangte der Fall jedoch weniger wegen der Gewalt als wegen der Korruptionsvorwürfe gegen Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die zeigen könnten, wie weitreichend dieser Fall ist.
Am 14. November teilte die Staatsanwaltschaft Heilbronn mit, dass sie gegen sieben Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt, die unbefugt Daten weitergegeben haben sollen. Die Hinweise stammen aus der Sonderkommission „Frost“. Bei den Beschuldigten handelt es sich nicht um Richter, sondern um Verwaltungsmitarbeiter und Wachtmeister. Zu der Art der weitergegebenen Informationen äußert sich die Staatsanwaltschaft Heilbronn nicht.