Zwei Verletzte in Marbach „Hier sollte mehr Security sein“ – Große Verunsicherung nach Schüssen am Bahnhof

Die grünen Kringel zeigen, wo die Polizei Beweisstücke gefunden hat. Foto: Sandra Lesacher

Was geschah am Donnerstagabend am Bahnhof in Marbach? Das fragen sich Passanten am Tag darauf. Am Morgen nach der Auseinandersetzung sind noch Spuren sichtbar.

Der Marbacher Bahnhof am Freitagvormittag: Die Sonne scheint auf den Vorplatz, Busse und Autos sind unterwegs, Menschen eilen zur Bahn oder schlendern des Weges. Und doch ist nicht alles wie immer.

 

Denn am Donnerstagabend sind hier Schüsse gefallen, zwei Menschen wurden verletzt. Das ist Stadtgespräch in Marbach – am Bahnhof ist der Gewaltausbruch in Form von grünen Farbkringeln auf dem Asphalt zu erkennen. Dort hat die Polizei nach der Tat Patronenhülsen und andere Beweisstücke gefunden.

„Was? Hier sind Schüsse gefallen?“

Am Bahnhof sind am Vorabend Schüsse gefallen. Foto: Sandra Lesacher

Etwa zehn solcher Kringel sind am Vorplatz vor der Treppe zur Unterführung, am Weg Richtung L’Isle-Adam-Park und auf der Straße zum Busbahnhof zu sehen. Eine Frau, die gerade über den Platz läuft, guckt sich interessiert um. „Was? Hier sind Schüsse gefallen?“, fragt sie erschrocken, als sie angesprochen wird.

Sie hatte sich eigentlich deshalb am Bahnhof umgesehen, weil hier am Tag zuvor eine große Aktion über die Bühne ging: Die Bahn hatte einen Frühjahrsputz organisiert, bei dem rund 50 haupt- und ehrenamtliche Helfer das ganze Bahnhofsgelände gründlich gereinigt hatten.

Die Aktion für Sauberkeit und gefühlte Sicherheit fand am Donnerstagvormittag statt – im Kontrast dazu steht die Gewalt am Abend. Gegen 19.15 Uhr, so die Polizei, kam es zu einer „handgreiflichen Auseinandersetzung“. Fünf bis sechs Personen griffen zwei Männer im Alter von 19 und 44 Jahren an. Erst wurde geschlagen und getreten, dann sollen mehrere Schüsse abgefeuert worden sein, mutmaßlich mit Schreckschuss- oder Druckgaspistolen, so die Polizei am Freitagvormittag. Die Hintergründe der Tat seien noch unklar.

Die Gruppe der Täter trat nach der Attacke die Flucht an. Der 19- und der 44-Jährige wurden vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Eine sofort eingeleitete Fahndung führte nicht zur Ergreifung der Unbekannten. Die aktive Fahndung läuft zwar nicht mehr, die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung dauern weiter an. Zudem sucht die Polizei noch Zeugen der Tat, die sich unter 07144/9000 oder marbach-neckar.prev@polizei.bwl.de melden mögen.

Von insgesamt sechs Schüssen ist in einer Facebook-Gruppe die Rede. Eine Mitarbeiterin des Bahnhofskiosks zählte am Donnerstagabend vier Schüsse, berichtet ihre Kollegin, die am Freitagmorgen im Laden steht. „Alle Kunden sprechen uns darauf an“, sagt sie. Sie wurde am Abend von ihrer Kollegin per WhatsApp darüber informiert, dass die Polizei gegen 18.30 Uhr am Bahnhof nach jemandem gesucht hatte. Später seien dann die Schüsse gefallen, Polizei und Krankenwagen waren vor Ort.

Ein Taxifahrer, der am Freitagmorgen auf Kunden wartet, war zwar am Donnerstagabend schon im Feierabend, ist aber privat am Marbacher Bahnhof vorbeigefahren. „Ich habe viel Blaulicht gesehen“, berichtet der Mann. Auch weiter unten an der Straße, am Abzweig zum ehemaligen Krankenhaus, seien Polizeiautos gestanden. „Dann habe ich online gesehen, was passiert ist. Natürlich bin ich froh, dass ich an dem Abend nicht vor Ort war.“

Fühlt er sich unsicher am Marbacher Bahnhof? „Es ist schon oft was los hier“, sagt der Taxifahrer. „Aber wahrscheinlich ist das an allen Bahnhöfen so.“ Ein komisches Gefühl wegen des Vorfalls hat er jetzt „eigentlich nicht“.

„Hier sollte mehr Security sein.“

Verkäuferin im Bahnhofskiosk

Im Gegensatz zu der Dame, die eben erschrocken auf die Nachricht reagiert hatte. „Hier ist in letzter Zeit so viel passiert“, sagt sie. „Als Frau fühle ich mich da abends nicht wohl, obwohl ich kein Angsthase bin.“ Sorgen mache sie sich auch um ihren Sohn im Teenager-Alter, der oft am Marbacher Bahnhof ankomme oder abfahre. Auch er fühle sich nicht sicher.

Auch die Verkäuferinnen im Bahnhofskiosk sind verunsichert. „Heute Morgen habe ich mich echt gefürchtet“, sagt eine. Und die andere ergänzt: „Hier sollte mehr Security sein.“

Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost hatte sich gleich am Freitagmorgen bei der Polizei nach der Tat erkundigt und „die klare Botschaft erhalten, dass sich die Bevölkerung keine Sorgen machen muss“. Darüber hinaus könne er Stand jetzt „angesichts der spekulativen Lage keine seriöse Auskunft treffen. Sobald mir die Informationen seitens der Kripo vorliegen, kann ich eine fundierte Stellungnahme abgeben.“

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