Schützenplatz in Stuttgart Parklets bleiben noch ein Jahr

Von Martin Haar 

Gegen den erbitterten Widerstand der CDU-Fraktion stimmte der Bezirksbeirat Mitte für eine weitere Verlängerung der Parklets am Schützenplatz.

Die Anmutung des Parklets löst unterschiedliche Emotionen aus. Die Laufwege haben   sich   am Schützenplatz     unabhängig    davon stark  verändert. Foto: Klaus Wenk
Die Anmutung des Parklets löst unterschiedliche Emotionen aus. Die Laufwege haben sich am Schützenplatz unabhängig davon stark verändert. Foto: Klaus Wenk

Stuttgart - Für den einen sind es unansehnliche Bretterverschläge, die das Stadtbild verschandeln. Für die anderen, wie auch Veronika Kienzle, „sind die Parklets am Schützenplatz von unschätzbaren Wert für die Stadtgesellschaft. Außerdem stiften sie eine hohe Quartiersidentifikation“.

Der eine ist Klaus Wenk von der CDU, der sich mit aller Kraft gegen eine Verlängerung der Parklets stemmte. Die anderen sind neben Bezirksvorsteherin Kienzle alle anderen Mitglieder der Bezirksbeirats-Fraktionen Mitte, die die Verlängerung bis November 2018 beschlossen haben.

Eben jene Mehrheit zeigte sich bestürzt ob der wiederholten Einlassungen von Klaus Wenk über die Parklets. „Von allen Parklets in der Stadt sind die am Schützenplatz die hässlichsten“, sagte Wenk, „die Ledercoach dort ist verschimmelt und taugt nicht einmal mehr für den Sperrmüll.“ Dann sprach er direkt Frank Schweizer, den Vorsitzenden des Bürgervereins Casa Schützenplatz, an: „Ihr wollt doch Wohnzimmeratmosphäre, doch der Anblick ist erschreckend.“ Schließlich sorgte sich Klaus Wenk um die Sicherheit und die Sauberkeit: „Wer räumt da eigentlich auf? Und was passiert, wenn die Dinger in Flammen aufgehen?“

CDU sorgt sich um Sicherheit

Die Frage der Haftung konnte Frank Schweizer mit dem Hinweis auf eine entsprechende Versicherung klären. Auf die Frage der Sauberkeit ließ Veronika Kienzle außerhalb der Reihe eine empörte Anwohnerin sprechen. „Also ich gehe dort alle zwei, drei Tage mit dem Besen durch und gieße auch die Beete.“

Im Vergleich zu den harten Fakten rund um die Parklets scheinen diese beiden Themen jedoch eher von nachgeordneter Bedeutung zu sein. Zusammen mit einem Mitarbeiter der Uni Stuttgart konnte Schweizer darlegen, dass dort im Bemessungszeitraum von September 2016 bis Oktober 2017 1000 Besucher an den Parklets gezählt wurden. Zudem habe es um die 50 Veranstaltung rund um die Parklets gegeben. Nackte Zahlen, denen Veronika Kienzle eine Qualität gab: „Dort haben sich im Zuge des Projektes sehr viele Menschen getroffen. Manche Leute haben sich erst dort kennen gelernt. Manche haben sich nach langer Zeit wieder gesehen.“ Soll heißen: „Hier ist ein Gemeinwesenprozess angestoßen worden und eine Nachbarschaftlichkeit entwickelt worden, die es vorher nicht gab.“ Die Sache sei auch aus Sicht des Reallabors der Universität Stuttgart so gut gelaufen, dass man nun eine weitere Förderung beantragt habe. Mehr noch: Sogar das Bundesumweltamt sieht einen Vorbildcharakter für andere Kommunen.

Sogar das Bundesumweltamt nimmt Notiz

Weiteren Rückenwind gab es auch von fast allen Bezirksbeiräten. Heinrich-Hermann Huth (SPD) schlug vor, „das Ganze als Blaupause“ für andere Plätze zu nehmen. Auch Wolfgang Kämmer (Grüne) erkennt in dem Projekt einen „Modellcharakter“. Und Ralph Schelle (SÖS/Linke-plus) lobte, dass so „ein ganzer Platz aufgewertet wird“. All das konnte Klaus Wenk und seine Kollegen von der CDU-Fraktion nicht überzeugen. Bevor sie geschlossen gegen die Verlängerung stimmten, meinte Wenk noch: „Es gibt doch genug andere mögliche Standorte, an denen keine Parkplätze verloren gehen.“

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