Schuhhaus Bletzinger in Stuttgart Schluss nach 131 Jahren am Marktplatz

Das traditionsreiche Schuhhaus Bletzinger macht zu. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das traditionsreiche Schuhhaus Bletzinger macht zu. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das renommierte Schuhhaus Bletzinger am Marktplatz ist Geschichte. Es existierte 131 Jahre. Jetzt ist es verkauft worden – „schweren Herzens“, wie der Inhaber sagt.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
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Stuttgart - Der Name ist nicht ganz aus der Stadt verschwunden. „Bletzinger“ steht in feinen weißen Lettern auf den Schaufensterscheiben in der Rathauspassage – aber über der Ladentür prangt fett der Schriftzug „Gabor“. Das renommierte Schuhhaus Bletzinger ist Geschichte. Der Urgroßvater von Hans-Peter Bletzinger hat das markante Gebäude an der Ecke Marktplatz und Münzstraße vor 131 Jahren gebaut. Jetzt musste der Nachfahre es schweren Herzens verkaufen.

Grund seien „Erbstreitigkeiten“, sagte der 66-Jährige unserer Zeitung. Die Immobilie gehörte einer Erbengemeinschaft. Hans-Peter Bletzinger, der das auf drei Etagen verteilte Schuhhaus allein führte, wollte die anderen Erben auszahlen. Zu dieser Übereinkunft ist es nicht gekommen. Also wurde das Gebäude schließlich an einen Unternehmer veräußert, der sich mit historischen Gebäuden auskenne, so Bletzinger. Den Namen will er nicht verraten.

Corona ist nicht die Ursache für die Geschäftsaufgabe

Bis Ende Juni war Ausverkauf im Schuhladen wegen Geschäftsaufgabe. Sich in den Ruhestand zu verabschieden kommt für den Chef indes nicht in Frage. Also hat er den weiterhin bestehenden Sioux-Laden in der Rathauspassage umgebaut und das Sortiment auf die breiter aufgestellte Marke Gabor umgestellt. Mitte Juli war die Neueröffnung. Drei seiner elf Mitarbeiterinnen hat Bletzinger mitgenommen, den anderen musste er kündigen, teilweise nach mehr als 20 Jahren im Betrieb. Statt bisher rund 300 hat er nun nur noch 80 Quadratmeter Ladenfläche.

Corona habe mit dieser Entwicklung nichts zu tun, stellte der Geschäftsmann bei einem Gespräch klar. „Wenn die Firma den Lockdown nicht überlebt hätte, dann hätte ich schlecht gewirtschaftet.“ Zu dem Konflikt ums Erbe sei allerdings schon vor der Pandemie hinzugekommen, dass das Schuhhaus immer mehr Kunden und Kundinnen an das Umland verloren habe. „Viele bleiben daheim in Göppingen oder Waiblingen und kommen erst gar nicht mehr in die Innenstadt.“ Schuld gibt er der Parkplatzsituation, die sich kontinuierlich verschlechtere und den Stadtplanern, die es versäumt hätten, die Stadt und insbesondere die Königstraße attraktiv zu halten. Da helfe ein Riesenrad wenig.




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