Schuhhersteller aus Wahlheim zieht sein Lager um Das Onlinegeschäft zwingt Sioux zum Umbau

Der Firmensitz von Sioux in Walheim wird verkleinert, ein Bürotrakt (im Vordergrund)  abgerissen. Die Logistik des Unternehmens zieht um nach Pirmasens. Foto: Sioux
Der Firmensitz von Sioux in Walheim wird verkleinert, ein Bürotrakt (im Vordergrund) abgerissen. Die Logistik des Unternehmens zieht um nach Pirmasens. Foto: Sioux

Der Walheimer Schuhhersteller Sioux verlagert seine komplette Logistik nach Rheinland-Pfalz, der Stammsitz wird verkleinert. Grund für den Umbau ist das Onlinegeschäft – und das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden.

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Walheim - Immer montags geht es bei Sioux hektisch zu – und das schon frühmorgens. Denn an jedem Wochenanfang arbeiten die Angestellten des Walheimer Schuhherstellers die Aufträge ab, die samstags und sonntags von Kunden aus der ganzen Welt im firmeneigenen Onlineshop oder auf Shoppingseiten wie Zalando aufgegeben wurden. Bis zu 1000 Pakete würden an solchen Tagen das Lager verlassen, sagt der Geschäftsführer Lewin Berner. Eine Größenordnung, die sein Unternehmen an die Grenzen bringt – weshalb man in Walheim nun kräftig umbaut.

Wie Berner erklärt, wird die komplette Logistik zusammengelegt und aus der Region Stuttgart im Herbst in die Nähe des rheinland-pfälzischen Pirmasens verlegt. Von dort werden künftig alle Sioux-Schuhe ausgeliefert, und dort landen auch all jene Exemplare wieder, die den Kunden nicht gefallen haben, nicht passten oder aus anderen Gründen zurückgeschickt wurden. In Walheim, wo in den 1960er-Jahren die Firmenzentrale entstand, will sich das Unternehmen dagegen verkleinern: Zwei Gebäudeteile werden abgerissen.

Eine Expansion in Walheim ist nicht möglich

Der Umzug erfolgt vor allem aus Platzmangel. Bislang verschickte Sioux seine Schuhe von Hemmingen aus, während die gesamten Retouren über Walheim abgewickelt wurden. Gerade dort, im Hauptquartier des Mokassin-Herstellers, herrscht inzwischen aber akute Raumnot – denn 30 bis 60 Prozent der Sendungen kommen laut Sioux heutzutage wieder zurück. Das liegt auch an der Vielfalt des Produkts: Schuhe gibt es in vielen Größen und zahlreichen Farben. Wer online bestellt, hat keine Chance, vorher anzuprobieren – und trägt sein Paar notfalls wieder zur Post.

Jede Retoure wird in Walheim von Hand geöffnet, die Schuhe darin werden geputzt, aufgearbeitet und anschließend neu verpackt. Das sei nicht nur zeitaufwendig, sondern brauche auch Platz – den es mitten in einem Wohngebiet nicht gibt. „Wir stehen uns oft im Weg“, sagt Lewin Berner. Expandieren kann die Firma in der 3000-Einwohner-Gemeinde Walheim nicht, ein Logistikzentrum mitten im Ort sei auch wegen des Lieferverkehrs nicht sinnvoll, erklärt das Unternehmen. Deshalb erfolgt der Umzug nach Rheinland-Pfalz.

Dort soll künftig die komplette Logistik unter einem Dach abgewickelt werden, wobei Sioux mit einem externen Dienstleister kooperiert, der auch für andere Marken und eine große Handelskette die Päckchen packt. Wurden früher die Schuhe noch palettenweise an Händler und Großkunden ausgeliefert, verschicken Schuhfirmen heute einzelne Kartons an ihre Endkunden, oftmals individuell verpackt und mit den entsprechenden Etiketten versehen, je nachdem, über welchen Anbieter der Schuh gekauft wurde. „Der Handel hat viele Aufgaben an uns delegiert“, sagt der Sioux-Chef. Die rund 85 Mitarbeiter des Schuhherstellers müssten sich wegen der Umstrukturierung keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, sagt Berner. Für die Angestellten, die bislang für die Retouren und die Logistik eingeteilt waren, stünden „größtenteils alternative Arbeitsplätze zur Verfügung“, einige Mitarbeiter würden planmäßig in den Ruhestand gehen. Überhaupt sei der Stammsitz in Walheim nicht gefährdet: „Wir sind standorttreu“, meint Lewin Berner.

Jobs sollen keine wegfallen

Gleichwohl unterstreicht der komplexe Umbau, der Sioux nach eigenen Angaben eine sechsstellige Summe kostet, welche Bedeutung das Onlinegeschäft inzwischen für die Schuhfirma hat. Zwar will der Geschäftsführer nicht verraten, welcher Anteil der erwarteten rund 30 Millionen Euro Umsatz in 2017 im Netz erwirtschaftet wurde. Er lässt aber durchblicken, dass man in diesem Segment „stark wachse“.

Ein prominenter Werbefilmer

Spot
Nach jahrzehntelanger Pause ist der Walheimer Schuhhersteller Sioux seit Mai wieder mit einem Werbespot auf den Mattscheiben der Republik präsent. Bis Ende Juli lief der Werbefilm rund 3000-mal auf verschiedenen Sendern im Fernsehen. Anlass ist das 50-jährige Jubiläum des ersten Sioux-Spots im Fernsehen. Zu sehen ist der erste Werbefilm aus dem Jahr 1967, zunächst original in Schwarz-Weiß. Erst gegen Ende wird das Bild dann bunt.

Produzent
Gedreht wurde der Originalspot vom im April verstorbenen, weltberühmten Kameramann Michael Ballhaus. Er führte Regie und verantwortete die Kamera bei der Produktion. 1967 arbeitete Ballhaus, der 1935 in Berlin geboren wurde, als Chef-Kameramann beim Südwestrundfunk, später ging er nach Hollywood. Dort arbeitete er mit amerikanischen Regisseuren wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola oder Robert Redford. Insgesamt drehte er mehr als 80 Kinofilme.




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