Im Februar wurde der Neubau des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Bad Cannstatt bezogen. „Bis auf ein paar technische Probleme mit dem WLAN haben wir uns gut eingelebt“, berichtet Rektor Norbert Edel der Kultusministerin Theresa Schopper und der Staatssekretärin Petra Olschowski. Bei einem Besuch informierten sich die beiden Frauen schwerpunktmäßig über das Thema Inklusion an Gymnasien. Am „Elly“ besteht seit 2016 eine erfolgreiche Kooperation mit der Helene-Schoettle-Schule, einer Schule für geistig behinderte Kinder. Nicht nur im Unterricht, sondern auch in Arbeitsgemeinschaften und einem Theaterprojekt lernen die Schüler gemeinsam.
Kultusministerin beeindruckt
Bei einem Rundgang wurde dem Besuch die auf die Besonderheiten und Bedürfnisse angepasste Architektur mit speziellen Gruppen- und Arbeitsräumen erläutert, die das pädagogische Konzept und Schwerpunkte „Modellschule für Inklusion“ und „Kulturprofil“ unterstützen. Kultusministerin und Staatssekretärin zeigten sich beeindruckt. „Das ist hier sehr gut gelöst“, so Theresa Schopper, die seit einem Jahr, das stark von Corona geprägt war, im Amt ist. Eine Menge Herausforderungen und Krisenbewältigungen standen an. „Jetzt kann ich endlich ins Schulleben eintauchen“, sagte sie. Während die „Ellys“ den Übergang weitgehend reibungslos bewältigten, hatten einige „Helenes“ Probleme. „Die hat es aus der Bahn geworfen“, sagt Andreas Thiemke, Leiter der Helene-Schoettle-Schule.
Mittlerweile freuen sich alle über das neue Gebäude. Wobei sich in der Praxis gegenüber der ursprünglichen Planung, die vor mehr als zehn Jahren angegangen wurde, etwas geändert hat. Mit dem heutigen Wissen wären die Differenzierungsräume, die Rückzugsmöglichkeiten bieten, größer geplant worden. „Dann wäre es ideal.“ Die kooperative Klasse hat inklusiven Unterricht mit Rückzugsort, den manche benötigen. „Die Bedürfnisse sind unterschiedlich.“ Es werde darauf geachtet, dass Gruppen der geistig behinderten Schüler nicht zu groß sind.
„Eigentlich sollten es nicht mehr als sechs sein“, so Thiemke. Aber das sei derzeit aufgrund der personellen Situation nicht zu halten. Zum Teil seien es bis zu zehn, elf Schüler. Jetzt werde eben jongliert. „Das zeigt, wie schnell sich die Anforderungen ändern“, erläutert Olschowski. Thiemke lobt die Kooperation und die Offenheit. Das sei nicht selbstverständlich. „Unsere Schülerschaft fühlt sich als Elly-Schüler.“ Das sei gut. „Bei uns wird kein Unterschied gemacht“, betont Edel, dem wichtig ist, dass jeder die Voraussetzung haben sollte, Abitur zu machen. Das hat sein Kollege Thiemke auch schon anders erlebt. Bei der Suche nach Partnern habe er andere Erfahrungen gemacht und wenig Glück gehabt. Die Helene-Schoettle-Schule hat vier kooperative Klassen im „Elly“ und in der Grundschule Hofen, insgesamt werden Schüler an acht weiteren Schulen inklusiv unterrichtet.
Unterschiedliche Bedürfnisse
„Wir kennen es gar nicht anders“, sagt Schulsprecherin Ayssia. „Es funktioniert gut.“ Man helfe sich gegenseitig. Die Schüler würden viel natürlicher miteinander umgehen. Die Lehrkräfte tun sich etwas schwerer. „Es gibt keine Bedienungsanleitung für Schüler mit Behinderung“, führt Lehrerin Marion Frey aus, die auch als Abteilungsleiterin für die Vorbereitungsklassen fungiert. Aber es seien Sonderpädagogen mit dabei. Es müsse immer vor Ort geschaut werden. „Viele Absprachen sind nötig, Ressourcen müssen gebündelt werden.“
500 Schülerinnen und Schüler gehen ans „Elly“, das Spanisch als dritte Fremdsprache anbietet. „Das erfreut sich großer Beliebtheit“, sagt Marion Frey. Während im Neubau immer vier Klassenräume um eine Mitte platziert sind, gibt es kein reines Lehrerzimmer mehr, sondern Teamstationen, an denen es auch stille Arbeitsplätze gibt.