Schul-Notstand in Stuttgart Rektoren dringen auf Sanierungen

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Seit Jahren warten Schulen auf dringende Sanierungen und Erweiterungen. Nun gelte es, schnell zu handeln, sagen die Rektoren in Stuttgart-Vaihingen. Sonst müssen die Schulen einige Angebote einschränken.

Im Juni 2018 zogen Schüler, Eltern und Lehrer durch Vaihingen, um auf die dringend notwendigen Sanierungen ihrer Schulen aufmerksam zu machen. Foto: Archiv Sandra Hintermayr
Im Juni 2018 zogen Schüler, Eltern und Lehrer durch Vaihingen, um auf die dringend notwendigen Sanierungen ihrer Schulen aufmerksam zu machen. Foto: Archiv Sandra Hintermayr

Vaihingen - Es täte uns in der Seele weh, wenn wir unsere Angebote einschränken müssten“, sagte Frank Bäuerle, Schulleiter des Hegel-Gymnasiums. Freiwillige Angebote wie beispielsweise AGs, die über den regulären Unterricht hinausgehen, wären davon betroffen, wenn die Schulen nicht ausreichend Räume zur Verfügung haben. Bereits jetzt gebe es einen „Raumfehlbedarf“, also zu wenig Platz für zu viele Schüler. Und die Schülerzahlen werden in den kommenden Jahren noch steigen, mahnte Bäuerle, der im Bezirksbeirat für alle weiterführenden Schulen in Vaihingen sprach. Denn nicht nur das Hegel-Gymnasium, sondern auch andere Schulen im Bezirk haben dringenden Sanierungsbedarf.

„Wenn der Eiermann-Campus besiedelt wird, sind die Schüler sehr schnell da“, sagte der Rektor Bäuerle. Nicht alle jungen Neubürger durchliefen erst die Grundschule, einige seien unter Umständen bereits älter, wenn sie dort hinziehen, und müssten weiterführende Schulen besuchen.

„Wir kriegen bald ein ernstes Problem“

Insbesondere vom Gemeinderat fühlen sich die Vaihinger Rektoren im Stich gelassen. „Wir wünschen uns, auf Augenhöhe ernst genommen zu werden.“ Klagen verliefen seit Jahren im Sand, im Schulverwaltungsamt fehle Personal, die Schulsanierungen und Ausbauten voranzutreiben. Genehmigen müsste diese Stellen der Gemeinderat. „Ich bitte Sie“, richtete Bäuerle das Wort an die Vaihinger Bezirksbeiräte, „auf Ihre Fraktionen im Gemeinderat einzuwirken, sich endlich darum zu kümmern. Wenn wir diese Entscheidungen jetzt nicht auf den Weg bringen, tut sich in den nächsten zwei Jahren wieder nichts. Und dann kriegen wir bald ein ernstes Problem“ mahnte Bäuerle.

„Es ist traurig, dass in einer reichen Stadt wie Stuttgart die Schulen so aussehen“, sagte Ingrid Queckenberg, die Elternbeiratsvorsitzende des Hegel-Gymnasiums, zu Beginn der Bezirksbeiratssitzung im Rahmen des Tagesordnungspunkts „Vaihinger Bürgerinnen und Bürger haben das Wort“ und rief ebenfalls dazu auf, genug Personal zur Verfügung zu stellen, um die Sanierungen voranzutreiben. Man habe bereits vor zehn Jahren die Dringlichkeit gesehen, ergänzte Carsten Emhardt, ebenfalls Elternbeirat. Nun, ein Jahrzehnt später, bliebe nur Ernüchterung, „weil wir genauso weit sind wie damals“. Lehrer, Schüler und Eltern seien enttäuscht, „wir fühlen uns nicht wahrgenommen“, so Emhardt.

„Ich bin kurz vorm Platzen!“

Aus der Lokalpolitik erfahren die Schulgemeinschaften viel Unterstützung. Man wolle erneut beim Gemeinderat Druck machen, sagten einige Fraktionsvertreter und brachten ihr Unverständnis und ihre Wut über die aufgeschobenen Sanierungen zum Ausdruck. „Es kann doch nicht wahr sein, dass hier einfach nichts passiert!“, sagte Sigrid Beckmann (SPD) wütend. „Ich bin kurz vorm Platzen!“ Ulrich Bayer (CDU) ergänzte, vor allem in Bezug auf die Besiedlung des Eiermann-Campus und die damit einhergehenden steigenden Schülerzahlen: „Wenn wir jetzt nicht handeln, kommt die Katastrophe.“

Es könne nicht sein, dass Schulen ihre Angebote zusammenstreichen oder gar ganz schließen müssten. „Das ist für mich der blanke Wahnsinn“, so Bayer. Aufgrund der Dringlichkeit des Themas einigen sich die Bezirksbeiräte darauf, den Schulnotstand als fakultativen Punkt „Baulicher und infrastruktureller Status bei den Schulen im Stadtbezirk Vaihingen – Versäumnisse, Sanierungsstau, Aussichten und Erledigung“ auf die Tagesordnungen der kommenden Sitzungen zu nehmen.

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