Auf der Baustelle neben der Brühlhalle in Reichenbach sind die Konturen der zukünftigen Sporthalle mit Mensa schon gut zu erkennen. Dieses Projekt mit einem Volumen von 17 Millionen Euro ist der erste Meilenstein auf dem Gelände, das sich von der Brühlhalle im Osten bis zum Lützelbach im Westen, von der Karlstraße im Süden bis zur Seidenstraße im Norden erstreckt. Es ist das „grüne Herz“ der Gemeinde. Auf dieser Fläche sind die beiden Schulen – die Lützelbachschule als Grund- und Hauptschule und die Realschule – angesiedelt, außerdem die Gemeindebücherei, das Jugendhaus und drei Kindertageseinrichtungen. Am Rand befinden sich die katholische Kirche und deren Gemeindehaus sowie das Paul-Schneider-Haus, die Heimat des CVJM. Und zwischen alledem liegen die Schulhöfe, ein Skaterplatz, ein Spielplatz und verschiedene Sportanlagen.
Das ist über Jahrzehnte so gewachsen und soll nun mit einem Konzept sinnvoll neu geordnet werden. Dem Gemeinderat ist dabei wichtig, dass das Gelände öffentlich zugänglich bleibt und seinen grünen Charakter bewahrt. Denn so etwas mitten im Ort sei „etwas unglaublich Wertvolles“, wie die SPD-Gemeinderätin Sabine Fohler es vor einiger Zeit formulierte. Und Matthias Weigert (Grüne) sprach damals von einem „Erlebnisraum“ und einem „Bürgerpark“.
Mit der Freiflächenplanung hat sich der Gemeinderat schon vor zwei Jahren beschäftigt. Der Planer Harald Fischer hatte damals drei Skizzen dabei, auf denen sie Freiflächen und Sportfelder variierten. „Das wird man jetzt vertiefen“, sagt der Bürgermeister Bernhard Richter. In den Blick rückt dabei auch der Lützelbach, der recht unauffällig am Rand des Geländes entlang plätschert, zwischen steilen Ufern oder sogar Mauern eingezwängt. Dass so ein Bachlauf auch ganz anders aussehen kann, zeigt der Reichenbach im Bereich des Rathauses – ein beliebter Ort zum Sitzen und Spielen. Ähnlich will die Gemeinde den Lützelbach aufwerten, sowohl ökologisch als auch als Erlebnisraum. Das umfasst sowohl Veränderungen an der Gewässersohle als auch an den Ufern. Sie sollen abgeflacht werden, dem Bach mehr Raum lassen und ihn zugänglich machen.
Was ist an welcher Stelle sinnvoll?
In Sachen Freiflächen darf der Gemeinderat gedanklich aber auch noch ein wenig ausprobieren: Was passt wohin, was ist an welcher Stelle sinnvoll? „Da wird komplett neu gedacht und geplant“, sagt der Bürgermeister. Nur die Skateranlage bleibe da, wo sie ist – ansonsten werde man alles neu verteilen. Auf dem großen Hartplatz werde momentan sowieso vor allem auf die Tore gespielt, sagt Richter, den werde man wohl durch eines oder mehrere Kleinsportfelder ersetzen. Südlich des Sport- und Mensaneubaus zur Karlstraße hin soll ein großer Parkplatz entstehen, dafür wird nach dem Abbruch der alten Turnhalle – sobald die neue Sporthalle fertig ist – wieder Fläche frei. Am Ende sollen auf dem Gelände „alle Altersgruppen“ Freizeitmöglichkeiten und Bewegungsanreize finden.
Damit ist das Puzzeln aber noch nicht beendet. Wo soll künftig der Schulhof der Grundschule liegen? Wo ist der richtige Platz für die Bücherei, die der Gemeinderat zum „Haus für Medien“ weiterentwickeln möchte? Und wo der für die naturwissenschaftlichen Räume, die die Schulen brauchen? Zumindest die Schulräume „sollen möglichst im Bestand untergebracht werden“, sagt Richter, da habe man noch Möglichkeiten. Auch das Jugendhaus braucht eine neue Bleibe, denn „Bau 1“, die Seidenstraße 11, soll ebenfalls abgerissen werden. Ideen gibt es laut dem Bürgermeister bereits, darüber müsse man nun diskutieren.
Fest steht, dass der Hof der Realschule mit den großen Stufen neugestaltet und modelliert wird. Der jetzige Nebeneingang der Schule soll zum Haupteingang werden. Damit will man die Verkehrssituation in der Schulstraße entzerren. In dieser Sackgasse herrscht derzeit öfter mal Verkehrschaos: Eltern nutzen sie als Zufahrt zu den Schulen und Kitas, einschließlich unkontrollierten Anhaltens und Wendemanövern. Die Planer stellen sich deshalb vor, dass die Schülerinnen und Schüler künftig auf dem Parkplatz bei der Sporthalle aussteigen und über einen Fußweg direkt zum Eingang auf der Westseite der Realschule und zur Lützelbachschule gelangen. Für die Kindergärten und die Krippe bleibt der Zugang wie gehabt.
Reichenbach braucht weitere Betreuungsplätze für Kinder
Kinderbetreuung
Derzeit sind auf dem Reichenbacher Schul- und Sportcampus drei Kinderbetreuungseinrichtungen angesiedelt: der Oskar-Voltz-Kindergarten, der Robert-Schöttle-Kindergarten sowie die Kinderkrippe der Gemeinde.
Weiterer Bedarf
Die Gemeinde brauche auf jeden Fall weitere Betreuungsplätze, und das zeitnah, sagt der Bürgermeister Bernhard Richter: „Wir sind unter Druck, wir müssen bauen.“ Er gehe von einem Haus mit vier bis sechs Gruppen aus, denn der aktuelle Kindergarten „Karlchen“ mit seinen drei Gruppen ist als Provisorium angelegt; seine Container sollen wieder abgebaut werden, wenn eine neue Einrichtung besteht.
Mögliche Standorte
Der Schul- und Sportcampus war als Standort im Gespräch, allerdings halte man eine vierte Kinderbetreuungseinrichtung auf demselben Gelände für wenig sinnvoll, so Richter. Es gebe aber andere mögliche Standorte – darüber will der Gemeinderat in einer Klausurtagung noch vor der Sommerpause beraten.