Schulabschlussprüfungen Das Smartphone als Prüfungsthema

Froh, dass die Prüfung vorbei ist: Christian Motzer, Dicle Dikici, Arlinda Ala (von links)  von der  Rohrer Pestalozzischule. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Froh, dass die Prüfung vorbei ist: Christian Motzer, Dicle Dikici, Arlinda Ala (von links) von der Rohrer Pestalozzischule. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Nun sind auch die Hauptschüler dran: Am Dienstag haben an den 29 Hauptschulen von Stuttgart die Abschlussprüfungen begonnen – im Fach Deutsch.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Man könnte meinen, dass Ferien sind, so still ist es auf den Fluren im Obergeschoss der Pestalozzischule in Rohr. Draußen ist es schwülwarm, weiße Pollen fliegen über den leeren Schulhof. Seit 8:30 Uhr brüten die 53 Schüler der Klassen 9a und 9b über ihren Prüfungsaufgaben im Fach Deutsch. 135 Minuten stehen ihnen dafür zur Verfügung, um 10:45 Uhr müssen die hoffentlich vollgeschriebenen Seiten spätestens abgegeben sein.

Nicht alle nehmen sich Zeit bis zum Schluss. Nach und nach verlassen einzelne Prüflinge den Raum, auf den Gesichtern weicht die Anspannung der Erleichterung. Kurz streckt eine Lehrerin den Kopf zur Türe heraus, um diejenigen, die bereits fertig sind, daran zu erinnern, dass der Geräuschpegel weiterhin niedrig bleiben soll. „Kinder und Jugendliche mobil im Netz“ lautete das Thema im Fach Deutsch dieses Jahr, dem sich in Stuttgart 1320 Schüler stellten.

Fünf verschiedene Texte mit sieben Aufgaben

Dazu waren fünf verschiedene Texte mit insgesamt sieben Aufgaben zu bearbeiten. Außer dem Leseverständnis wurde auch das Ausdrucksvermögen getestet. Unter anderem sollten sich die Schüler in die Situation hineinversetzen, eine Präsentation vor Eltern und Mitschülern zum Thema zu halten. Gefordert war ein Text im Umfang von mindestens 150 Wörtern. Die Schülerin Senem Öztürk ist vor 10.45 Uhr fertig geworden und hat ihre Wörter sogar noch gezählt: „241 Wörter waren es. Jetzt hoffe ich nur noch, dass grammatikalisch alles stimmt.“ „Es war nicht so schlimm wie erwartet“ , sagt Dominik Derichs, der eben die Prüfung abgelegt hat. Sein Fach sei zwar eher Mathe, „das Prüfungsthema passt aber gut zu unserer Generation“ . Das sieht auch der Konrektor der Pestalozzischule, Peter Dünschede, so: „Das diesjährige Thema geht nah an die Jugendlichen heran“. Zwar seien die Texte nicht schwierig, dafür aber sehr lang gewesen, so Dünschede weiter. „Oft sagen die Schüler: ,Es war einfach’, aber schauen wir mal!“

Gut vorbereitet gefühlt hat sich Dominik Derichs. In den vergangenen zwei Monaten seien im Unterricht viele Übungsprüfungen aus den Vorjahren durchgesprochen worden. „Ich habe mit den Pauker-Lernhilfen geübt“, berichtet die 16-jährige Arlinda Ala. Außerdem komme täglich ein Nachhilfelehrer zu ihr nach Hause. Mehr Angst als vor Deutsch, das ihr heute einfacher gefallen sei als gedacht, habe sie jedoch vor Mathe. Die Prüfung steht in der darauffolgenden Woche am 12. Mai an. Ähnlich geht es Arlindas Mitschüler Christian Motzer, der die Prüfung heute als „herausfordernd, aber machbar“ empfand. Auch er habe die meiste Angst vor Mathe. So fürchte er sich davor, die vielen Formeln zu vertauschen.

Bahnstreik hatte keine Auswirkungen

„Bei Mathe sind viele angespannter, es ist ein Angstfach“, weiß Dünschede, der selbst Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet. Um der Nervosität Einhalt zu gebieten und die Prüfungszeit gut zu überstehen, haben die Schüler unterschiedliche Wege. Trinken, essen und Kaugummikauen sind in den Prüfungen erlaubt. „Meine große Schwester hat mir Schoko-Bons und sogar einen kleinen Schutzengel in die Tasche gepackt“, sagt Senem Öztürk. Die Schwester habe viel mit ihr gelernt und würde sie auch für die Matheprüfung unterstützen.

Der zeitgleich mit den Prüfungen begonnene Bahnstreik hatte keine Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Prüflinge und war somit kein zusätzlicher Stressfaktor. „Wer sich deshalb verspätet, bekommt am Ende mehr Zeit gewährt. Aber ich habe den Schülern gesagt, dass sie sich zur Not ein Taxi nehmen sollen“, so Dünschede. Auch wenn mit der Deutschklausur eine weitere Hürde bis zum Abschluss geschafft ist, muss das Feiern noch warten. Bis auf den Prüfungstag selbst haben die Schüler weiterhin ganz regulär Unterricht. Den Rest des Tages nach der Deutschklausur gehen die meisten erstmal entspannt an. „Meine Freundin hatte auch Prüfung an der Werkrealschule. Die gehe ich jetzt erstmal abholen“, sagt Dominik Derichs. Der Schüler Sebastian Hentschke hingegen will sich „erstmal schlafen legen.“ In zwei Wochen ist der schrifliche Teil des Abschlusses geschafft. Am Dienstag, 12. Mai, steht Mathe an und eine Woche später Englisch. Die mündlichen Prüfungen finden von Ende Juni an statt. Arlinda Ala schmiedet bereits Pläne für die Zeit nach dem Abschluss: „Ich mache die 10. Klasse und danach eine Ausbildung zur Krankenschwester.“




Unsere Empfehlung für Sie