Schulanfang in Stuttgart Eltern-Taxis schaffen zusätzliche Gefahrenzonen

Bald ist Schulanfang. Die Polizei und der ADAC zeigen Kindern aus diesem Grund beim Aktionstag in Stuttgart richtiges Verhalten im Straßenverkehr. Und sie warnen die Eltern davor, den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule zu fahren.

Parkende Autos sind eine Gefahrenzone, weil  Kinder schlecht zu sehen sind. Foto: Heinz Heiss
Parkende Autos sind eine Gefahrenzone, weil Kinder schlecht zu sehen sind. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Kinder sollen ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen. Das ist die Botschaft, die Polizei und ADAC gemeinsam zum Schulbeginn an die Eltern richten. Beim 30. Aktionstag „Sicherer Schulweg“ an der Fasanenhofschule appellierten Norbert Walz vom Führungs-und Einsatzstabs der Polizei und Dieter Roßkopf vom ADAC an die Eltern, Kinder nicht mit dem Auto in die Schule zu fahren. Die Schulleiterin der Fasanenhofschule, Corinna Emeling, wies zudem darauf hin, dass viele Kinder unter Bewegungsmangel leiden.

„Der Schulweg schafft soziale Kontakte und die Kinder lernen, sich im Verkehr zurecht zu finden“, betonte Roßkopf anlässlich des Aktionstages, bei dem es zahlreiche Mitmachattraktionen für angehende Abc-Schützen und Grundschüler gab. Auf dem Fahrradparcours durften die Kinder knifflige Hindernisse überwinden und Eltern konnten sich über den Kauf des richtigen Helms informieren. Mancher Grundschüler setzte sich zum Fahrtraining gleich ins Polizeiauto – allerdings in ein Modell ohne Motor, dafür mit Pedalen.

Das „Elterntaxi“ nur bei schlechtem Wetter

„Das Elterntaxi sollte es nur bei sehr schlechtem Wetter geben“, empfiehlt Roßkopf und Norbert Walz weist darauf hin, dass das morgendliche Verkehrschaos vor den Schulen für jene Kinder, die zu Fuß kommen, zusätzliche Gefahren schafft, weil zum Beispiel Durchgänge und Überwege zugeparkt werden. „Die meisten Unfälle mit Kindern passieren, weil sie unvermittelt hinter einem Hindernis hervortreten“, erklärt der Verkehrsexperte der Polizei. Die Unfälle nehmen laut Statistik glücklicherweise ab. In den vergangenen zehn Jahren wurden noch nie so wenige Kinder im Alter unter 14 Jahren im Straßenverkehr verletzt. 2013 gab es 16 Schulwegunfälle mit Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 17 Jahren. In sieben Fällen waren Autofahrer schuld.

Wichtig für die Schulanfänger sei es, dass die Eltern den künftigen Schulweg mit ihnen üben. „Da hilft auch mal ein Rollenwechsel und das Kind darf sagen, wie man es richtig macht“, empfiehlt Walz. Die Polizei schafft in den kommenden Wochen Anreize, zusammen mit Freunden den Schulweg anzutreten. Bis Weihnachten soll an allen Grundschulen richtiges Verhalten im Straßenverkehr trainiert werden und die Kinder erhalten einen Fußgängerführerschein. Diejenigen, die morgens zu Fuß kommen, erhalten einen entsprechenden Anstecker und sollen ihre Mitschüler motivieren, es ihnen nachzumachen. Während in den 1970er Jahren noch 92 Prozent aller Sechs-bis Siebenjährigen alleine zur Schule gingen, waren es 2010 nur noch 52 Prozent, so die Statistik, die Roßkopf zitiert.

Der ADAC verteilt Sicherheitswesten

Bevor die dunkle Jahreszeit anbricht, beginnt der ADAC am 29. September, bundesweit gelbe Sicherheitswesten für Kinder zu verteilen. Und Walz weist alle Erwachsenen darauf hin, dass sie sich ihrer Rolle als Vorbild bewusst sein und Verkehrsregeln genau befolgen sollen.

Auch der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) weist in seinem am Dienstag veröffentlichen „Städtecheck 214“ auf die Gefahren vor allem für die Kinder im Straßenverkehr hin. Besonders schlecht schneidet Stuttgart in der Analyse ab. Untersucht wurden alle deutschen Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Der Grund für die schlechte Bewertung der Landeshauptstadt: die Zahl der verunglückten Fußgänger hat in der Tendenz der vergangenen fünf Jahre stark zugenommen. Besonders im Jahr 2012 war der Anstieg eklatant, als die Zahl der Verunglückten von durchschnittlich rund 270 auf 307 angestiegen ist.

Gefahren durch parkende Autos

Ein VCD-Sprecherin weist vor allem auf die Gefahren für Kinder durch parkende Autos hin. Die seien wegen ihre geringeren Größe hinter den Fahrzeugen kaum auszumachen. „In Großstädten herrscht in vielen Vierteln Parkplatzmangel. Aus diesem Grund stellen die Fahrer ihre Autos auch oft widerrechtich in Kreuzungsbereichen ab“, sagt die Verkehrsexpertin. „Das kann vor allem für Kinder zu einer tödlichen Falle werden, wenn sie plötzlich auf die Straße laufen.“ Grund für viele Unfälle mit Fußgängern sei allerdings auch die oft zu hohe Geschwindigkeit der Autofahrer, erklärt die VCD-Sprecherin. Aus diesem Grund fordert der Verkehrsclub mehr Rechte für die Kommunen bei der Ausweisung von Tempo-30-Zonen.

Der Verkehrsclub Deutschalnd will allerdings nicht die große Alarmglocke läuten. Die Verantwortichen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Fußgänger in den deutschen Städten – gemessen am Anteil der zurückgelegten Fußwege – relativ sicher unterwegs sind. Unverhältnsmäßig hoch sei jedoch die Gefahr, dass sie bei einem Unfall schwer oder sogar tödlich verletzt werden.

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