Schulen in Baden-Württemberg Wechsel der Schulart: Ministerin kommt jungen Lehrern weiter entgegen

, aktualisiert am 02.08.2025 - 13:23 Uhr
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) im Bildungsausschuss des Landtags Foto: Marijan Murat/dpa

Das Land geht einen weiteren Schritt auf junge Gymnasiallehrer zu, damit sie ihre Laufbahn an einer anderen Schulart beginnen. Was das Angebot bedeutet und was nicht.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Kultusministerin Theresa Schopper geht einen weiteren Schritt auf fertig ausgebildete Gymnasiallehrer zu, um sie für einen temporären Einsatz an einer anderen Schulart zu gewinnen. Allerdings gilt das Angebot nur für einen Teil des gymnasialen Lehrernachwuchses auf Stellensuche und nur für einen Teil der 1440 aus Versehen über Jahre hinweg unbesetzt gebliebenen Lehrerstellen, die das Land möglichst bis zum Beginn des neuen Schuljahrs Mitte September besetzen will: 300 ausgebildete Gymnasiallehrer sollen nach dem Willen Schoppers an einem konkreten Gymnasium im Land angestellt und unmittelbar an eine berufliche Schule (100), an eine Gemeinschaftsschule (50) oder eine Real- oder Werkrealschule (150) abgeordnet werden.

 

Besserstellung für 300 fertige Referendare

Danach haben sie, wie das Kultusministerium auf Anfrage bestätigt, die Garantie, an ein allgemeinbildendes Gymnasium zurückzukehren. Im Vergleich mit anderen frisch ausgebildeten Gymnasiallehrern, die aktuell keine Stelle an ihrer Wunschschulart bekommen können und an eine andere Schulart wechseln, ist dies eine Besserstellung: Denn die bekommen nur eine Rückkehrgarantie in die „gymnasiale Laufbahn“. Das bedeutet, dass sie auf Dauer auch an einer Gemeinschaftsschule oder einem beruflichen Gymnasium eingesetzt werden könnten, was viele Betroffene nicht wollen.

Schopper will mit ihrem Angebot drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum ersten ist die Last-Minute-Besetzung von 1440 zusätzlichen Lehrerstellen auf einem ziemlich leer gefegten Arbeitsmarkt ein Kraftakt für die Schulverwaltung. Dass Schopper den Auftrag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann erfüllen kann, möglichst all diese Stellen bis Mitte September zu besetzen, ist nicht ausgemacht. Deshalb hat sie zum zweiten ein hohes Interesse daran, möglichst viele der über tausend gerade mit dem Referendariat fertig gewordenen Gymnasiallehrer für den Karrierestart an einer anderen Schulart zu gewinnen. Wegen der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ab Herbst und wegen der Ausdünnung der Stundenpläne in den unteren Gymnasialklassen werden in den nächsten Jahren an den Gymnasien weniger Lehrkräfte benötigt.

Ein Puffer für das Jahr 2032

Vor allem in den Schulen mit sonderpädagogischem Profil (SBBZ) und den Grundschulen klaffen dagegen nach wie vor große Lücken bei der Lehrer- und Unterrichtsversorgung. Fast 500 der zusätzlichen Stellen sollen deshalb den Sonderschulen, 350 den Grundschulen zugute kommen. Junglehrer, die keine spezifische Qualifikation für diese Aufgaben haben, sollen während ihrem Einsatz dort nachqualifiziert werden. Drittens kann Theresa Schopper dank der unversehens aufgetauchten Stellen schon jetzt beginnen, einen Personalpuffer aufzubauen für die Zeit, wenn das neunjährigen Gymnasium auf einen Schlag fast 900 zusätzliche Lehrer erfordert: Das wird ab 2032 der Fall sein, wenn die ersten dreizehnten Klassen seit vielen Jahren den Schlussspurt zum Abitur beginnen. Für diesen Puffer sind die 300 Stellen für gymnasial ausgebildete, wechselbereite Lehrkräfte gedacht, denen Schopper jetzt günstigere Konditionen für den Schulartwechsel gewährt.


Wie attraktiv dieses Angebot ist, wird die Nachfrage zeigen. Einerseits standen in der regulären Einstellungsrunde den über tausend gerade fertig gewordenen Gymnasialreferendaren lediglich 360 regulär zu besetzende Stellen an einem allgemeinbildenden Gymnasium gegenüber. Für die 300 Stellen im G9-Puffer ist immerhin die Rückkehr an die Wunschschulart garantiert. Regional flexibel müssen die Bewerber aber trotzdem sein. Im Landtag erklärte Schopper vor kurzem, dass die betroffenen Schulartwechsler nicht an das Gymnasium zurückkehren können, an dem sie eingestellt wurden, sondern nur in den dazugehörigen Regierungsbezirk. Wie ein – konstruiertes – Beispiel zeigt, kann das im Extremfall für einen Schulartwechsler bedeuten, dass er zwar an einem Stuttgarter Gymnasium eingestellt wurde, nach seiner Abordnung aber nach Wertheim wechseln soll; das liegt 145 nördlich von Stuttgart.

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