Schulbau in Afrika Stühle für eine Schule in Simbabwe

Von Eva Funke 

Wieder ist das Schulgebäude, sind Kristina Egbers und ihr Team von Ingenieure in Afrika bauen, ein gutes Stück gewachsen.

Kristina Egbers mit einem der Arbeiter auf der Baustelle in Hopley Foto:  
Kristina Egbers mit einem der Arbeiter auf der Baustelle in Hopley Foto:  

S-Nord - Im vergangenen Sommer ist die Stuttgarterin des Jahres aus der Landeshauptstadt weggezogen. Doch jetzt lassen Kristina Egbers und ihr Stuttgarter Team von Ingenieure ohne Grenzen wieder von sich hören. Denn zum Jahresende ist die 33-jährige Architektin zurück aus dem afrikanischen Simbabwe. Dort war sie wieder sechs Monate lang, um den Bau einer Schule in Hopley bei Harare zu leiten und zu koordinieren. Dafür wurde sie im vergangenen Jahr als Stuttgarterin des Jahres ausgezeichnet. Diesmal einen knappen Monat aus Stuttgart in Afrika mit dabei: die Maschinenbau-Ingenieurin Claudia Schulze (35).

Der Spatenstich war vor gut vier Jahren. Mittlerweile ist der vierte Bauabschnitt fertig – und immer noch sind Egbers und ihr Team im Zeitplan. Bislang wurden 370 000 Euro verbaut. Wenn es weiter so flott wie bisher läuft, soll das Gebäude für 800 Mädchen und Buben 2022 fertig sein. Die Ingenieure ohne Grenzen hoffen, für die übrigen drei Bauabschnitte mit weiteren 350 000 Euro klarzukommen. Da die einheimischen Arbeiter immer besser ohne Anleitung gut vorankommen, konnte sich das ehrenamtlich tätige Team anderen Aufgaben widmen, „nämlich dem Bau von Tischen und Stühlen“, sagt Claudia Schulze. Die Entwürfe stammen ebenfalls von einer Stuttgarterin. Von Carina Hafner, die sowohl Innenarchitektur als auch Architektur studiert hat. Die Prototypen sind zunächst aus Pappe gebaut worden. Dann gingen die Entwürfe in Serie. Gebaut wurden 50 Tische und Stühle für Kinder bis Klasse zwei.

Benzin- und Strommangel macht Bevölkerung zu schaffen

Also alles im grünen Bereich? Mitnichten. Die politische Lage in Simbabwe hat sich laut Schulze und Egbers nicht verbessert. Nachdem nach der Absetzung von Präsident Robert Mugabe dessen Weggefährte Emmerson Mnangagwa zum Nachfolger gewählt worden ist, sei die Bevölkerung zunächst voller Hoffnung gewesen, dass sich vieles zum Besseren wendet. Diese Hoffnung sei enttäuscht worden. „Es ist nach wie vor kein Bargeld vorhanden. Der Benzinmangel ist so groß, dass sich vor den Tankstellen hunderte Meter lange Schlangen bilden. Und es gibt kaum Strom“, sagen Egbers und Schulze. Zum Glück brauchen sie den nicht, weil von Hand gearbeitet wird. Und die Arbeiter auf der Baustelle für die Schule, die den Namen „Rising Star“ (aufgehender Stern) hat, seien „gut drauf“. „Sie lachen gern und albern rum“, sagt Egbers. Mittlerweile haben auch zwei Arbeiter die theoretische Prüfung abgelegt, um ein offiziell anerkanntes Zertifikat als Maurer- und Vorarbeiter zu erhalten. Dass sei der schwierigere Teil. „Die praktische Prüfung schaffen die beiden nach ihrer Erfahrung im Schulhausbau mit Links“, ist Egbers überzeugt. Und mit Zertifikat haben die beiden bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Im kommenden Jahr steht den Ingenieuren ohne Grenzen eine neue Herausforderung bevor: Gebaut wird der fünfte Abschnitt, der so groß ist wie die ersten beiden zusammen und erstmals zwei Stockwerke umfasst. Und auch der zweite Stock hat die typischen Rundbögen, die den Backsteinbau auszeichnen. Deren Bau hat Egbers vor dem Baustart in Simbabwe auf dem Gelände der Wagenhallen im Stuttgarter Norden ausprobiert. „Rundbögen über zwei Etagen sind aber doch etwas anderes“, stellt Kristina Egbers fest. Sie hat das Gebäude als Studentin für ihre Examensarbeit entworfen.

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