Schulbeginn in der Landeshauptstadt Stuttgart ist vielen Lehrern zu teuer

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Noch immer fehlen in Stuttgart einige Lehrerstellen. Laut Schulamt hat jeder fünfte Bewerber eine Krankheitsvertretungsstelle an einer Stuttgarter Grundschule abgelehnt. Der Grund: die Landeshauptstadt ist zu teuer.

An Schülern mangelt es derzeit nicht – aber an Lehrern.Foto: dpa

Stuttgart - Noch immer fehlen an einigen Schulen ausreichend Lehrer. Man muss hinzufügen: Lehrer, die bereit sind, in der Landeshauptstadt zu arbeiten. „20 Prozent nehmen eine Stelle als Krankheitsvertretung im Bereich der Grundschulen gar nicht an“, so Sabine Graf vom Staatlichen Schulamt Stuttgart – „vor allem wegen der hohen Kosten in Stuttgart“. Graf und ihre Kollegen hoffen, dass es im Lauf der ersten Schulwoche noch gelingt, die Lücken beim Personal zu stopfen.

Doch bereits jetzt tun sich täglich neue Lücken auf: Ausfälle wegen schwerer Erkrankungen oder Schwangerschaften – dabei ist die komplette Krankheitsreserve bereits im Einsatz. „Was jetzt noch zusätzlich an Ausfällen kommt, müssten wir neu besetzen – das wird schwierig“, sagt Schulamtsleiter Thomas Schenk bei der Pressekonferenz am Montag. Umso mehr verwundert, dass es gelang, für die 24 offenen Stellen an Realschulen neben Ruheständlern und Menschen ohne Staatsexamen auch elf Gymnasiallehrer zu gewinnen – aber nur befristet bis Juli 2019.

Viele Eltern wollen, dass ihr Kind erst später eingeschult wird

In der ersten Schulwoche werden in Stuttgart 4448 Erstklässler eingeschult, davon 123 an Sonderschulen – fast gleich viele wie im Vorjahr. Dafür hat sich die Zahl der Zurückstellungen erhöht: von 573 auf 643. Der Grund: „Viele Eltern sagen, sie halten ihr Kind für noch nicht schulfähig“, berichtet Schulrätin Almuth Windisch. Und sie wollten noch etwas länger Freiheit.

Im Unterschied zur landesweiten Entwicklung, wo die Schülerzahlen bei den Anmeldungen an Gymnasien und Haupt- und Werkrealschulen gesunken sind, meldet Stuttgart in allen weiterführenden Schularten steigende Zahlen. So konnten nun an den sieben verbliebenen Werkrealschulen mit 227 neuen Fünftklässlern (Vorjahr 189) zwölf statt neun Eingangsklassen gebildet werden. Allerdings ist die Gesamtschülerzahl durch das Wegschmelzen der acht auslaufenden Standorte dennoch rückläufig.

Steigende Schülerzahlen an Real- und Gemeinschaftsschulen

Steigende Schülerzahlen und größere Klassen (von 25,8 auf 26,5 Köpfe pro Klasse) melden auch die Realschulen – und dies, obwohl sie wegen der Umwandlung in Gemeinschaftsschulen von 19 auf 15 Standorte geschrumpft sind. 1095 Fünftklässler haben hier begonnen, 18 mehr als im Vorjahr. Wegen der Wechsler aus dem Gymnasium ist der Zuwachs in höheren Klassen noch größer. Auch die acht Gemeinschaftsschulen haben wieder zugelegt. 457 Fünftklässer (Vorjahr 414) sind es nun.

Es gibt auch mehr Inklusionsschüler: 831 (Vorjahr 822). Sie besuchen 88 Regelschulen. Aber es gibt nur noch 88 statt 102 Vorbereitungsklassen – mit 1200 Schülern. Grund sind weniger Flüchtlingskinder, die knapp die Hälfte ausmachten. Die übrigen kämen aus europäischen Nachbarländern.