Schuldneratlas Im Esslinger Zentrum drücken die Schulden am meisten

Die Schuldnerquote ist kreisweit gesunken. Doch es gibt Unterschiede: Im Esslinger Zentrum ist die Quote mit 10,18 Prozent sehr hoch. Foto: Roberto Bulgrin

Trotz der Coronapandemie und deren wirtschaftlichen Folgen ist die Zahl der überschuldeten Haushalte im Landkreis Esslingen rückläufig. Gleichzeitig gab es 2021 laut der Studie einer Wirtschaftsauskunftei aber mehr Privatinsolvenzen.

Esslingen - Der Euro sitzt nicht mehr so locker. Die meisten Einwohner des Landkreises Esslingen halten ihr Geld zusammen – es wird gespart und weniger ausgegeben. Konsumzurückhaltung ist ein Grund dafür, dass die Zahl der überschuldeten Verbraucher in der Region im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, teilt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Das Unternehmen, das auch als Inkassodienstleister agiert, verfügt nach eigenen Angaben über die weltweit größte Datenbank zu deutschen Unternehmen. Seit 2004 gibt Creditreform einen Schuldneratlas zur Lage privater Haushalte in Deutschland heraus. Die bundesweiten Zahlen wurden bereits im November vorgestellt. Nun wurden die Daten für die Region veröffentlicht.

 

Die Lage im Landkreis Im gesamten Landkreis Esslingen schafften es im Vorjahr fast 2900 Menschen aus der Überschuldungsfalle heraus. Laut Creditreform ist die Schuldnerquote 2021 zudem in keiner Kommune des Kreises gestiegen. Die Zahl sank von 7,15 Prozent im Jahr 2020 auf 6,5 Prozent im Vorjahr. Das bedeutet eine deutliche Abnahme um 9,09 Prozent. Damit liege der Wert zwar etwas unterhalb der Rückgänge in der Region Stuttgart mit 10,57 Prozent. Doch mit seiner Schuldnerquote stehe der Landkreis Esslingen gut da: „Die Zahlen sind die zweitniedrigsten in der Region Stuttgart. Die geringste Verbraucherüberschuldung weist weiterhin der Landkreis Böblingen mit einer Schuldnerquote von 5,93 Prozent auf“, heißt es in der Studie.

Leicht höhere Quoten haben trotz der kreisweiten Verbesserung der Lage noch immer Neckartenzlingen mit 7,89 Prozent und Plochingen mit 8,15 Prozent. Einen unterdurchschnittlichen Rückgang an überschuldeten Bürgern hatten die Bereiche um Kohlberg, Altenried und Unterensingen: „Auf die Kreisquote haben diese Abweichungen jedoch aufgrund der relativ geringen Anzahl an Einwohnern kaum Einfluss“, schreibt Creditreform in dem Schuldneratlas. Den größten Rückgang hatten dagegen Altdorf und Ohmden.

Die Lage in der Stadt Esslingen Die Esslinger City steckt tiefer in den roten Zahlen: „Mit deutlichem Abstand ist die Überschuldung im Zentrum der Kreisstadt mit 10,18 Prozent und 1387 Personen am größten.“ Leicht höhere Quoten haben nach Angaben von Creditreform aber auch die südlichen Esslinger Stadtteile Pliensauvorstadt, Zollberg und Berkheim. Über den größten Rückgang an überschuldeten Verbrauchern kann sich der Bereich Oberesslingen freuen: „Letzterer ist aber im Landesvergleich immer noch überdurchschnittlich von Überschuldung betroffen. 7,81 Prozent der Verbraucher gelten als überschuldet.“

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Die Gründe Stotternder Wirtschaftsmotor, Kurzarbeit, drohende Arbeitslosigkeit: Corona sorgte für wirtschaftliche Belastungen. Dennoch ist die Zahl der überschuldeten Personen zurückgegangen. Paradox? Nur auf den ersten Blick, meint Patrik-Ludwig Hantzsch von Creditreform: „In der Krise sind die Menschen vorsichtiger geworden.“ Größere Ausgaben, geplante Vorhaben oder längerfristige Kreditverhältnisse würden vermieden, da die eigene wirtschaftliche Zukunft schwer einzuschätzen sei. Durch Coronabeschränkungen, Hygiene-Vorschriften und Lockdowns habe es zudem weniger Möglichkeiten zum Geldausgeben gegeben. Die Anschaffung von Luxusgütern, Reisen und andere Unternehmungen würden abgesagt oder verschoben. Neben der Konsumzurückhaltung wird auf Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen und andere staatliche Leistungen verwiesen, die ein Firmensterben und den Wegfall vieler Arbeitsplätze verhindert hätten. Die bisher schon bestehenden Gründe für Überschuldungen wie Arbeitsplatzverlust, Trennung und Scheidung oder gescheiterte Selbstständigkeit seien zwar noch immer Hauptursachen, hätten aber insgesamt betrachtet an Bedeutung verloren, so Patrik-Ludwig Hantzsch.

Insolvenzen Die Zahl der Insolvenzverfahren von Verbrauchern ist im Kreis angestiegen. In den letzten drei Monaten des Untersuchungszeitraumes von Juli bis September zeichnete sich eine deutliche Steigerung der Zahl ab, erklärte Creditreform. So wurden 2020 noch 24 gezählt, im Vorjahr waren es bereits 72. Als Gründe dafür werden Lieferengpässe, die knappe Verfügbarkeit bestimmter Rohstoffe und Transportprobleme genannt. Gelder, mit denen staatliche Hilfen finanziert werden, stünden für künftige Investitionen nicht mehr zur Verfügung. Diese Entwicklungen würden sich in Preissteigerungen niederschlagen, die bei den Verbrauchern ankommen: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei, der Gesamtschaden für die Wirtschaft noch nicht bezifferbar.“

Der Schuldneratlas von Creditreform für das Jahr 2021

Überschuldung
Als überschuldet gilt laut dem Schuldneratlas von Creditreform ein Zustand, in dem die Einnahmen einer Person nicht mehr ausreichen, um dauerhaft den finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können. Dazu zählen aber beispielsweise keine Kreditaufnahmen.

Schuldnerquote
 Die Anzahl der Überschuldungen befindet sich laut Creditreform auf dem historisch niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 2004. In Deutschland lag die Quote 2020 bei 9,87 Prozent, 2021 bei 8,86 Prozent. Damit ist ein Rückgang um 10,23 Prozent zu verzeichnen.

Baden-Württemberg
 Im Südwesten ist die Zahl der Überschuldungen um 10,23 Prozent von 8,11 Prozent im Jahr 2020 auf 7,28 Prozent im Vorjahr zurückgegangen. In der Region Stuttgart ist ein Minus um 10,57 Prozent auf 7,11 Prozent im Vorjahr zu verzeichnen. 2020 waren es noch 7,95 Prozent.

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