„Schule als Staat“ in Holzgerlingen 950 Beteiligte, ein Projekt – Schönbuch-Gymnasium wird zu „Los Waldos“
Grenzschutz, Prozesse, Schönlinge: Das Schönbuch-Gymnasium verwandelt sich in „Los Waldos“ – und erhält hohen Besuch.
Grenzschutz, Prozesse, Schönlinge: Das Schönbuch-Gymnasium verwandelt sich in „Los Waldos“ – und erhält hohen Besuch.
Wenn im Chemieraum ein Gericht urteilt, das ganze Gelände voller Verkaufsstände ist, Schönlinge und Krümel statt Euro und Cent als Währung gelten und am Nachmittag im fünften Stock das Parlament tagt, dann ist klar: das Holzgerlinger Schönbuch-Gymnasium beteiligt sich wieder an „Schule als Staat“.
Bereits zum fünften Mal ist die Schule bei dem Demokratieprojekt, das diesmal eine fast zwei Jahre andauernde Planung in Anspruch genommen hat, dabei. Mit dem Resultat, dass sich das Gymnasium von Donnerstag bis Samstag und auch noch am Montag quasi in einen eigenen, fiktiven Staat verwandelt – der sehr detailreich ist.
Er trägt den demokratisch gewählten Namen „Los Waldos“, hat unter anderem eine Verfassung, einen Kanzler, eine Präsidentin, ein Arbeitsamt, ein Parlament, eine Zentralbank, eine Polizei – und vieles mehr. Rund 950 Lehrer und Schüler aller Klassen sind beteiligt. Über alle Stockwerke, den Außenbereich und den Anbau verteilen sich mehr als 100 Betriebe, an denen Besucher und Teilnehmer neben Getränken und Essen beispielsweise Schmuck kaufen können. „Da findet man wirklich alles“, weiß Tobias Kunz.
Der Elftklässler, seine Mitschüler Marcel Yassine und Lisa Häußler sowie die Lehrerinnen Franziska Deuschle und Hilke Aman zählen zu den Organisatoren. Aus Sicht des 17-jährigen Marcel Yassine stärkt das Projekt die Schulgemeinschaft, sorgt für Spaß kurz vor den Sommerferien und ermöglicht Demokratieförderung und Staatsverständnis. Und es führt am Freitag, dem zweiten Projekttag, zu prominentem Besuch von Vertretern aus dem Kreis Böblingen.
Die Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz (CDU), Jasmina Hostert (SPD) und Tobias B. Bacherle (Grüne) folgten der Einladung ebenso wie die Umweltministerin Thekla Walker, Staatssekretärin Gisela Splett aus dem Finanzministerium des Landes (alle Grüne), Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos und Gemeinderatsmitglied Björn Schittenhelm (beide Freie Wähler).
Aufgeteilt in zwei Gruppen legte der „Staatsbesuch“ gemeinsam mit den Organisatoren einen Rundlauf zurück und kam unter anderem am Zoll und am Grenzschutz vorbei. Dann war bei der Gruppe um Biadacz, Hostert, Bacherle und Schittenhelm Zeit für einen Plausch – und für Lob.
Denn die Umsetzung des Planspiels, bei dem die Gymnasiasten spielerisch Politik und Wirtschaft erleben, kam bei den Gästen an. Die drei Mitglieder des Bundestags hoben vor allem die Eigenverantwortung hervor, mit der die Schüler bei ihren jeweiligen Aufgaben zurechtkommen müssen.
Schulleiter Stefan Klotz erlebt den Ablauf an den ersten beiden Tage „sehr geordnet und mit viel Lern- und Einsatzbereitschaft. Sie haben viele Ideen, versuchen sich zu differenzieren“, lobt er die Beteiligten sowie die Organisation des Schüler- und Lehrerteams.
Am Samstag rechnen die Schüler-Organisatoren mit bis zu 5000 Besuchern. Der Landtagsabgeordnete Matthias Miller (CDU) macht sich ab 13 Uhr ein Bild von dem Staat, der für vier Tage den Unterricht am Schönbuch-Gymnasium verdrängt hat.