Schule am Favoritepark in Ludwigsburg Schüler produzieren Podcasts zu ihren Zukunftsplänen

Tilmann und Selahattin nehmen einen Podcast auf.  Natalie Kramer assistiert. Foto: Simon Granville
Tilmann und Selahattin nehmen einen Podcast auf. Natalie Kramer assistiert. Foto: Simon Granville

Ein neues Pilotprojekt an der Ludwigsburger Schule am Favoritepark: Jugendliche erzählen im Internet von ihrem Leben. Und ihren Träumen.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)
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Ludwigsburg - Routiniert wie die Profis stehen Tilman Petrick, 17 Jahre, und Selahattin Tekmen (16) am Mikrofon im Computerraum zwei der Schule am Ludwigsburger Favoritepark und sprechen ihre Texte für den vorerst letzten Podcast ein. Vor den Sommerferien soll die Audiodatei über die Homepage ihrer Schule abrufbar sein, erzählt die Lehrerin Natalie Kramer. Sie hatte die Idee für das Pilotprojekt: Mit einer Handvoll Schülern des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung – so der etwas ungelenke Name der Schule – produziert die Lehrerin Podcasts, kleine Interviews und Gespräche, die die Schüler selbst konzipieren, aufnehmen, schneiden und als Audiodateien im Internet veröffentlichen.

Der Beat von Selahattin ist in sieben Folgen zu hören

In der neuen Folge wird Selahattin zum Beispiel berichten, dass es ihm gut gefällt, über seine eigenen Interessen zu reden, etwa über Animes, in Japan produzierte Zeichentrickfilme. Der Teenager hat gleich zu Beginn des Projekts einen Beat zusammengestellt, der in allen bis dato sieben Podcasts zu hören ist, und er hat regelmäßig E-Mails von Hörern beantwortet.

Tilman blickt im neuen Podcast voraus und sagte, er wünsche sich, dass das Projekt fortgeführt werde. Natalie Kramer verlässt die Schule in den Ferien, und noch wird ein Lehrer oder eine Lehrerin gesucht, die beziehungsweise der die Aufgabe übernimmt. Dran bleiben lohnt sich, so viel steht fest.

Podcasts sind eine gute Sprachförderung

Die Produktion der Podcasts sei beste Sprachförderung, sagt Natalie Kramer. Sie und die Schüler hätten viel gelernt, etwa über Digitalisierung und über Medien. In den ersten Podcast-Folgen haben Tilman, Selahattin und drei weitere Schüler zunächst von ihrem Leben und von ihren Hobbys erzählt, zum Beispiel über Rapper gesprochen, über die Netflix-Serie „Gravity Falls“ („sehr zu empfehlen“, sagt Tilman) und über das Videoportal Youtube. Podcasts, sagt Natalie Kramer, seien „vielseitig einsetzbar“, im Sachkundeunterricht etwa könnten Themen aufgegriffen, bearbeitet und die Ergebnisse dann für alle Internetnutzer veröffentlicht werden. Tilman hat sich in einer Folge bereits mit Corona beschäftigt, einen Lehrer zum Thema befragt und am Ende erklärt, er hoffe, dass die Pandemie bald vorbei ist.

Das Projekt fördert das Selbstvertrauen

Die Schüler haben nicht nur ihre Fertigkeiten am Mikro, am PC und am iPad geschult, sie seien auch selbstbewusster geworden, erzählt Natalie Kramer. Sie seien nun viel besser als vorher in der Lage, ihre Sprache bewusst einzusetzen, kleine Texte zu schreiben und auf andere Menschen einzugehen, etwa auf Hörer, die sich per E-Mail zu Wort melden.

Diese Fertigkeiten nimmt den Jugendlichen niemand mehr, völlig egal, ob sie tatsächlich in ihren Wunschberufen unterkommen oder nicht. Tilman würde gern Synchronsprecher werden. Und Selahattin träumt davon, eines Tages als Rapper sein Geld zu verdienen. Er hat sogar schon einen Text geschrieben und aufgenommen. Als es dann aber hieß: das Stück geht online, hat der junge Mann einen Rückzieher gemacht. Er war noch nicht so richtig zufrieden mit seinem Werk. Vielleicht im nächsten Schuljahr, sagt er und grinst verschmitzt hinter seiner Maske. Ein Grund mehr, weshalb das Projekt Podcast fortgeführt werden sollte.

Infos unter www.schule-am-favoritepark/schule/aktuelles




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