Am Donnerstag hat nach über zwei Jahren wieder eine Sitzung des Zweckverbands Rappenbaum stattgefunden. Seit mehreren Jahren herrscht zwischen Böblingen und Sindelfingen Zwist, wie mit dem Areal umgegangen werden soll. In der Sitzung wurden die Tagesordnungspunkte von den Anwesenden pflichtschuldig abgearbeitet, aus dem Gremium sind aber enttäuschte, teilweise sogar wehmütige Stimmen zu hören: Eine Zusammenarbeit der beiden Städte wäre wünschenswert gewesen, doch die Zeichen stehen auf Trennung.
Klar ist mittlerweile, dass sowohl Böblingen als auch Sindelfingen in Zukunft separate Wege einschlagen werden. Sindelfingen plant einen eigenen „Schul- und Sportcampus Darmsheim“ und auch Böblingen befindet sich in einer Projektphase für ein eigenes Bad.
Aus den jeweiligen Gremien der Städte kam im Laufe des vergangenen Jahres außerdem der konkrete Auftrag zur Auflösung des Zweckverbands. Doch wie und wann diese Aufgabe vollzogen wird, ist auch nach der jüngsten Sitzung noch nicht geklärt. Stattdessen standen die Wahl des Vorsitzenden, Jahresabschlüsse und die Haushaltspläne von 2024 und 2025 auf der Tagesordnung.
Bad und Mehrzweckhalle sollen vorerst weiter genutzt werden
„Bis auf weiteres“ sollen das Bad und die Mehrzweckhalle laut dem Ersten Bürgermeister Tobias Heizmann aus Böblingen genutzt werden. Auf welcher Zeitschiene sich die Städte hier bewegen, sei noch nicht absehbar. In einem gemeinsamen Statement schreiben die ersten Bürgermeister Heizmann und Christian Gangl aus Sindelfingen: „Der Betrieb des Hallenbades und der Mehrzweckhalle sollen so lange fortgeführt werden, wie es der jeweilige technisch-bauliche Zustand ohne grundlegende Sanierungsarbeiten ermöglicht.“
Die Gemarkungsgrenze verläuft quer durch das Areal
Erst einmal müsse juristisch geklärt werden, wie es mit dem Areal nach Auflösung des Zweckverbands weitergehen kann, erklärt Tobias Heizmann. Die Krux liege in der Gemarkung: Wie Gangl auf einer Karte zeigt, verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Dagersheim und Darmsheim mitten durch das Gelände – zwischen Hallenbad und Mehrzweckhalle. Genauer gesagt mitten durch einen Mehrzweckraum, in dem über die Jahrzehnte schon viele Sitzungen des Zweckverbands abgehalten worden seien.
Für die Zukunft stellt sich nun also die Frage, wie ein Betrieb auf dem Gelände gesichert werden kann, wenn es nach der Auflösung des Zweckverbands keinen Träger mehr gibt. „Eine eigenständige Nutzung des auf der jeweiligen Markung befindlichen Teils des Grundstückes des Schulverbands auf Basis einer entsprechenden Vereinbarung ist denkbar“, steht in dem Statement der Ersten Bürgermeister. Die beiden Verwaltungen würden auch in Zukunft eine Kooperation anstreben – auch ohne Schulverband.
Vieles ist also noch in der Schwebe. An eine Sache wurde in der Sitzung allerdings ein Knopf gemacht: Im Winter 2025 soll der Abbruch der Schule auf dem Rappenbaumareal erfolgen, die seit 2012 geschlossen ist. Bereits 2021 war der Beschluss zum Abriss gefasst worden. Damals waren rund 600 000 Euro veranschlagt – eine Summe, die mittlerweile nicht mehr ausreicht.
Doch warum dauert es so lange, die Schule abzureißen? Laut den Verwaltungen waren einerseits aufwendige Schadstoffuntersuchungen der Grund. Außerdem haben sich durch den langen Leerstand des Gebäudes Fledermäuse in der Fassade eingenistet, weshalb nun außerdem Auflagen des Artenschutzes beachtet werden müssen. All diese Umstände hätten Auswirkungen auf den Preis gehabt: Rund eine Million mehr muss mittlerweile für den Abbruch eingeplant werden. Dadurch belaufen sich die Gesamtkosten nun auf 1,65 Millionen Euro. Eine Summe, die Kritik aus dem Gremium entfachte: Die eine Million Euro hätte auch in die Sanierung der Halle und des Bades fließen können, wenn schneller gehandelt worden wäre.
Seit dem Jahr 1969 hatten sich die beiden Städte um das Areal zwischen Dagersheim und Darmsheim gemeinsam gekümmert. Doch seit Jahren schwelt der Streit zwischen den Verwaltungen, der in der Vergangenheit immer wieder hochkochte. Zuletzt ging es um eine verpasste Fördersumme für das Hallenbad in Höhe von 3,15 Millionen Euro, weil kein Haushalt für das Jahr 2024 aufgestellt worden war – was in der zurückliegenden Sitzung nun nachgeholt wurde. Die Bundestagsabgeordnete Jasmina Hostert (SPD) hatte sich in Berlin für das Geld eingesetzt. Hin und her ging die Diskussion, wer Schuld an dem Verlust der Förderung war.
Ein Mitglied des Gremiums mahnte in der jüngsten Sitzung das an, was über die Jahre von verschiedenen Personen immer wieder angemahnt wurde: Eine bessere Kommunikation hätte vieles erspart.
Was wird aus dem Rappenbaumareal?
Schulverband
Im Jahr 1969 wurde der Schulverband ins Leben gerufen. Er war für den Betrieb der Schule, des Bades und der Mehrzweckhalle auf dem Areal zwischen Dagersheim und Darmsheim zuständig. Nach der Schließung der Schule im Jahr 2012 gibt es nur noch Hallenbad und Mehrzweckhalle.
Zwist zwischen Städten
Immer wieder herrschte über die Jahre Uneinigkeit darüber, wie mit dem Areal weiterverfahren wird. Zuletzt ging eine Förderung über mehrere Millionen für das Hallenbad verloren, weil der Schulverband sich nicht getroffen hatte, um den Haushalt zu verabschieden. Nun ist klar, dass die beiden Städte Böblingen und Sindelfingen separat ihre Pläne umsetzen werden, der Schulverband wird perspektivisch aufgelöst.
Abbruch
Die Schule auf dem Areal wird voraussichtlich im Winter 2025 abgerissen. Mittlerweile haben sich Fledermäuse in dem Gebäude eingenistet.