Schule im Rems-Murr-Kreis Eine logistische Herausforderung
Ein weiterer Schulstart unter Pandemiebedingungen ist verhältnismäßig gut über die Bühne gegangen. Doch auch wenn mittlerweile alles routiniert läuft, Normalität sieht anders aus.
Ein weiterer Schulstart unter Pandemiebedingungen ist verhältnismäßig gut über die Bühne gegangen. Doch auch wenn mittlerweile alles routiniert läuft, Normalität sieht anders aus.
Rems-Murr-Kreis - David Coronel ist zufrieden damit, wie die Schulen in Fellbach nach den Sommerferien in den Betrieb gestartet sind, auch wenn der Schulalltag noch immer von der Normalität weit entfernt ist. „Sowohl Lehrer als auch Schüler sind mittlerweile geübt, was die Abläufe unter Pandemiebedingungen angeht. Aber natürlich hätten wir uns gewünscht, schon vor den Ferien zu wissen, welche Regeln uns zum Start erwarten, um uns besser vorzubereiten.“
Dieser Wunsch wurde dem Rektor der Wichernschule und geschäftsführendem Schulleiter in Fellbach nicht erfüllt. Und so begann das neue Schuljahr mit vielen Ungewissheiten und aktuellen Änderungen. „Das hat alle gefordert, aber zum Glück ist da längst Routine da, was die schnelle Reaktion auf neue Änderungen betrifft“, sagt David Coronel und bezieht sich dabei besonders auf die momentan geltenden Vorgaben zur Quarantäne.
Die sehen vor, dass im Falle der positiven Testung eines Kindes nicht mehr – wie bisher üblich – die Klasse in Quarantäne muss. Stattdessen ist eine fünftägige Testpflicht aller Schüler der betroffenen Klasse vorgesehen. „Die Grundschulen haben da bisher die Eltern in die Verantwortung genommen, und es wurde daheim getestet. Liegt ein Fall vor, müssen jetzt an fünf aufeinanderfolgenden Tagen alle Kinder vor Ort getestet werden, das ist eine logistische Herausforderung.“
Die Kinder seien ruhig und souverän, aber der Aufwand, der dahinter stecke, „ist enorm und hält den ganzen Betrieb auf“. Zudem muss in so einem Fall die Klasse isoliert werden. Heißt: keine gemeinsamen Hofzeiten, keine AGs und Förderfächer. „Da war es leichter, alle für Fernunterricht heim zu schicken, auch wenn ich gut verstehe, dass die Präsenz gewährleistet werden soll. Aber es ist schwierig in der Umsetzung“, sagt Coronel. Er weiß, wovon er spricht. An der Wichernschule hat es dieser Tage zwei positive Fälle gegeben. „Mein Fazit für den Start fällt trotzdem positiv aus“, sagt David Coronel.
Auch Sabine Hagenmüller-Gehring, die Amtsleiterin am Staatlichen Schulamt Backnang, zieht nach rund eineinhalb Wochen eine gute erste Bilanz. „Aus meiner Sicht hat es geklappt, denn wir hätten tatsächlich viel mehr positive Testungen an den Einrichtungen im Kreis erwartet.“ Freilich habe es etliche Schulen gegeben, in denen einzelne Kinder positiv waren, aber nirgendwo eine Häufung, sodass die Fälle gut handhabbar waren.
Für Sabine Hagenmüller-Gehring spielt es eine große Rolle, dass die meisten Eltern sich gut mit den Gegebenheiten arrangiert haben. „Tests und Masken sind zur Gewohnheit geworden.“ Um so bedauerlicher findet es die Amtsleiter, dass es einige Eltern gibt, die das Maskentragen und/oder das Testen für ihr Kind verweigern. „Das sind zwar pro Schule meist nur ganz wenige oder sogar nur einzelne, aber sie kosten viel Zeit und Energie. Die Kinder tun mir leid. In etlichen Fällen war es so, dass sie gerne zur Schule wollten, sich darauf gefreut hatten und auch kein Problem mit den Regeln hätten.“ Selbst Einschulungsfeiern seien davon überschattet worden. „Ich hoffe, hier finden wir noch Lösungen“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring.
Wichtiger als Masken und Tests stuft die Bildungsgewerkschaft die Impfkampagne an den weiterführenden Schulen ein. Auch David Coronel hofft, dass noch mehr Kinder ab zwölf Jahren davon Gebrauch machen. „Bisher war der Rücklauf mäßig. Aber es gibt ja noch die Luftfilter, die dort eingesetzt werden, wo Räume schlecht lüftbar sind. Mit all dem soll der Betrieb aufrechterhalten bleiben.“ Auf die ersten Tage geblickt, scheint es zu funktionieren. Das Regierungspräsidium Stuttgart, das für die Gymnasien im Kreis zuständig ist, meldet keine besonderen Vorkommnisse – auch wenn Stand Ende vergangener Woche zwölf Schüler und eine Lehrkraft in Quarantäne waren.
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„Vier wurden positiv getestet“, sagt Pressereferentin Andrea Panitz. Ein Grund mehr, in den Klassenräumen weiterhin auf Hygiene und Abstand zu achten. Eine zu große Klasse könnte da wohl hinderlich sein. Lässt sich aber nicht immer verhindern, so die Aussage der Pressesprecherin. „Vorbereitungsklassen und Sprachförderkurse haben einen geringeren Teiler als Regelklassen.“
Die Schulaufsicht habe in einzelnen Fällen mit Blick auf die Unterrichtsversorgung die Schulleitungen auch schon darum gebeten, auf die Bildung zusätzlicher – also kleinerer – Klassen zu verzichten. Auch wegen des Lehrkräftemangels werde oft beim Überschreiten des Teilers nicht gleich eine weitere Klasse gebildet. „Der Mindestabstand von 1,50 Metern hat lediglich Empfehlungscharakter. Oberstes Ziel ist neben dem Gesundheitsschutz der Präsenzunterricht“, sagt die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums, Andrea Panitz.