Schule in Stuttgart Kursstufenschüler lernen künftig im Provisorium

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Die nagelneue Außenstelle des Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums markiert den Start für den Umbau am Stammhaus. „Kein Stein wird auf dem anderen bleiben“, kündigt die Schulleiterin Karin Winkler an.

Das Gebäude liegt 200 Meter unterhalb der eigentlichen Schule. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Gebäude liegt 200 Meter unterhalb der eigentlichen Schule. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Mit „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth“ von Brahms hat der Kammerchor des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums die Einweihung von dessen nagelneuer Außenstelle begleitet – und musikalisches Können gezeigt. Innerhalb von sieben Monaten wurde das vom Stuttgarter Architekturbüro LRO – Lederer, Ragnarsdottir, Oei geplante, zweigeschossige und mit Lärchenholz verkleidete Gebäude am Herdweg realisiert – knapp 200 Meter unterhalb des Stammgebäudes. Nun wurde es pünktlich zu Schuljahresbeginn bezogen. Und, wie die Schulleiterin und Historikerin Karin Winkler feststellte, fast auf den Tag genau zum 329. Geburtstag des Ebelu.

In dem Neubau sollen sich die Schüler der Kursstufe in Ruhe auf das Abitur vorbereiten. Das freundliche Gebäude biete moderne und zeitgemäße Unterrichtsbedingungen und sei technisch auf dem neuesten Stand. Es sei aber nur der erste sichtbare Schritt einer mehrjährigen Umbauphase, kündigte Karin Winkler an in ihrer Ansprache an. Denn in den nächsten sechs bis sieben Jahren werde am Stammhaus „kein Stein auf dem anderen bleiben“. Spätestens im Jahr 2022 werde man am rundum umgebauten Ebelu aber die „ganz große Einweihungsfeier“ zelebrieren.

„Die Baumaßnahmen werden gewaltig sein“

Auch Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann kündigte an: „Die Baumaßnahmen werden gewaltig sein.“ Bis zum Ende der Sanierung am Stammgebäude würden deshalb die Kursstufenschüler in dem Neubau untergebracht. Dieser grenzt an die Außenstelle des Hölderlin-Gymnasiums an, den Schulhof nutzen beide Schulen gemeinsam. Mit 2,6 Millionen Euro Gesamtkosten zähle der Neubau zwar zu den kleineren Baumaßnahmen, doch sei er „nur ein Puzzleteil zu dem großen Gesamtprojekt Musikgymnasium“, so die Bürgermeisterin. Denn bis zum Schuljahr 2020/21 rechne man am Ebelu, das im vergangenen Schuljahr 441 Schüler besucht hätten, mit rund 120 Schülern mehr. „Darauf muss baulich reagiert werden.“

Ein Grund dafür sei auch, dass das Ebelu seit zwei Jahren neben dem klassischen G8 auch ein Musikgymnasium für musikalisch Hochbegabte sei – „in Baden-Württemberg in dieser Form einzigartig“. Das bedeute zugleich besondere räumliche Anforderungen. Das Ebelu werde überdies zur Ganztagsschule – „und braucht Räume für Ruhe und eine deutlich größere Mensa“, so Eisenmann. Dass es auch an den Grundschulen ein Angebot für musikalisch hochbegabte Kinder geben sollte, habe sich bisher allerdings noch nicht umsetzen lassen, bedauerte die Bürgermeisterin.

Die Genehmigung für den Neubau gilt nur sieben Jahre

Nicht nur sie, auch der Architekt Marc Oei zeigte sich von den anspruchsvollen musikalischen Darbietungen der Ebelu-Schüler beeindruckt. Oei räumte ein, bei dem Neubau mit seinen acht Klassenzimmern dominierten Funktionalität und Zweckmäßigkeit. Er betonte aber auch: „Das ist keine Containerschule.“ Die Baugenehmigung sei zwar nur auf sieben Jahre limitiert. „Wir hoffen aber, dass das Gebäude auch länger genutzt werden kann.“ Das Hörsaalprovisorium der Uni Stuttgart werde auch seit mehr als 50 Jahren genutzt.

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