Jeder fünfte Schüler wird von den Eltern zur Schule gefahren. Mit dem Landesprogramm Mover sollen Kinder motiviert werden, selbstständig und sicher zur Schule zu gehen.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Hoher Besuch in der Wilhelmsschule Untertürkheim: Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Kultusministerin Theresa Schopper und Innenstaatssekretär Wilfried Klenk machten sich vor Beginn der ersten Unterrichtsstunde ein Bild von der Verkehrssituation rund um die Grundschule. Erst- bis Viertklässler bummelten in der Dunkelheit in die Klassenräume, in sogenannten Laufbussen brachten Eltern einen Pulk mit mehreren Schülern vom Wallmer- und Lindenschulgebiet, etliche Eltern kutschierten ihre Zöglinge mit dem Auto direkt vors Schultor – auch wenn sie bei der An- oder Weiterfahrt jene Kinder gefährden, die die Fahrbahn queren müssen. „Jedes fünfte Grundschulkind wird in unserem Land mit dem Privatauto zur Schule gebracht“, berichtete Hermann. „Diesen Anteil wollen wir drosseln. Wir wollen Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, dass sie ihren Schulweg selbstständig und sicher zurücklegen“, gab der Minister als Ziel aus.

Vorbildliche Elternarbeit in der Wilhelmsschule

Erreicht werden soll dies mit dem Landesprogramm „Movers – Aktiv zur Schule“, das das Verkehrs-, Kultus- und Innenministerium gemeinsam aufgelegt hat. 1,2 Millionen Euro steckt das Land in die Kampagne, die die drei Ministeriumsvertreter am Dienstag im Beisein der Klasse 4 A starteten. Die Wilhelmsschule wurde ausgewählt, weil die Eltern sich in vorbildlicherweise zum Beispiel mit Verkehrslotsen im Bereich der Schulmobilität engagieren.

Eigene Schulwegpläne aufstellen

Movers soll landesweit den Schulen eine individuelle Vor-Ort-Beratung bieten. „Dazu bilden wir gerade lokale Beraterinnen und Berater aus“, sagte Sandra Holte von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, die das Landesprogramm koordiniert. „Die Unterstützung für die Schulen wird professioneller. Wir müssen gemeinsam alles tun, dass der Schulweg unserer Kinder noch sicherer wird“, appellierte Klenk. So soll jede Schule mithilfe der Berater eigene Schulwegpläne erstellen. Außerdem sollen Fahrrad-Pools und sichere Abstellanlagen an den Schulen aufgestellt werden. Ein zentraler Punkt, das zeigte sich in den Gesprächen der Politiker mit den Schülern, Lehrern und Eltern, ist aber der Wunsch nach Infrastrukturmaßnahmen im Straßenverkehr.

Tempo-10 vor der Wilhelmsschule?

Auf selbstgemalten Bildern hatten die Viertklässler die Gefahrenmomente auf ihrem täglichen Weg dokumentiert. Lara muss jeden Morgen von Luginsland in den Untertürkheimer Ortskern gehen. „Dabei überquere ich viele Straßen, habe aber nur eine Ampel. Ich fühle mich dabei oft nicht wohl“, erzählte die Viertklässlerin dem Verkehrsminister. Auch Hadi hat seinen Schulweg von der Gehrenwald- bis zur Oberstdorfer Straße mit allen Kreuzungen aufgezeichnet. Fast minutiös schilderte er seine Strecke. „An einer Ampel kommen wir nur bis zur Fahrbahnmitte und müssen dort warten. Das ist unangenehm. Wir brauchen zudem einen Zebrastreifen vor der Schule“, bat er den Minister. Hermann wie auch seine Ministerkollegin Schopper zeigten Verständnis für die Sorgen der jungen Fußgänger. Er könne sich vorstellen, dass auf einem 200 bis 300 Meter langen Abschnitt vor der Wilhelmsschule eine Tempo-10- oder Tempo 20-Zone eingeführt und über einen Zebrastreifen nachgedacht werde. „Denn es ist wichtig, dass die Kinder Erfahrung sammeln, mit Freunden zur Schule oder nach Hause gehen, ratschen oder Schneebälle werfen. Sie werden selbstbewusster im Verkehr, bewegen sich und es fördert die gesunde körperliche und geistige Entwicklung“, sagte Schopper.