Schule mit langer Mängelliste Im Klassenzimmer klafft ein riesiges Loch

Die Erstklässer haben seit Fasching dieses Loch in der Wand ihres Klassenzimmers. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Mängelliste der Böblinger Eichendorffschule ist lang. Und Schulleiter Alexander Groß zunehmend ratlos. Wie soll er das verantworten?

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Alexander Groß, Schulleiter der Eichendorffschule in Böblingen, wirkt frustriert. Das Dach der Sporthalle ist undicht, im Klassenzimmer der Erstklässler klafft ein Loch in der Wand, im Büro des Konrektors gibt es einen Wasserschaden, die Fassade des Schulhauses bröckelt – und die Liste der Mängel ließe sich noch weiter fortsetzen. Bei einer Podiumsdiskussion der SV Böblingen hatte Groß seinem Unmut Luft gemacht und vor allem den Zustand der Schulsporthallen in der Stadt kritisiert. Im Namen aller Böblinger Schulen macht er seine Sorge deutlich: Es könnte bald nicht mehr möglich sein, den Lehrplan im Sport zu erfüllen.

 

Bei einem Besuch an seiner Schule führt Groß durch die Gebäude und zeigt die größten Baustellen. Der Blick in die Turnhalle offenbart braune Ränder an den Vorhängen und Flecken an den Wänden. Das sind die Spuren, die eindringendes Wasser hinterlassen hat. Groß zeigt Bilder, wie es direkt nach einem starken Regen aussieht. Dann sammeln sich Pfützen auf dem Boden, die Lehrkräfte stellen Pylonen auf, um sie zu markieren und Eimer, um das herabtropfende Wasser aufzufangen. Vor einigen Woche sei ein Schüler auf einer der nassen Stellen ausgerutscht und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, berichtet Groß. Glücklicherweise habe er sich nicht schwer verletzt. Das undichte Dach beschäftige die Schule sei mehr als 20 Jahren. Zwar werde es immer wieder geflickt, doch bald danach regne es wieder hinein.

Loch in Wand noch bis Pfingsten

Anfang Juli will der Schulleiter die Halle mit Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger und Vertretern aus der Verwaltung sowie der Eltern- und Schülerschaft besichtigen. Sein Wunsch: die Halle abreißen und eine neue bauen. Hoffnung auf eine schnelle Erfüllung dieses Wunsches macht die Stadtverwaltung nicht. Stattdessen zählt sie auf, was an der Halle schon gemacht wurde. Schriftlich teilt sie aber auch mit: Natürlich könne ein erneuter Wassereintritt bei Starkregen nicht ausgeschlossen werden.

„Für mich ist das schon eine ganz schlimme Situation“, sagt Schulleiter Groß. Der 50-Jährige leitet seit 2011 die Eichendorffschule, die von rund 420 Kindern und Jugendlichen besucht wird und mehr als 60 Jahre alt ist. Seit acht Jahren ist Groß außerdem geschäftsführender Schulleiter der Böblinger Grund- Werkreal-, Realschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Ihn stört vor allem die Ungewissheit, wann Schäden behoben werden, das damit verbundene Gefühl von Hilflosigkeit. Er sei wie Don Quichotte in seinem aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen.

Der Schaden ist lange bekannt

Ein Beispiel: das Loch im Klassenraum der Erstklässler. Anfang des neuen Schuljahres habe er der Stadtverwaltung gemeldet, dass es aus der Wand tropft. In den Faschingsferien sei dann eine Firma gekommen, die jedoch nur Teile des Rohrs ausgetauscht habe. Mit dem Ergebnis: „Das Wasser kam an einer anderen Stelle raus und das Rohr musste während des laufenden Schulbetriebs noch mal repariert werden.“ Jetzt ist das Rohr zwar dicht, das Loch in der Wand aber auch nach mehr als zwei Monaten noch da. Damit sich keines der Kinder daran verletzt, schieben die Lehrkräfte immer ein Brett und eine Bank davor, sagt Groß. Wann das Loch zugemacht wird, weiß Groß nicht. Die Stadt teilt auf Nachfrage mit: In den Pfingstferien soll es zumindest so verschlossen werden, dass es die Kinder nicht mehr einschränkt. Man habe es für weitere Untersuchungen offen gelassen, „da aufgrund des Zustands der Leitungssysteme weitere Wasserschäden vorkommen können“.

Groß fordert Verbindlichkeit

Wäre da nicht eine Kernsanierung sinnvoll? Genau das sei ihm signalisiert worden, sagt Groß. 2023 hätte ein Planungsbüro kommen und die Sanierung 2025/2026 beginnen sollen. Das Büro sei jedoch bislang nicht aufgetaucht. „Das wird immer wieder verschoben.“ Er könne den Zustand von Schulgebäude und Halle kaum mehr vor Eltern, Schülern und Lehrern verantworten. „Mir gehen langsam die Argumente aus.“

Schulleiter Alexander Groß /Stefanie Schlecht

Die Stadt steht vor einem strukturellen Problem, teilt ihr Sprecher Fabian Strauch mit. „Wir haben einen veralteten Gebäudebestand mit erheblichem Sanierungsstau, der viel Aufmerksamkeit erfordert.“ Man habe in der AG Schulhaussanierung, in der geschäftsführende Schulleiter, Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte vertreten sind, Prioritäten setzen müssen – und etwa Brandschutzmaßnahmen vorgezogen.

Auch das Vertrauen bröckelt

Trotz seiner offensichtlichen Verzweiflung schimpft Groß nicht pauschal auf die Stadtverwaltung. Grundsätzlich halte er den von Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) auf den Weg gebrachten Schulhaussanierungsplan und die Einrichtung der AG Schulhaussanierung für sinnvoll. Aber: Das, was in Aussicht gestellt wird, werde nicht zuverlässig umgesetzt. Bis Mängel behoben werden, dauere es zu lang. „Das Vertrauen, das dem Gebäudemanagement entgegengebracht wurde, bröckelt“, sagt Groß. Außerdem kritisiert er, dass die AG Schulhaussanierung sich nur um die Schulgebäude und nicht um die Schulsporthallen kümmere.

Seine zentrale Erwartung an die Stadtverwaltung: mehr Verlässlichkeit – bedeutet, „verbindliche Aussagen mit konkreten Terminen zu bekommen“.

Pausenhof der Eichendorffschule könnte demnächst saniert werden

Neugestaltung Schulhof Eichendorffschule
Die Spielgeräte auf dem Grundschulpausenhof der Eichendorffschule sind in sehr schlechtem Zustand, auch der Schulhof ist sanierungsbedürftig. So steht es in einer Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung. Schulleiter Alexander Groß hatte sich ebenfalls darüber beschwert und sich gefragt, wann es in diesem Punkt vorangeht – zumal seine Grundschule eine mit Bewegungsschwerpunkt ist. Jetzt könnte Schwung in die Sache kommen. Denn auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Technischen Ausschusses steht die Schulhofneugestaltung der Eichendorff-Grundschule, 2026 könnte er fertig sein.

Sporthalle Mörike-Schule
Zuletzt war die Sporthalle an der Eduard-Mörike-Schule in den Schlagzeilen. Sie ist nicht nur marode, sondern wurde auch noch von Mäusen heimgesucht, die ihren Kot hinterließen. Julia Metzger, Leiterin des Kindersports bei der SV Böblingen, hatte bei der Podiumsdiskussion von Übungsleitern berichtet, die wegen gesundheitlicher Bedenken mit den Kleinen nicht mehr in den Hallen trainieren wollten. Ihre Forderung: „Es hilft nicht, den Mäusekot zu beseitigen. Da muss man an die Ursachen ran.“

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