Schule platzt aus allen Nähten Stadträte ignorieren neue Idee des Oberbürgermeisters

Nicht geeignet als Standort für provisorische Klassenräume? Das Parkdeck des Kepler-Gymnasiums in Leonberg. Foto: Simon Granville

Im Leonberger Kepler-Gymnasium ist es viel zu eng. Doch ein von OB Cohn vorgeschlagener räumlicher Ringtausch spielt im Ausschuss vorerst keine Rolle.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Noch am Donnerstagnachmittag hatte der Leonberger Oberbürgermeister mit einer neuen Idee für Aufsehen gesorgt. Um die Platzprobleme im Johannes-Kepler-Gymnasium (JKG) zu lösen, so ließ Martin Georg Cohn unsere Zeitung wissen, könnte die benachbarte Stadtbibliothek ins Leo-Center ziehen. Die aus allen Nähten platzende Schule hätte so die Möglichkeit, sich direkt im dann frei werdenden Nebengebäude zu erweitern. Extrem teure Container-Provisorien seien nicht mehr nötig. Und im leer stehenden Karstadt-Untergeschoss wäre dann neben dem Bürgeramt, das der OB dort gerne ansiedeln würde, eine weitere publikumswirksame Einrichtung der Stadt.

 

Doch nur wenige Stunden später machten die Stadträte im zuständigen Sozialausschuss den Weg erst einmal frei für die vom OB nicht präferierte teure Lösung: den Kauf von vier provisorischen Unterrichtsräumen in Form von Containern. Die kosten zwar mehr als 1,3 Millionen Euro, sind damit aber unter dem Strich günstiger, als würde die Stadt die Module für knapp 1,6 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren mieten. Das wäre die Alternative zum Kauf.

Eine sehr teure Alternative, wie Horst Nebenführ in der Sitzung anmerkte. „Ein erschreckender Preis“, befand der FDP-Fraktionsvorsitzende und mahnte ein übergreifendes Raumkonzept für alle städtischen Schulen an. Schließlich kehre im kommenden Schuljahr G 9 an die Gymnasien zurück. Einzellösungen hülfen da nicht weiter.

Die Leonberger Stadtbibliothek könnte bei den Platzproblemen im benachbarten Gymnasium hilfreich sein Foto: Simon Granville

Ähnlich sah es Claudia Nowack von den Freien Wählern: „Der Trend bei den Schülerzahlen wird nach oben gehen.“ Elviera Schüller-Tietze (SPD) und Frank Albrecht (SALZ) bemängelten zudem, dass die Module auf dem Parkdeck der Schule aufgestellt würden und so Stellplätze wegfielen. Außerdem sei der Parkplatz in einem schlechten Zustand. Wenn die Container sein müssten, dann sollte die Stadt sie kaufen, meinte Miriam Schneider (CDU). Das sei viel günstiger.

Die Meinung unterstützte auch der Baubürgermeister Klaus Brenner. Neben dem Preis habe die Stadt beim Kauf die Möglichkeit, die Module bei anderen Sanierungen nutzen zu können. Und die werde es bestimmt geben. Dass für den Raumbedarf an den Schulen ein Gesamtkonzept nötig ist, sehe auch die Stadt so, sagte Brenner. „Davon unabhängig brauchen wir die Container, um kurzfristig zu helfen.“ Ob diese auf den Parkplatz kämen, sei offen. Unter dieser Prämisse stimmte der Ausschuss dem Kauf zu. Der vom OB vorgeschlagene Ringtausch – JKG in die Stadtbibliothek und diese ins Leo-Center – wurde nicht diskutiert.

Die endgültige Entscheidung trifft am Dienstag der Gemeinderat. Insofern ist nicht auszuschließen, dass Cohns Umzugsvariante doch noch diskutiert wird. Denn auch derjenige, der es wahrscheinlich am besten beurteilen kann, hegt Sympathien für die Bücherei-Variante. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat der JKG-Schulleiter Roman Peters hervorgehoben, dass beide Gebäude unmittelbar aneinander grenzen und sogar einen Durchgang haben.

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