Schulen im Kreis Ludwigsburg Run auf die Gemeinschaftsschulen lässt nach

Von Julian Illi 

Laut den vorläufigen Zahlen haben für das kommende Schuljahr deutlich weniger Eltern ihre Kinder an dem neuen Schultyp angemeldet als zuletzt. Die Nachfrage an den Gymnasien bleibt dagegen hoch – vor allem Standorte mit G9 sind gefragt.

Die Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen ist mit rund 400 Kindern eine der größten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Foto: factum/Bach
Die Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen ist mit rund 400 Kindern eine der größten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Foto: factum/Bach

Kreis Ludwigsburg - Sandra Vöhringer ist erleichtert, auch wenn die Entwicklung eigentlich gegen ihre Schule spricht. Nach aktuellem Stand wollen von Herbst an 82 Kinder die Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen besuchen, im vergangenen Jahr waren es noch mehr als 100 gewesen. Während damals fünf Eingangsklassen gebildet wurden, sind es diesmal nur vier. „Für uns ist das aber eher eine Entspannung“, sagt Vöhringer – gerade was die Räume angeht. Doch die Schulleiterin lässt durchblicken, dass sie dem Rückgang keineswegs nur Gutes abgewinnt: „Die Situation kann einen nicht zufriedenstellen.“ Dabei ist ihre Schule keineswegs allein.

Die Statistiken, die dazu beim staatlichen Schulamt und dem Regierungspräsidium Stuttgart auf den Schreibtischen liegen, sind nur vorläufig. Ebenso weisen alle Verantwortlichen ausgiebig darauf hin, dass sich bis zum Start des Schuljahres im September noch einiges verschieben kann. Doch die Tendenz ist klar: Der Run auf die Gemeinschaftsschule ist (vorerst) vorbei. Gibt es kreisweit derzeit mehr als 900 Fünftklässler in diesen Schulen, werden es von September an nach derzeitigem Stand fast ein Drittel weniger sein: nur etwa 650. Zwar gibt es einzelne Standorte mit steigenden Schülerzahlen, vielerorts gehen die Anmeldung aber deutlich zurück.

Die Anmeldezahlen bei den meisten Gemeinschaftsschulen gehen zurück

Ein weiteres Beispiel ist die Freiberger Oscar-Paret-Schule (OPS). Im laufenden Jahr gehen dort mehr als 100 Kinder in die fünften Klassen der Gemeinschaftsschule, für den Herbst gibt es aber nur 41 Anmeldungen. Der Leiter des zuständigen Fachbereichs im Rathaus, Bernhard Joos, führt das vor allem auf die neuen Standorte zurück, die in den vergangenen Jahren hinzugekommen seien. Zum Start der Gemeinschaftsschule seien viele Schüler von weiter entfernten Kommunen gekommen, nun gebe es einfach mehr dieser Schulen: „Früher waren wir die einzigen in der Umgebung.“ Ein Problem sieht Joos in dem Rückgang aber nicht – im Gegenteil. So würde eine Schülerlenkung, wie sie das Regierungspräsidium Stuttgart im Winter noch geplant hatte, nicht nötig. Das RP hatte angedacht, nur noch Schüler aus Freiberg und nächster Umgebung an der OPS zuzulassen. „Das hat sich jetzt normal geregelt“, sagt Joos.

Für Sandra Vöhringer hat der Rückgang einen anderen Grund: Die Landtagswahl vor wenigen Wochen. Viele Eltern seien im Wahlkampf erheblich verunsichert worden: Wie geht es mit der Gemeinschaftschule weiter? Geht es überhaupt weiter? Angesichts dieser Verunsicherung hätten die Eltern ihre Kindern eben an anderen Schulen angemeldet. „Die Wahl hat voll zu Buche geschlagen“, meint Vöhringer.

Viele neue Standorte sind in den vergangenen Jahren dazugekommen

Daher sei es notwendig, dass die Politik nun für Klarheit sorge. Auch die Frage, welche Gemeinschaftsschulen im Land eine gymnasiale Oberstufe bekommen würden, müsse geklärt werden. Trotz allem sei der aktuelle Rückgang für ihre Schule „nicht dramatisch.“ Sie rechnet auch damit, dass in den kommenden Wochen weitere Anmeldungen bei den Gemeinschaftsschulen eintrudeln.

Ganz anders dagegen die Situation an den Gymnasien im Kreis: Auch hier liegen die endgültigen Anmeldezahlen zwar noch nicht vor, diese will das Kultusministerium erst Mitte Mai bekannt geben. Die vorläufige Statistik lässt aber schon jetzt erahnen, dass kaum weniger Schüler im kommenden Schuljahr die 18 Standorte besuchen werden. 2000 Kinder waren es im Schuljahr 2015/2016, etwa so viele werden es im Herbst sein. Besonders gefragt sind dabei Schulen, die einen G9-Zug anbieten, an denen das Abitur also wie vor der Bildungsreform in 13 Jahren abgelegt werden kann.

Eine dieser Schulen ist das Ludwigsburger Mörike-Gymnasium. Dort haben sich nach derzeitigem Stand 216 Kinder angemeldet. Bei einem Klassenteiler von 30 Schülern entspricht das sieben Zügen – einem mehr als im vergangenen Jahr.

Gymnasien mit G9-Zügen werden förmlich überrannt

Man habe aber nicht nur eine siebte Eingangsklasse gebildet, sagt Werner Fechter, der stellvertretende Leiter des Mörike, „wir mussten auch Anmeldungen absagen“. Für Fechter sind die Gründe, warum seine Schule förmlich überrannt wird, vielfältig. Die Eltern würden das Kunstprofil schätzen, auch das „MG plus“ genannte Angebot mit Tutorien und Extra-Kursen komme gut an. Der Hauptgrund sei aber klar: Das G9-Angebot. Sechs der sieben neuen Klassen würden das Extra-Jahr bieten.

Für das Mörike hat die gestiegene Beliebtheit aber nicht nur gute Seiten. Die höheren Schülerzahlen bedeuteten auch einen größeren Aufwand, gerade in der Verwaltung, sagt Werner Fechter. Auch räumlich sei das eine Herausforderung: „Stand jetzt kommen wir aber noch über die Runden.“ Künftig könne es aber eng werden.

Ähnlich dürfte es auch am Schiller-Gymnasium in Marbach aussehen: Auch dort wird G9 angeboten, auch dort wird die Zahl der Schüler im Herbst stark steigen. 308 Kindern wollen im kommenden Jahr auf die Schule – ein Rekordwert im Kreis.




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