Kein heimliches Surfen mehr unter dem Tisch, keine Whatsapp, die während des Unterrichts ablenken, und schon gar kein störendes Klingeln mehr während Mathe – Schüler in Großbritannien sollen künftig keine Handys mehr in die Schule bringen dürfen. Die dortige konservative Regierung kündigte ein flächendeckendes Verbot an, um Ablenkungen, Störungen und Mobbing zu verhindern. Ein Vorstoß, der auch hierzulande für Aufregung und Diskussionen sorgt: So forderte auch die CDU in einem Positionspapier zur Bildung kürzlich schon Maßnahmen, „um eine private Handynutzung im Unterricht auszuschließen“.
Mit dem Handyverbot wäre der Schulfriede in Gefahr
Für Armin Dunz keine vorstellbare Entwicklung. Der stellvertretende Schulleiter am Gustav-Stresemann-Gymnasium (GSG) in Fellbach ist gegen ein vollständiges Handyverbot – zum einen wegen der rechtlichen Umsetzbarkeit, aber vor allem auch wegen des Nutzens. „Das wäre mit Sicherheit nur schwer mit dem Schulfrieden vereinbar und auch aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres einführbar. Und wo zieht man da dann die Grenze? Dann müsste man auch die Fitnessarmbänder verbieten, das funktioniert alles nicht“, sagt Armin Dunz und appelliert stattdessen an einen vernünftigen Umgang mit dem Smartphone. So müssen am GSG die Handys ausgeschaltet in der Tasche bleiben und dürfen erst in der Mittagspause genutzt werden. „Natürlich gibt es da mal Ausreißer, aber im Wesentlichen funktioniert es“, sagt Dunz.
Klagen über Handys: Heimliche Fotos von Mitschülern, Mobbingnachrichten
Heimliche Fotos von Mitschülern, Mobbingnachrichten auf dem Pausenhof: Klagen über die Nutzung von Smartphones in Schulen gibt es viele und schon lange. Genau da setzen die Überlegungen von Sabine Hagenmüller-Gehring, der Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang, an. „Handys gehören heute zu unserem Alltag dazu, sie sind Teil der Digitalisierung. Unsere Gesellschaft und damit eben auch unsere Kinder müssen lernen, mit dem Handy umzugehen. Diese Medienbildung ist Auftrag der Schule.“ Da gehöre auch das Thema Missbrauch mit Handys dazu. Schüler müssten darüber sprechen können und die Möglichkeiten haben, zu begreifen, wo Grenzen sind. Schule spiele dabei eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund spricht sich die Amtsleiterin gegen ein Handyverbot aus. „Nach gültiger Rechtslage kann das Mitbringen nicht verboten werden. Die Schule bestimmt aber die Regeln“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring.
So wird es auch an der Staufer-Gemeinschaftsschule Waiblingen praktiziert. „Wer das Schulhaus betritt, muss das Smartphone auf Flugmodus in der Schultasche haben. Das funktioniert in der Regel, wir mussten aber schon nachjustieren, wenn sich etwas geändert hat. Ein striktes Verbot bringt nichts“, sagt Schulleiterin Eva Neundorfer. Das Thema Mobbing werde in Projekttagen aufgegriffen.
Sensibilisiert werden muss nach Meinung von Michael Stoeß auch für das Thema Smartwatches und Fitnessbänder. „Die haben ähnliche Leistungen wie ein Handy und werden weniger oft erwähnt. Problemlos kann man auch damit Ton- oder Bildaufzeichnungen im Unterricht machen“, sagt der Verantwortliche der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für den Rems-Murr-Kreis. Trotzdem spricht sich die GEW auf Nachfrage klar gegen ein generelles Handyverbot aus und setzt stattdessen auf mehr Qualifizierungsangebote für die Betroffenen. „Wir können nicht Dinge, die unseren Alltag prägen, durch Verbote aus den Schulen verbannen.“ Aber es seien Fälle bekannt, wo bereits in der Grundschule Eltern ihre Kinder den Tag über orten lassen – ein großes Problem für die Schulen im Kreis.
Felix Maier könnte sich ein komplettes Verbot vorstellen
Für ein Handyverbot, wie es in Großbritannien kommen soll, ist dagegen Felix Maier aus der Geschäftsführung der Freien Waldorfschule Engelberg in Winterbach. „Ich persönlich würde das begrüßen, doch wir verfolgen das Ziel momentan nicht. Ein wichtiges Pro-Argument der Eltern ist die teilweise lange Anfahrt.“ Dennoch hat die Einrichtung je nach Klasse klare und strenge Handyregeln. „Aktuell diskutieren wir ein Verbot von Geräten wie Smartwatches, mit denen Eltern quasi live im Unterricht dabei sein können. Die Technik empfinden wir als sehr störend“, sagt Maier.
Auch wenn ein Verbot rechtlich und faktisch nicht durchführbar sei, müsse unbedingt verhindert werden, dass Schüler während des Unterrichts abgelenkt sind, sagt Karin Fetzner, stellvertretende Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg. „Aber natürlich kann das Gerät auch mal im Unterricht Verwendung finden.“