Schulen im Rems-Murr-Kreis Von Normalität noch weit entfernt

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Am 4. Mai öffnen die Schulen unter strengen Auflagen für die Abschlussklassen. Alle anderen Schüler müssen seit dem Ende der Osterferien wieder von zu Hause aus lernen. Wie gehen die Schulen im Kreis damit um?

Die Schnaiter Grundschullehrerin Eva Schlesinger bringt einem ihrer Schüler persönlich ein Leseheft vorbei. Foto: Gottfried Stoppel
Die Schnaiter Grundschullehrerin Eva Schlesinger bringt einem ihrer Schüler persönlich ein Leseheft vorbei. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Normalerweise kommen die Schülerinnen und Schüler natürlich zu Eva Schlesinger in die Schule. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie kommt die Grundschullehrerin zu den Kindern nach Hause: zumindest bis zum Briefkasten. Eva Schlesinger ist an diesem Mittwochmittag in Weinstadt-Schnait unterwegs und bringt einigen Drittklässlern Lesehefte vorbei. Denn die Hoffnung auf eine Öffnung der Schulen nach den Osterferien hat sich nicht erfüllt. Deshalb habe man sich hier ein neues Konzept überlegt, sagt Peter Carle, der Rektor der Grundschule Schnait: Die Kinder sollen ihre Aufgaben nun jeweils bis zu einem festen Termin in einem Karton vor der Schule ablegen. Die Lehrer korrigieren die Übungen dann und werfen die Korrekturen sowie neues Arbeitsmaterial in die Briefkästen ihrer Schüler. „Der feste Abgabetermin entlastet auch die Eltern“, sagt Carle.

Salier-Gemeinschaftsschule: Jeder tut sein Bestes

Dass es noch immer keinen genauen Zeitplan für die Wiedereröffnung der Grundschulen gebe, habe zu einiger Enttäuschung geführt – auch bei den Kindern. „Es geht ja auch um den sozialen Aspekt, da bricht gewaltig was weg“, so der Rektor. Schon jetzt sei klar, dass es viel aufzufangen gebe, wenn die Schule wieder öffnet – insbesondere bei den Jungen und Mädchen, die zu Hause nicht so viel Unterstützung von den Eltern erfahren. Trotzdem: „Alle Seiten geben sich unheimlich Mühe, dass es funktioniert“, sagt Carle anerkennend.

Ähnlich sieht das auch Andreas Grom, der stellvertretende Schulleiter der Salier-Gemeinschaftsschule in Waiblingen. „Ich bin sehr überrascht, wie gut es doch funktioniert, weil alle wissen, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden. Jeder tut sein Bestes“, sagt er. Man versuche, möglichst nahe an den Schülern zu bleiben und arbeite eng mit den Eltern zusammen. Unterrichtsmaterialien gibt es über eine Lernplattform auf der Schulhomepage, sie können aber auch zu bestimmten Zeiten vor der Schule abgeholt werden – „natürlich mit dem notwendigen Abstand“, sagt Grom. Inzwischen bereite man die Rückkehr der Abschlussklassen am 4. Mai vor – unter anderem mit dem Meterstab, um den vorgeschriebenen Abstand zwischen den Tischen einzuhalten.

Schulamt: Schwierigkeiten im Detail

„Die Schwierigkeiten liegen im Detail“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring, die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Backnang. Wie können die Abstandsregeln und Vorgaben zu kleineren Lerngruppen eingehalten werden, obwohl der Platz im Schulhaus begrenzt ist und Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, nicht unterrichten sollen? „Ich bin sicher, dass man auf gute Lösungen kommt“, zeigt sich die Schulamtsleiterin zuversichtlich. Dennoch: Das Bewusstsein, dass es bis zur Normalität noch ein weiter Weg ist und es bis dahin neue Konzepte braucht, habe viel Druck ausgeübt.

Dass die Unsicherheit bei Schulleitungen und Lehrkräften entsprechend groß sei, zeigten viele Mails und Anrufe, die nach den Osterferien im Schulamt eingegangen seien, berichtet Hagenmüller-Gehring. So seien viele Lehrer unsicher, wie sie mit der Selbstauskunft über ihren Gesundheitszustand umgehen sollen. „Manche wollen gesundheitliche Probleme nicht angeben“, sagt die Schulamtsleiterin. In solchen Fällen empfiehlt sie den Betroffenen, sich mit ihrem Arzt zu beraten. „Ich rate dazu, den Gesundheitsschutz immer an erste Stelle zu setzen.“

Albertwille-Realschule: Lernen über die Cloud

Sven Kubick, der Schulleiter der Albertville-Realschule in Winnenden, rechnet mit wenigen Kollegen, die zur Risikogruppe gehören. „Wir haben ein relativ junges Kollegium“, sagt er. Trotzdem geht er davon aus, dass an Masken in den Klassen kein Weg vorbeiführt. Wie an anderen Schulen auch, wurde die Notbetreuung bereits ausgeweitet, als nächstes kommen die Klassen 9 und 10 ins Schulgebäude zurück. Schon Mitte Mai sind die Prüfungen. Alle anderen lernen weiterhin von zuhause aus über ein Cloudsystem – inzwischen aber verstärkt nach Stundenplan. „Das bringt mehr Struktur in den Alltag. Während der entsprechenden Stunde ist dann auch der Lehrer im Chat erreichbar“, erklärt Kubick. Trotzdem sei das nicht vergleichbar mit normalem Unterricht. „Wir hoffen, dass wir die Schüler vielleicht doch noch in diesem Schuljahr sehen.“

Max-Born-Gymnasium: Fokus auf dem Abitur

Am Max-Born-Gymnasium in Backnang liegt der Fokus momentan auf den Abiturprüfungen. „Da wünschen wir uns allerdings noch einige Präzisierungen der Vorgaben – zum Beispiel bei der Frage, wie viele Schüler in einem großen Raum wie etwa der Turnhalle sein dürfen“, sagt die Schulleiterin Sonja Conrad. Während für die Jahrgangsstufen I und II bald wieder der Unterricht unter Auflagen beginnt, müssen die übrigen Gymnasiasten zu Hause weiter lernen. Das ist für einige, die keinen eigenen PC haben, besonders schwierig. „Deshalb haben wir für diese Schüler 70 I-pads eingerichtet und fragen derzeit ab, ob noch weiterer Bedarf besteht“, erzählt Conrad.

Manche Jungen und Mädchen werden über den Fernunterricht allerdings gar nicht erreicht – damit sie nicht weiter abgehängt werden, hat das Kultusministerium die Schulen dazu aufgefordert, entsprechende Präsenzangebote für alle Jahrgangsstufen anzubieten. Für sie werde ein eigener Plan erstellt, erklärt die Schulleiterin. Insgesamt halte die Schulgemeinschaft gut zusammen – „alle ziehen an einem Strang“, sagt Conrad.




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