Schulen in Baden-Württemberg FDP fordert mehr Hilfe für schwangere Lehrerinnen
Wegen Corona können in Baden-Württemberg viele schwangere Lehrerinnen keinen Präsenzunterricht erteilen. Ihnen will die Landtags-FDP mit Lehrassistenten helfen.
Wegen Corona können in Baden-Württemberg viele schwangere Lehrerinnen keinen Präsenzunterricht erteilen. Ihnen will die Landtags-FDP mit Lehrassistenten helfen.
Stuttgart - Die FDP-Landtagsfraktion ist besorgt, dass es in diesem Schuljahr zu Unterrichtsausfällen kommen kann, weil viele schwangere Lehrerinnen ein von ihren Ärzten verhängtes Beschäftigungsverbot beachten müssen. Das hat das Kultusministerium den Liberalen in der Antwort auf eine Anfrage des FDP-Bildungspolitikers Timm Kern bestätigt, die unserer Zeitung vorliegt.
Verstärkt werde die Sorge der FDP dadurch, dass bei den Haushaltsberatungen für den Etat 2022 zusätzliche Krankheitsvertretungen nicht genehmigt worden sind, erklärt Kern. Dabei hat das Kultusministerium im neuen Schuljahr die Vorgaben gelockert, damit Schwangere unter bestimmten Bedingungen eher Präsenzunterricht erteilen können, als es im vorigen Schuljahr der Fall gewesen ist. In einer ersten Zwischenanalyse habe sich jedoch gezeigt, so das Ministerium in seinem Brief an die Landtags-FDP, „dass unabhängig von der Regelung zum Präsenzunterricht in vielen Fällen ein vollständiges ärztliches Beschäftigungsverbot für schwangere Lehrkräfte ausgesprochen wurde“.
Kern und die FDP setzen sich deshalb dafür ein, ein Assistenzmodell für Lehrer, die keinen Präsenzunterricht erteilen können, fortzusetzen, das im Vorjahr auf den Weg gebracht worden ist. Dabei wurden Lehrassistenten befristet eingestellt, um die wegen gesundheitlicher Risiken oder Schwangerschaft nicht in Präsenz unterrichtenden Lehrkräfte vor Ort im Klassenzimmer zu unterstützen. Laut der Antwort des Kultusministeriums ist eine solche Nicht-Präsenz-Partnerschaft im abgelaufenen Schuljahr für mehr als ein Drittel der betroffenen Unterrichtsstunden gelungen. Dass das nicht häufiger zustande kam, führt Kern auch auf den Fachkräftemangel im Land zurück. „Aus der Schulpraxis erreicht uns der Wunsch, dieses Partnerschaftsformat fortzusetzen – auch in die jetzige Präsenzphase an den Schulen hinein“, erklärt Kern.
Im Juli 2020 waren laut Kultusministerium 9500 Lehrkräfte nicht im Präsenzunterricht eingesetzt, im Oktober 2020 seien es 3000 gewesen. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Allerdings werden Lehrkräfte mit gesundheitlichen Vorbelastungen im neuen Schuljahr wegen Corona viel seltener von der Präsenzpflicht befreit als vor den Ferien.
„Die Herausforderung, dass etwa schwangere Lehrerinnen zum Schutz des Ungeborenen regelmäßig nicht in Präsenz unterrichten können und dürfen, bleiben weiterhin bestehen“, erklärt Timm Kern. Er klagt, dass dem Kultusministerium die Übersicht über die Nachfrage nach solchen Nicht-Präsenz-Partnern fehle und nennt es „bedrückend“, dass die grün-schwarze Koalition die von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) beantragten 105 zusätzlichen Stellen für die Krankheitsreserve im Haushalt bisher nicht genehmigt hat.
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