Schulen in S-Vaihingen und S-Möhringen Die meisten wollen aufs Gymnasium

Der Bildungsplan fürs Gymnasium gibt ein gewisses Tempo vor. Nicht alle Schüler können dem folgen. Foto: AP
Der Bildungsplan fürs Gymnasium gibt ein gewisses Tempo vor. Nicht alle Schüler können dem folgen. Foto: AP

Die Fünftklässler haben die erste Woche an ihren jeweils neuen Schulen hinter sich gebracht. Die meisten Mädchen und Jungen haben sich fürs Gymnasium entschieden. Aber auch die anderen Schularten sind gefragt.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Filder - Die meisten streben das Abitur an. Andrea Funke-Fuchs, die Rektorin des Königin-Charlotte-Gymnasiums (KCG) in Möhringen, hatte 110 Anmeldungen. Eine Zahl, die rekordverdächtig ist. Damit gibt es im KCG in diesem Schuljahr vier fünfte Klassen. „Und das sind keine kleinen Klassen“, betont Funke-Fuchs. Dennoch habe ihre Schule niemandem eine Absage erteilt. „Denn wir wussten, dass das Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasium und das Sillenbucher Wilhelmsgymnasium Schüler abweisen“, so die Rektorin. Die hohen Anmeldezahlen haben also mehrere Gründe. „Natürlich sind wir eine klasse Schule und haben viel zu bieten, aber es gibt auch noch andere Faktoren“, räumt Funke-Fuchs ein. Neben den Abweisungen an anderen Schulen sei da vor allem die aktuell sehr hohe Zahl an Grundschülern auf der Filderebene zu nennen.

Ob jeder der neuen KCGler am Ende seiner Schulzeit tatsächlich die Hochschulreife in der Tasche hat, bleibt offen. „Wir haben keinesfalls eine homogene Schülerschaft in den fünften Klassen“, sagte Funke-Fuchs. Die Lehrer würden sehr schnell merken, wer tatsächlich fürs Gymnasium geeignet sei und wer nicht. „Wir melden das an die Familien zurück, denn wir wollen die Kinder nicht quälen. Wir überlegen gemeinsam mit den Eltern, ob nicht eine andere Schulart für das jeweilige Kind die passendere wäre“, so die Rektorin. Der Bildungsplan fürs Gymnasium gebe ein gewisses Tempo vor. „Viele tun sich damit schwer. Aber wir als Gymnasium haben auch nicht den Anspruch, die Schulart für jedes Kind zu sein“, stellt Funke-Fuchs klar.

Das Fanny-Leicht-Gymnasium hat vereinzelt Schüler abgewiesen

Auch der neue Rektor des Hegel-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen spürt den anhaltenden Trend hin zum Abitur. Das Hegel ist mit 109 Mädchen und Jungen in vier fünften Klassen in das neue Schuljahr gestartet. „Das sind in etwa so viele wie im Vorjahr, wir sind stabil unterwegs und damit zufrieden“, sagt Frank Bäuerle.

Das Interesse von Schülern und Lehrern am Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasium ist ebenfalls ungebrochen. Seit dieser Woche besuchen dort 116 Schüler die vier neuen fünften Klassen. Die Schule hat vereinzelt Kinder abgewiesen, nicht aus Kapazitätsgründen, sondern aus Sorge um das Kind, wie der neue Rektor Guntram Haag betont. „Den gesamten Anmeldeprozess habe ich noch nicht begleitet“, sagt er. Was die Aufnahmegespräche in den letzten Ferientagen betreffe, so habe er lediglich in einem von fünf Fällen vom Besuch des Fanny-Leicht-Gymnasiums abgeraten. Und zwar, „weil das aus den Zeugnissen ersichtliche Leistungsvermögen die Fortsetzung erlebten Frusts statt eines erhofften Neubeginns hätte erwarten lassen“, wie der Rektor es formuliert. Er habe die Familie aber auch beraten, Alternativen aufgezeigt und sie schließlich überzeugen können.

Realschule bietet alle Möglichkeiten

96 Mädchen und Jungen wurden an der Robert-Koch-Realschule (RKR) in Vaihingen angemeldet. Die Rektorin Nadia Bescherer-Zeidan musste niemanden abweisen. Sie hat den Eindruck, dass sich die meisten ganz bewusst für die RKR entscheiden. „Wir hören immer wieder, dass die Eltern und Kinder bei uns auf der Internetseite oder bei unserem Tag der offenen Tür waren“, sagt die Rektorin. Das musische Profil spreche viele Familien an. Wer an die RKR kommt, entscheidet sich entweder für die Musikklasse oder für die Kunstklasse. Für die Musikklassenschüler ist das Erlernen eines Instruments und die Teilnahme am Klassenorchester Pflicht. Die Kunstklassenschüler erhalten zusätzlichen Unterricht und eine besondere Förderung im künstlerischen Gestalten.

Neben den neuen Fünftklässlern gehören von diesem Herbst an noch etliche weitere neue Jugendliche der Schulgemeinschaft der RKR an. „Es sind größtenteils Schüler, die vom Gymnasium kommen, aber an eine Realschule gehören, und die wir gut fördern können. Wir freuen uns über jedes Kind“, betont Bescherer-Zeidan. Sie sei eine Realschullehrerin mit Leib und Seele und von dieser Schulart überzeugt: „Wir bieten eine super Sekundarstufe 1 und halten den Schülern damit alle Möglichkeiten offen“, sagt die Rektorin.

Fast 70 neue Schüler an der Pestalozzischule

Auch die Pestalozzischule als Werkrealschule hat stabile Anmeldezahlen. In diesem Schuljahr gibt es dort 24 Fünftklässler. „Wir sind damit sehr zufrieden. Die Anmeldezahlen zeigen uns, dass die Werkrealschule nach wie vor gebraucht wird und bei den Eltern anerkannt ist“, sagt die neue Rektorin Silke Plaas. Zudem lasse sich mit einer solchen Klassengröße gut arbeiten.

Erstaunlich ist, dass die Pestalozzischule jenseits der Fünftklässler 45 neue Schüler aufgenommen hat. Das sind zum Teil Flüchtlingskinder, zum Teil Schüler, die zuvor auf einer anderen Schule waren. Damit gibt es an der Pestalozzischule nun einen Aufnahmestopp. „Wir kommen an unsere Kapazitätsgrenzen. Es gibt zwar genügend Klassenzimmer, aber die Räume sind für große Klassen zu klein und die Klassengrößen müssen ja auch pädagogisch sinnvoll bleiben“, sagt Plaas.

Stärken der Gemeinschaftsschule herausarbeiten

Die Anne-Frank-Schule in Möhringen, die nach und nach zu einer Gemeinschaftsschule wird, hatte 46 Anmeldungen für die fünften Klassen. „Diese Zahl ist für uns in Ordnung. Wir sind damit wieder zweizügig“, sagt der kommissarische Schulleiter Ulrich Mittnacht. Er ergänzt: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Schüler in höheren Klassen noch zu uns wechseln, und sind froh, dass wir da noch Kapazitäten haben.“ Ab der siebten Klasse ist die Anne-Frank-Schule dreizügig. Mittnacht geht davon aus, dass das wegen der Rückläufer von anderen Schulen auch in Zukunft so bleibt. Dennoch: „Auch wir spüren eine zunehmende Skepsis gegenüber der Gemeinschaftsschule“, sagt Mittnacht. Darum wolle man künftig die Stärken dieser Schulart noch deutlicher herausarbeiten.




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