Schulen in Stuttgart Den Werkrealschulen gehen die Schüler aus

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Nur elf Werkrealschulen können in Stuttgart noch eigene Eingangsklassen bilden. Damit setzt sich der Niedergang dieser Schulart fort. Alle anderen Schularten erfreuen sich bei Kindern und Eltern großen Zuspruchs.

Welche Schulart ist für welches Kind am besten geeignet?  Diese Frage treibt nicht nur Kinder und  Eltern um. Foto: dpa
Welche Schulart ist für welches Kind am besten geeignet? Diese Frage treibt nicht nur Kinder und Eltern um. Foto: dpa

Stuttgart - Gerade mal 232 Schüler haben sich an den 13 verbliebenen Werkrealschulen angemeldet, die überhaupt noch Fünftklässler aufnehmen. Damit setzt sich der Niedergang dieser Schulart fort. Im Gegenzug konnten sich Gymnasien, besonders die mit G9-Zug, kaum vor Anmeldungen retten, auch die Realschulen werden wieder volle Klassen haben. Und Stuttgarts erste Gemeinschaftsschule meldet bereits: „Wir haben mit 82 Anmeldungen Aufnahmestopp.“

Mit diesen Entwicklungen hat sich auch der Schulbeirat befasst. „Wir rechnen damit, dass weitere Schüler in den Werkrealschulen dazu kommen werden“, sagte Ulrike Brittinger, die Leiterin des Staatlichen Schulamts. Unter diesem Vorzeichen sind für die Falkertschule im Westen und für die Pestalozzischule in Vaihingen je eine eigene Eingangsklasse geplant, obwohl sich dort bisher je nur 14 Bewerber gemeldet haben. Bei der Werkrealschule Gablenberg und der Rosensteinschule im Norden sind Kombiklassen aus Fünft- und Sechstklässlern vorgesehen. Und nur eine einzige Werkrealschule schafft es, mit 31 Schülern über den Teiler zu kommen, und darf zweizügig zu starten.

Gymnasien wollen nicht Gemeinschaftsschulen werden

Im Schulbeirat wurde vor allem die Entwicklung an den anderen, den gefragten Schularten in den Fokus gerückt. Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) zeigte sich erfreut über den Erfolg der Gemeinschaftsschulen und das Interesse der Realschulen daran. Allerdings bestätigte Barbara Graf, die geschäftsführende Schulleiterin der Gymnasien, dass derzeit keine Gymnasien an der neuen Schulart interessiert seien – über eine Kooperation in der Oberstufe könne man jedoch sprechen.

Mittelfristig reagieren werde die Stadt wohl auf die geringe Nachfrage nach altsprachlichen Profilen: „Wir werden die altsprachlichen Züge bündeln müssen“, so Eisenmann. Als glücklich erweise sich nun, dass im Eberhard-Ludwigs-Gymnasium das Musikgymnasium erfolgreich gestartet sei. Hierzu plane man auch einen Unterbau: „Wir werden ein Konzept für musik­begabte Grundschulkinder vorschlagen“, kündigte Eisenmann an. Marita Gröger (SPD) regte an, auch in weiterführenden Schulen den Ganztagsbetrieb auszubauen. Eisenmann räumte ein, der Druck hierzu werde immens, besonders in den Klassenstufen fünf und sechs – „aber wir haben ein Tempoproblem“.

Ganztagsbetreuung für Klasse fünf und sechs ausbauen

Zulauf gibt es auch bei der Inklusion – und zwar bei allen Schularten. Im Schuljahr 2014/15 werden in Stuttgart mehr als 700 Kinder mit Handicap in Regelklassen sitzen. „Wir brauchen dafür endlich eine gesetzliche Grundlage – da lässt man uns ganz schön hängen“, sagte Eisenmann.

Mehr Bildungsangebote für Flüchtlingskinder erforderlich

Nachbesserung erhofft sich die Bürgermeisterin von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) auch bei dem Thema Flüchtlingskinder. Allein in diesem Jahr werden in Stuttgart 400 zusätzliche Schüler erwartet. Doch diese dürfen mangels Lehrerstunden nicht am Ganztag der Grundschulen teilnehmen, was pädagogisch aber sinnvoll wäre. Für ältere Schüler wäre es hilfreich, sie nicht nur an Werkrealschulen unterbringen zu dürfen, sondern heimnah. Zudem bittet Susanne Eisenmann den Minister, Flüchtlingsklassen auf maximal 16 Kinder zu begrenzen.

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