Wenn die Klasse ihrem Lehrer was schenken will, muss sie Regeln beachten. Welche Aufmerksamkeiten erlaubt sind und warum Selbstgemachtes besonders geschätzt wird.
Die Weihnachtszeit ist die perfekte Gelegenheit, um sich bei Lehrkräften für ihr Engagement zu bedanken. Doch das Schenken ist im öffentlichen Dienst streng geregelt. Welche Aufmerksamkeiten dürfen Lehrerinnen und Lehrer überhaupt annehmen.
Als Angestellte oder Beamte des öffentlichen Dienstes dürfen Lehrkräfte laut Landesbeamtengesetz grundsätzlich keine Zuwendungen von Schülern oder Eltern annehmen. Der Grund ist einfach: Lehrkräfte dürfen nicht bestechlich sein.
Juristische Grauzone: Warum Geschenke tabu sein können
Besonders kritisch ist die Situation vor der Notenvergabe, denn es darf niemals der Eindruck entstehen, ein Geschenk könne die Bewertung beeinflussen. Deshalb ist das Schenken von Bargeld und wertvollen Geschenken in Baden-Württemberg strikt untersagt. Akzeptierter Anlässe für Aufmerksamkeiten sind in der Regel ein Geburtstag, die Feiertage oder eine Verabschiedung.
Stuttgarter Schulen orientieren sich an einem Merkblatt des Kultusministeriums zur Annahme von Belohnungen und Geschenken. Im Idealfall sollten sich Lehrkräfte für die Annahme eines Geschenks eine schriftliche Zustimmung der Schulleitung einholen. Aber kleine Aufmerksamkeiten oder Geschenke von ideellem Wert sind erlaubt.
Die Regeln unterscheiden klar zwischen Einzel- und Gruppengeschenken. Kleine Aufmerksamkeiten von Einzelpersonen sind erlaubt, dürfen aber eine Wertgrenze von höchstens fünf Euro nicht überschreiten. Bei Gruppengeschenken gibt es keine allgemeine Wertgrenze. Wenn die Klasse oder die Eltern gemeinsam ein Geschenk organisieren, dürfen auch Geschenke über fünf Euro, „im gesellschaftlich üblichen Rahmen“ akzeptiert werden, schreibt das Kultusministerium. Aber auch hier gilt: Übermäßig wertvolle Geschenke sind tabu. Im Zweifel ist es das Beste, die Zustimmung der Schulleitung einholen.
Das richtige Weihnachtsgeschenk für Lehrkräfte
Auch private Schulen halten sich an diese Vorgaben. Karin Schneider, Rektorin der Waldschule Degerloch und Sprecherin der Schulen in freier Trägerschaft in Stuttgart, rät deshalb zu einem persönlicheren Ansatz: „Selbst gebastelte Geschenke eignen sich viel besser, um Wertschätzung und Anerkennung auszudrücken“, sagt sie. Eine persönliche, selbst gestaltete Karte mit wertschätzenden Worten oder ein selbstgemachtes Buch der Klasse seien schöne Möglichkeiten. Schneider betont: „Diese Art von Geschenk kostet zwar deutlich mehr Zeit, zeigt aber auch viel besser die Wertschätzung als etwas Gekauftes.“
Übrigens: Ein Geschenk muss auch nicht zwingend materiell sein: Auch eine kurze Performance der Klasse ist eine nette Geste und sendet eine klare Botschaft: Hier wurde sich Gedanken gemacht und Zeit genommen, um Dankbarkeit auszudrücken.