Schulen in Stuttgart Weniger Helikopter-Eltern in Bad Cannstatt

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An der Bad Cannstatter Schillerschule sind die Störungen durch übervorsichtige Eltern zurückgegangen – der Brandbrief des Rektors hat offenbar Wirkung gezeitigt. Nur das mit dem Laufbus funktioniert noch nicht.

Der Abschied vom Schulkind kann auch schon am heimischen Gartentor stattfinden. Wer zu Fuß geht, kommt frischer in der Schule an. Foto: Horst Rudel
Der Abschied vom Schulkind kann auch schon am heimischen Gartentor stattfinden. Wer zu Fuß geht, kommt frischer in der Schule an. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Nein, den neuen Film von Sönke Wortmann über Helikopter-Eltern („Frau Müller muss weg“) hat sich Ralf Hermann, der Leiter der Schillerschule in Bad Cannstatt, noch nicht angeschaut. „Grad jetzt nicht“, sagt der Rektor, der durch StZ-Berichte über seinen Brandbrief an Eltern, die den Schulbetrieb stören, bundesweite Aufmerksamkeit erfahren hat. Ungewollt.

Noch immer werde er täglich mit Mails bombardiert und habe Einladungen zu den Talkshows von Günter Jauch und Markus Lanz erhalten. „Alle wollen eine Stellungnahme.“ Doch Hermann sieht keine Notwendigkeit, in die Öffentlichkeit zu treten und Öl ins Feuer zu gießen. Er habe alle Einladungen abgelehnt.

„Wenn der Schulleiter schreibt, reicht das“

„Ich bin froh, wenn alles zur Ruhe kommt – die Eltern stören nicht mehr so wie vorher“, sagte er der StZ auf Anfrage. Diesen Effekt führt Hermann auf seinen Brandbrief vom November 2014 zurück – „da brauche ich keinen Markus Lanz oder Günter Jauch“, sagt der Rektor selbstbewusst. „Wenn der Schulleiter schreibt, reicht das.“

Den Brief hatte er an die Grundschuleltern adressiert, er war ohne Zutun des Rektors der StZ zugespielt worden. In dem Schreiben hatte er die Eltern in ungewöhnlich drastischen Worten aufgefordert, es doch künftig zu unterlassen, vor dem Schulhaus ein Parkchaos zu verursachen, den Kindern die Schulranzen bis ins Klassenzimmer zu tragen und durch laute Gespräche miteinander oder mit der Lehrerin oder durch Winken am Fenster den Unterricht zu stören.

Und nun? „Die Eltern warten mehr draußen, die Situation im Schulhaus hat sich verbessert“, sagt Hermann. Auch die Winkerei draußen vor den Klassenzimmern habe aufgehört. Und immer mehr Kinder kämen freudestrahlend in die Schule, stolz darüber, dass sie es geschafft hätten, allein samt Ranzen in den dritten Stock zu gelangen, ohne Eltern. Besonders die Eigenständigkeit der Kinder und Stärkung ihrer Persönlichkeit sind der Schule und Rektor Hermann wichtig. Gerade weil er dies durch die Überfürsorglichkeit vieler Eltern bedroht sah, hatte er jenen drastischen Brief geschrieben.




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