Schulentwicklung Kein neues Gymnasium für Stuttgart – „Wir sind enttäuscht“

Das Hauptschulgebäude wird saniert und soll künftig von der Grundschule genutzt werden. Enttäuscht ist Paul Wurm vom Förderverein Schulcampus Hedelfingen darüber, dass es vorerst kein neues Gymnasium gibt. Foto: privat

Jahrelang hat sich der Förderverein Schulcampus Hedelfingen für den Bau eines Gymnasiums am Steinenberg eingesetzt. Warum er nicht aufgibt, auch wenn nun anders entschieden worden ist.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Zumindest vorerst möchte die Stadt Stuttgart kein weiteres Gymnasium bauen. Als Gründe führt sie die gesunkenen Übertrittsquoten auf das Gymnasium und neue Erweiterungsmöglichkeiten am Lindenschulzentrum in Untertürkheim an. Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen hatte sich jahrelang für ein Gymnasium am Steinenberg eingesetzt. Das Vorstandsmitglied Paul Wurm spricht im Interview darüber, wie es jetzt weitergeht.

 

Herr Wurm, können Sie die Argumentation der Stadt und die Entscheidung des Gemeinderats nachvollziehen?

Wir sind enttäuscht über den Beschluss. Wir haben über Jahre sachlich und mit großem Engagement für den Standort gearbeitet. Wichtig ist für uns, dass der Plan, ein Gymnasium am Steinenberg zu bauen, nicht endgültig aufgegeben wurde. Er wurde lediglich aus politischen und finanziellen Gründen unter dem Druck der aktuellen Haushaltslage und einer veränderten Prioritätensetzung zurückgestellt. Die Machbarkeitsstudie hat bestätigt, dass ein Gymnasium am Steinenberg eine ernsthafte und realisierbare Entwicklungsoption ist. Aus Sicht des Fördervereins darf der Beschluss deshalb nicht als endgültige Absage für alle Zeiten missverstanden werden.

Warum ist dem Förderverein Schulcampus Hedelfingen der Bau eines neuen Gymnasiums am Steinenberg so wichtig?

Wir engagieren uns für gute Bildungsmöglichkeiten vor Ort für die Kinder in Hedelfingen und in den gesamten Oberen Neckarvororten. Das Gelände am Steinenberg bietet ideale Voraussetzungen: Es liegt in Halbhöhenlage im Grünen, fernab der Hauptverkehrsadern, aber gut erreichbar, die Infrastruktur ist vorhanden, es gibt eine Grundschule und eine große Turnhalle. Unserer Meinung nach wäre ein ergänzendes Schulangebot vor Ort sinnvoll. Die Kinder hätten kürzere Wege, in der Grundschulzeit aufgebaute Beziehungen könnten bestehen bleiben.

Am Lindenschulzentrum in Untertürkheim arbeiten die Linden-Realschule und das Wirtemberg-Gymnasium bereits zusammenm Foto: Mathias Kuhn

Nun wurde vorerst anders entschieden.

Mag sein, dass große Schulzentren heute als wirtschaftlicher gelten. Aber man sollte auch an die Kinder denken. Und es muss sich erst noch erweisen, ob die nun priorisierte Erweiterung des Lindenschulzentrums und das dafür vorgesehene Kinobauer-Areal die Erwartungen tatsächlich erfüllen und der Bedarf an Schulplätzen in den Oberen Neckarvororten so gedeckt werden kann – rechtzeitig, tragfähig und finanziell verantwortbar. Genau daran wird sich die Stadt in den kommenden Jahren messen lassen müssen.

Wie geht es mit ihrem Förderverein weiter?

Wir werden uns nicht auflösen. Kinder und Familien in Hedelfingen, Wangen, Untertürkheim und den Oberen Neckarvororten brauchen eine verlässliche, wohnortnahe und zukunftsfähige Schulentwicklung. Dafür werden wir uns weiterhin sachlich, beharrlich und konstruktiv einsetzen und uns bei Bedarf zu Wort melden. Dazu werden wir die Machbarkeitsstudie sorgfältig auswerten. Positiv ist, dass es jetzt auch den Beschluss gibt, dass die Grundschule Steinenberg saniert wird. Das ist überfällig. Der Förderverein wird die weiteren Schritte der Verwaltung aufmerksam begleiten.

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