Schulerweiterung in Gerlingen Sanierung in einer komplett leeren Realschule

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Der Gemeinderat widerruft sein früheres Votum „keine Container“ – Mit Ersatzlösungen soll die Bauzeit von vier auf zwei Jahre halbiert werden.

Auf dem Grünbereich neben dem Roten Platz soll ein zweigeschossiger Behelfsbau für die Realschule   entstehen. Foto: factum/Granville
Auf dem Grünbereich neben dem Roten Platz soll ein zweigeschossiger Behelfsbau für die Realschule entstehen. Foto: factum/Granville

Gerlingen - Es wird ein Mammutprojekt, und es wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Sanierung und Erweiterung der Gerlinger Realschule soll nun aber nur zwei Jahre dauern – und nicht vier, wie es bisher immer geheißen hatte. Erreicht wird dies dadurch, dass das Schulgebäude komplett ausgeräumt und zur Baustelle wird. Platz für Schüler und Lehrer wird es in den benachbarten Schulen geben – sowie in einem zweigeschossigen Containerbau, der für zwei Jahre neben den Roten Platz gestellt wird. Dies hat der Gemeinderat jetzt beschlossen – und damit eine frühere Vorgabe über den Haufen geworfen. Die Eltern und die Schulleitung sind darüber froh. Das Stadtbauamt überzeugte den Rat davon, dass diese Lösung viele Vorteile hat.

Für das Projekt der Sanierung und Erweiterung gab es immer die Annahme, dass während der Bauarbeiten ein Teil der Klassen im Schulgebäude bleibt und der andere in der benachbarten Pestalozzischule sowie dem Robert-Bosch-Gymnasium unterkommt. Das hätte zwei Bauabschnitte von je zwei Jahren ergeben. Darüber habe man nochmals intensiv nachgedacht und mit den Schulleitern gesprochen, sagte der Stadtbaumeister Thomas Günther im Gemeinderat. Ergebnis: Es wäre neben der teilweisen Auslagerung eine kleine Containerlösung für zwei Jahre nötig gewesen. Zudem wären teure Provisorien und viel Hin- und Herräumen erforderlich gewesen. Die Bauzeit von vier Jahren „sind zwei Drittel der Schulzeit eines Realschülers“, sagte Günther – sehr lange.

Alternative gesucht

Deshalb suchte man im Bauamt nach den Realisierungschancen der Alternative: Das Sanieren an einem Stück in einem leeren Gebäude, in dem nicht während der Bauarbeiten Unterricht stattfinden muss. Dazu werden auch neun Klassen in die Nachbarschulen ausgelagert, der Lehrer- und Verwaltungsbereich sowie zehn Klassenzimmer kämen zusammen in einen zweistöckigen Containerbau.

Günther schilderte die Vorteile dieser Lösung – von der Halbierung der Bauzeit bis zu geringeren Risiken beim Ausbau von Schadstoffen, der kürzeren Belästigung der Nachbarschaft und des geringeren Risikos der Baukostensteigerung. Angesichts dessen bestand keiner der Gemeinderäte auf dem früheren Votum „keine Container“.

„Die Argumente sind überzeugend“, meinte Nino Niechziol (Junge Gerlinger); vieles hätte man allerdings vorher wissen können. Dies bestätigte der Stadtbaumeister, sagte aber auch: „Beim nochmaligen Nachdenken findet man manchmal eine Lösung.“ Der Standort für die Container neben dem Roten Platz sei der Beste von drei möglichen gegenüber der Realschule, der Platz sei dann der Schulhof.

Gibt es einen negativen Punkt?

„Ihre Überlegungen sind gut“, meinte Peter Zydel (FDP), „ich kann nicht rummäkeln.“ Brigitte Fink (SPD) betonte die „positive Lösung“, allerdings müsse der Ganztagsbetrieb in der Pestalozzischule gewährleistet sein. Für Martin Nufer und die Freien Wähler ist wichtig, dass „die Schüler nicht gefährdet werden“. Und Ewald Bischoff (Grüne) wollte wissen, ob es „einen negativen Punkt gibt, der nicht aufgeführt ist?“. Die Lehrer hätten längere Wege, meinte Thomas Günther, die Stundenpläne seien eine Herausforderung, und das Gymnasium und die Pestalozzischule müssten Platz hergeben. Die Container würden gemietet, antwortete der Stadtbaumeister auf eine Frage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Haag.

Der Schulleiter Eiko Schwalbe bedankte sich bei den Stadträten, „jeder gewonnene Monat ist ein guter Monat“. Je kürzer die Bauzeit sei, desto besser. Das Zusammenrücken im Schulzentrum werde ein Kraftakt. Die Zwei-Jahres-Lösung für die Bauzeit sei toll, sagte der Elternbeiratsvorsitzende Cem Tosun unserer Zeitung. Es gebe zwar noch keine Details, „die Eltern sind aber bereit, Kompromisse einzugehen“. Sie hätten jahrelang für den Umbau gekämpft und am Anfang der Planung auch das Votum gegen die Container als „bittere Pille geschluckt“. Er sei guter Dinge, so Tosun, „die Eltern sind sehr offen“.